Thomas Dreßen ließ es sich nicht nehmen, dem neuen „König von Kitzbühel“ den Ritterschlag zu erteilen. Nach einem kurzen Plausch mit Aleksander Aamodt Kilde klopfte der aktuell noch angeschlagene Streif-Sieger von 2018 seinem Nachfolger aus Norwegen anerkennend auf die Schulter. Seinen deutschen Teamkollegen dagegen musste Dreßen Trost spenden.

Bei der spektakulären Triumphfahrt von Olympia-Favorit Kilde auf der leicht verkürzten und etwas veränderten Streif war Dominik Schwaiger als 14. erneut bester DSV-Starter. „Es wäre mehr drin gewesen, ich bin nicht wirklich zufrieden“, sagte er. Das galt auch für Andreas Sander und Romed Baumann auf den Rängen 23 sowie 25, erst recht für Simon Jocher und Josef Ferstl auf den Plätzen 29 und 33.

Während die Deutschen nach dem vorletzten Rennen vor Olympia in Peking haderten, war Kilde baff. „Es ist unglaublich, völlig wild, ich verstehe das gar nicht. Herr im Himmel, ist das möglich?“, sagte er verdattert. Vor einem Jahr hatte sich der Freund der Ski-Dominatorin Mikaela Shiffrin noch das Kreuzband gerissen – jetzt triumphierte er erstmals auf der berühmtesten Strecke der Welt.

Dass die Streif am „Hausberg“ etwas entschärft und wegen Windes minimal verkürzt worden war, schmälerte seinen sechsten Saisonsieg keinesfalls. „Es ist immer noch Kitzbühel“, sagte Kilde selig, „eines der größten Rennen, das ich gewinnen kann.“ Er tat es in einem spektakulären Lauf mit zahlreichen Führungswechseln in der Manier eines Ausnahmefahrers und holte als erster Rennläufer seit Didier Defago 2009 das Klassiker-Doppel aus Wengen und Kitzbühel.

Stolze 0,42 Sekunden lag der 29 Jahre alte Modellathlet aus Baerum bei Oslo vor dem zwölf Jahre älteren Johan Clarey aus Frankreich. Dessen Landsmann Blaise Giezendanner (+0,63) raste mit der hohen Nummer 43 sensationell auf Rang drei. Damit stieß er zum Entsetzen der 1000 Fans im Tiroler Corona-Hotspot Österreichs Ski-Held Matthias Mayer vom Podium.

Vom „Stockerl“ waren die deutschen Abfahrer weit entfernt, Schwaiger fehlte knapp eine Sekunde. „U-Hackerl ein bisserl versaut, Steilhang nicht zu 100 Prozent getroffen, im Lärchenschuss zu früh ausgelassen, den Oberhang zu direkt gefahren“ – das waren einfach zu viele Fehler, musste er zugeben. Mit Blick auf das zweite Rennen am Sonntag, das wegen der angekündigten Schneefälle allerdings bedenklich wackelt, meinte Schwaiger: „Ich weiß, was zu tun ist: Wir schauen uns die Linie vom Kilde an, die Top 10 sind drin.“

Dort sollte auch Vize-Weltmeister Andreas Sander zu Hause sein, nach dem Wengen-Debakel sah er in Kitz „einen kleinen Schritt – leider zu klein“. Romed Baumann war mit Startnummer 2 als „Schneepflug“ (Schwaiger) unterwegs und hatte „einfach Pech“, wie er meinte: „Das ist bitter, ich kann mir wenig Vorwürfe machen.“ Sein Rat an die Kollegen und sich selbst: „Nicht den Kopf hängen lassen.“ Am Sonntag gibt es in der Gamsstadt die nächste Chance – die letzte vor Peking. sid

Erst Slalom, dann zweite Abfahrt


Tief Ida hat  das Kitzbühel-Programm durcheinander gebracht. Die traditionell samstags ausgetragene zweite Hahnenkamm-Abfahrt wurde auf Sonntag (13.30 Uhr/ARD) verlegt, der ursprünglich zum Abschluss vorgesehene Slalom wird schon am Samstag (10.15/13.45/ARD) gestartet.