Karl Geiger stand mit dem Gelben Trikot im dichten Flockenwirbel und freute sich über einen nahezu perfekten Start in den olympischen Skisprung-­Winter. Platz zwei am Sonntag nach einem Sieg im ersten Springen im russischen Nischni Tagil – für den Skiflug-Weltmeister aus Oberstdorf war es ein Auftakt nach Maß. „Besser geht es kaum. Ich bin megahappy mit dem Wochenende, das waren echt zwei coole Wettkämpfe“, sagte Geiger am Sonntag in der ARD.

Bei dichtem Schneetreiben musste sich der 28-Jährige nur dem Norweger Halvor Egner Granerud geschlagen geben. Der Weltcup-Titelverteidiger, am Vortag Dritter, setzte sich vor Geiger und dem Österreicher Stefan Kraft durch. „Der zweite Durchgang war echt eine Herausforderung, es hat brutal geschneit“, sagte Geiger. Aber auch solche Bedingungen bringen ihn nicht aus der Ruhe.

Am Samstag hatte sich Geiger in einem Bilderbuch-Wettkampf bei schwierigen Bedingungen souverän vor dem Japaner Ryoyu Kobayashi, der am Sonntag disqualifiziert wurde, und Granerud durchgesetzt. „Mir hat es so unter den Nägeln gebrannt, dass es endlich losgeht. Das ist Wahnsinn, ich komme aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus. Ich wusste, dass ich in den vergangenen Wochen gut gesprungen bin, aber nicht, wo ich stehe.“

Auch der Rest des deutschen Teams überzeugte im bitterkalten Russland. Zweitbester war jeweils Markus Eisenbichler (Siegsdorf). „Sechster und Achter – so kann es weitergehen“, sagte Eisenbichler. Stark das Comeback von Stephan Leyhe. An seinem ersten Weltcup nach dem Kreuzbandriss im März 2020 landete er auf den Plätzen 14 und zehn. Das war deutlich mehr als erwartet. „Ich habe mich von Sprung von Sprung gesteigert, ich bin mehr als zufrieden“, sagte der in Hinterzarten lebende Hesse.

Sorgen bereitete den deutschen Springern einer ihrer Betreuer. Der musste nach einem positiven Coronatest in Quarantäne. Die Bedingungen in Russland kritisierte nicht nur der Deutsche Skiverband heftig. Es wird sogar über einen Rückzug des Teams vor der Weiterreise nach Finnland nachgedacht. sid