Edmonton / sid Die Profiliga NHL setzt unter strikten Sicherheitsvorkehrungen die Saison fort. Der deutsche Star Leon Draisaitl will mit den Edmonton Oilers am ganz großen Rad drehen.

Hohe Gitterzäune, Gesundheitschecks per Handy, ständige Kontrollen und Mund-Nasen-Schutz für alle: Abgeschirmt von der Außenwelt und unter strikten Sicherheitsvorkehrungen geht für Leon Draisaitl nach langer Corona-Zwangspause die Jagd auf den Stanley Cup weiter. „Die Kontrollen sind streng, was auch richtig so ist“, sagt der Eishockey-­Superstar vor dem Restart der Profiliga NHL. „Maskenpflicht und Tests jeden Tag gehören einfach dazu.“

Mit seinen Edmonton Oilers und elf anderen Teams ist der 24-Jährige in der Sicherheitszone rund um die Heim-Arena regelrecht einkaserniert. Mit allem Luxus, Fünf-Sterne-Hotel und Nobelrestaurants, und möglichst viel Ablenkung mit diversen Cafes, Bars, Food Trucks und Kinos – denn so schnell soll und will Draisaitl nicht wieder raus aus der „Blase“.

Anfang Oktober will der erste deutsche Scorerkönig der NHL den wichtigsten Eishockey-Pokal der Welt in den Händen halten – und Edmonton den ersten Meistertitel seit 30 Jahren bescheren. Dass er vorher noch Trophäen als Liga-MVP und herausragender Spieler der Saison bekommen könnte, ist für ihn eher zweitrangig. „Es ist eine Ehre, nominiert zu werden, und natürlich bin ich da auch stolz drauf – aber nichts übertrumpft den Stanley Cup“, sagt Draisaitl.

Wie bei einer WM

Wegen der Corona-Pandemie, die vor allem in den USA wütet, ist der Weg zum Titel diesmal ganz anders. Keine epischen Play-off-Serien in vollen Hallen mit Flügen quer über den Kontinent, stattdessen Spiele vor abgehängten Rängen fast rund um die Uhr in den Arenen in Edmonton – für die Teams aus dem Westen,  und in Toronto – für den Osten.

„Es hat ein wenig etwas von einer Weltmeisterschaft, definitiv“, sagt Draisaitl. Die Gegner, die man sonst nur auf dem Eis sieht, wohnen jetzt im selben Hotel. „Man läuft sich über den Weg“, berichtet Nationalspieler Korbinian Holzer, der mit den Nashville Predators ebenfalls in Edmonton spielt, „mit Leon habe ich schon kurz gequatscht.“

Eigentlich sollen sich die Teams in den ersten Tagen in der „Bubble“ noch aus dem Weg gehen, bis sicher ist, dass definitiv kein Spieler mit Corona infiziert ist. Die Testergebnisse vor dem Einzug in die Sicherheitszone in Edmonton und Toronto sind bislang ermutigend: Keine einzige der 4256 Proben, die vom 18. bis 25. Juli bei über 800 Spielern genommen wurden, war laut NHL positiv.

Damit das auch so bleibt, wird nicht nur regelmäßig weiter getestet. Über eine Gesundheits-­App mit Infrarot-Fiebermessung und Gesichtserkennung muss alle zwölf Stunden buchstäblich grünes Licht gegeben werden. „Sonst kommst du nirgendwo rein“, sagt der gebürtige Oberbayer Holzer. Außerhalb des Eises und der Kabine herrscht zudem fast überall Maskenpflicht.

Der Verteidiger fühlt sich ebenso wie Draisaitl „sicher“, auch weil er nicht in den USA ist. „Kanada hat Corona besser im Griff“, sagt Holzer. Einen Ausbruch wie im Baseball mit 15 infizierten Spielern bei den Miami Marlins und mehreren Spielabsagen befürchtet er im Eishockey nicht: „Sie müssen reisen, wir sind dagegen gut abgeschottet.“

Für Draisaitl beginnt am Samstag (21 Uhr MESZ/DAZN) mit der Qualifikationsrunde gegen die Chicago Blackhawks das Finalturnier. Eine Hauptrolle traut dem Kölner nicht nur Holzer zu: „Er hat noch eine Schippe draufgelegt und sein Team getragen.“ Auch Ex-Bundestrainer Marco Sturm schwärmt: „Er ist gedanklich den anderen Spielern einen Tick voraus.“ Edmonton könnte „für eine Überraschung sorgen“. sid

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Tore hat Leon Draisaitl in der abgebrochenen Hauptrunde für die Edmonton Oilers erzielt. Dazu kommen noch 67 Assists, also Vorlagen für weitere Treffer von Teamkollegen.