sid Nach dem Abstieg muss Fortuna Düsseldorf unter Hochdruck die Mission Wiederaufstieg planen. Die Rahmenbedinungen sind schwierig.

Am Montag trauern die Absteiger ein letztes Mal gemeinsam über die leichtfertig vergebene Relegations-Chance. Danach beginnt bei Fortuna Düsseldorf der XXL-Umbruch. „Wir werden uns nochmal treffen und verabschieden, und dann brauchen wir im Urlaub alle ein bisschen Abstand“, sagte Trainer Uwe Rösler. Für die meisten wird es ein Abschied für immer. Der Coach aber bleibt.

Auch mit dem Makel des Absteigers soll Rösler in der 2. Liga die schwierige Mission Wiederaufstieg leiten – „selbstverständlich“, wie Sportvorstand Uwe Klein nach dem bitteren 0:3 (0:1) im Saisonfinale bei Union Berlin betonte. Rösler verspürte zwar im ersten Moment „eine unheimliche Leere“, im zweiten aber auch schon eine gewisse Angriffslust.

Fassungsloser Funkel

„Ich freue mich auf die nächste Saison“, sagte der 51-Jährige, „auf die Chance, es wiedergutzumachen, zu kämpfen.“ Und zu improvisieren. „Wir müssen eine neue Mannschaft bauen, es wartet viel Arbeit auf uns im Sommer.“ 17 (!) Spielerverträge laufen aus, und der Verbleib von Leistungsträgern wie Kaan Ayhan ist ungewiss. Der Gürtel muss nicht nur wegen der Coronakrise enger geschnallt werden: Die Einnahme durch TV-Gelder sinkt in der 2. Liga von 38 auf 21 Millionen Euro.

Beim Neuaufbau nach dem sechsten Bundesliga-Abstieg der Klubgeschichte dürfte es wenig hilfreich sein, wenn sich Röslers Vorgänger stets zu Wort meldet. Friedhelm Funkel, unter dem Fortuna in 19 Spielen nur 15 Punkte geholt hatte, sprach via Bild Live von einem „völlig unnötigen Abstieg“ und kritisierte die Leistung im Saisonfinale: „Die Mannschaft hat es zu keiner Phase geschafft, das abzurufen, wozu sie imstande ist.“ Er sei „immer noch fassungslos“, in den nächsten Tagen werde es ihm „nicht gut gehen“.

Dass ausgerechnet der Rhein-Rivale 1. FC Köln mit einer desolaten Vorstellung bei Werder Bremen (1:6) das Zünglein an der Waage war, störte Rösler angeblich nicht. „Ich habe immer gesagt: Selbst ist der Mann.“

Abgeschnitten von ihren Fans suchten die Düsseldorfer Männer Trost bei ihren Liebsten. „Dann kommt ein gestandener und starker Mann nach Hause, nimmt seine Kinder in den Arm und weint“, schrieb Janine Hennings bei Instagram über ihren Ehemann Rouwen. Der 32-Jährige spielte mit 15 Ligatreffern die Saison seines Lebens – und steigt trotzdem ab. „So ist Fußball“, schrieb seine Frau treffend, „heute bist du der Star, morgen ist alles schlecht.“ sid

Zahlen zur Bundesliga-Saison 2019/2020

2    Punkte aus neun Spielen: Die Bilanz des FC Schalke 04 nach der virusbedingten Zwangspause ist die eines Absteigers: Die Köngisblauen liegen in der Nach-Corona-Tabelle auf dem letzten Platz.

6    Platzverweise sammelte Bayer Leverkusen und führt damit eine unrühmliche Rangliste an. Drei Rote und drei Gelb-Rote-Karten stehen am Saisonende in der Statistik der Rheinländer.

17  Gelbe Karten in einer Spielzeit hat der Paderborner Klaus Gjasula gesammelt – Rekord. Die zuvor gültige Bestmarke hatte der Duisburger Tomasz Hajto mit 16 Verwarnungen in der Saison 1998/99 geliefert.

21  Assists sind ebenfalls eine Rekordzahl: Bayerns Thomas Müller bereitete so viele Treffer in einer Saison vor wie noch nie ein Bundesligaspieler vor ihm.