Unerträglich heiß ist der Sommer in Katar. 40 Grad und mehr sind in dem Wüstenstaat keine Seltenheit im Juni, Juli, August und September. Schön warm, aber nicht zwingend knackig heiß, ist es am Persischen Golf im November. Weht ein laues Lüftchen, ist es sogar ganz gut auszuhalten. Der anrückende Winter in Katar fühlt sich eher an wie der (Hoch-)Sommer in Mitteleuropa. Am Donnerstag war es 28 Grad warm. Dennoch werden die Arenen bei der Fußball-WM mit riesigem Aufwand heruntergekühlt.

Das war auch beim Auftaktspiel der deutschen Mannschaft am Mittwochnachmittag gegen Japan so. Wer mit einem T-Shirt bekleidet zum schönen Khalifa International Stadion gelaufen ist, war beim Betreten der Tribünen gut beraten, einen Pullover überzustreifen oder eine Jacke anzuziehen. Denn plötzlich war es nicht mehr lauschig warm, sondern eher schattig. Dafür sorgen im Khalifa wie in anderen Arenen gut sichtbare große Kühlgebläse unterm Tribünendach sowie auf Höhe der Spielfelder. Unter vielen Zuschauer-Sitzen befinden sich überdies Lüftungsschlitze, aus denen nicht stark, aber doch permanent kalte Luft strömt.

Das angeblich mit Energie aus riesigen Solarparks betriebene Arenen-System soll nach Angaben der WM-Organisatoren die Temperatur in den Stadien auf 20 bis 23 Grad herabkühlen. Gefühlt weniger als 20 Grad warm und fast schon empfindlich kühl war es beim Match zwischen dem Iran und England, das ebenfalls in der Khalifa-Arena stattfand.

„Jedes Stadion wird auf eine angenehme Temperatur von etwa 20 Grad gekühlt“, sagt Dr. Saud Abdulaziz Ghani. Nach Angaben des Weltfußballverbands Fifa ist der Professor für Ingenieurwesen zuständig für Kühltechnik in den WM-Stadien. Mit der Kühltechnik ausgerüstet sind bei dieser Weltmeisterschaft sieben der acht Arenen. Lediglich das Stadion 974 im Hafen Dohas verfügt der Fifa zufolge über ein „natürliches Lüftungssytem“.

Schockgefrorene Räume

Kühlanlagen sind nicht nur in den WM-Spielstätten im Einsatz, sondern praktisch in allen offiziellen Gebäuden des Landes, in Dohas riesigem, einem Flugzeugterminal gleichendem Medienzentrum namens Qatar International Convention Center genauso wie in Supermärkten, Bussen, Bahnen, der Metro in und rund um die Hauptstadt.

Nicht selten werden Innenräume in Katar sogar schockgefroren. Busfahrten übersteht der Besucher aus Europa in der Regel nur dann gesund, wenn er sich dick einmummelt. Was dazu führt, dass Insassen mitunter Mützen, Schals und Daunenjacken tragen, um sich gegen die künstlich erzeugten, eisigen Luftströme zu schützen, während draußen die Sonne vom Himmel brezelt.

Lausig kalt war es auch während der Pressekonferenz nach der deutschen Pleite gegen Japan. Die Fragerunde fand in einem Zelt neben dem Khalifa-Stadion statt. Hansi Flick erschien passend zum traurigen Anlass in Schwarz. Sein Jacket hatte der Bundestrainer aus gutem Grund zugeknöpft. Carsten Muth