Als Joshua Kimmich am Dienstagabend ins EM-Abenteuer startete, hatte er die schmeichelnden Worte von Joachim Löw noch im Ohr. „Der Jo“, befand der Bundestrainer, „hat das Format eines Philipp Lahm.“ Ein größeres Lob kann es aus Löws Mund kaum geben. Es mache Kimmichs Klasse aus, sagte er, „sich sofort auf seine Aufgaben einstellen zu können“. Die Aufgabe, die ihm Löw beim 7:1-Schützenfest gegen Lettland abverlangte, löste in Kimmich allerdings zwiespältige Gefühle aus.

Der 26-Jährige beackerte mangels hochklassiger Alternativen die von ihm inzwischen ungeliebte rechte Außenbahn. Dabei sieht Führungsspieler Kimmich, der gebürtige Rottweiler, seinen Platz auch in der Nationalmannschaft im Zentrum. Nicht nur sein ehemaliger Bayern-Trainer Hansi Flick traut ihm auf dieser Position zu, „Weltfußballer zu werden“.

Seine Entscheidung hatte Löw dem ehrgeizigen Kimmich am Abend vorm Lettland-Spiel in einem Vier-Augen-Gespräch mitgeteilt. Rechts hatte Kimmich in der Nationalelf zuletzt beim Confed-Cup-Triumph 2017 gespielt. Doch völlig ungewohnt ist die Situation für ihn nicht: Als Flick beim Champions-League-Finalturnier 2020 in Lissabon ebenfalls große Not auf dieser Position hatte, half Kimmich aus und bereitete von dort im Endspiel das Siegtor von Kingsley Coman vor.

Für Rio-Weltmeister Bastian Schweinsteiger kommt die neue Entwicklung daher auch nicht überraschend. „Joshua als einer der besten Sechser hat das Pech, dass er als Rechtsverteidiger immer noch weit besser ist als jede andere Option“, sagte der ARD-Experte und fügte hinzu: „Es tut mir sehr leid für ihn, aber ich habe das immer vermutet, dass sich das für Joshua so ergeben könnte.“ Auch gegen Lettland habe Kimmich „es sehr gut gemacht“, sagte Joachim Löw. Der frühere Stuttgarter VfB-Juniorenspieler hatte zwar unübersehbare Anlaufschwierigkeiten, doch in der zweiten Halbzeit erfüllte er Löws Auftrag immer besser. sid