Als Iga Swiatek am späten Samstagabend den Deckel ihres Silberpokals anhob, war die US-Open-Siegerin plötzlich ganz aus dem Häuschen. „Wow, das weiß ich sehr zu schätzen“, rief die Überfliegerin der Tennis-Szene und verputzte prompt die kleine Portion Tiramisu, die jemand in der Trophäe versteckt hatte.

„Ich habe ja ansonsten gar keine Zeit zu essen. Ich werde mich bestimmt bekleckern“, sagte Iga Swiatek mit der blendenden Laune einer Grand-Slam-Siegerin. „Es ist für mich eine Bestätigung, dass es für mich keine Grenzen gibt“, sagte die Weltranglistenerste aus Polen: „Ich bin stolz, ein bisschen überrascht und einfach glücklich, dass ich das geschafft habe.“

Dominant an der Spitze

Fragezeichen gab es durchaus: Eine eher durchwachsene Vorbereitung. Zweifel, ob sie auch auf Hartplatz um den Titel mitspielen kann. Dazu die hoch motivierte Konkurrenz. All das hat Swiatek abgeschüttelt und einmal mehr gezeigt, warum sie unangefochten an der Spitze steht. Gerade zu Beginn des 6:2, 7:6 (7:5)-Finalsieges gegen die Tunesierin Ons Jabeur hatte Swiatek eine echte Machtdemonstration abgehalten, die in der Heimat für Verzückung sorgte.

„Bravo, herzlichen Glückwunsch und danke“, schrieb Polens Staatspräsident Andrzej Duda bei Twitter und verneigte sich verbal nach einem „weiteren historischen Triumph unserer großen Tennisspielerin“. Die polnische Sportzeitung Przeglad Sportowy feierte die „Königin von New York“, Swiatek habe die Welt „einmal mehr in Erstaunen versetzt“.

„Man kennt Iga und weiß, wie sie in Finals spielt“, sagte die bitter enttäuschte Jabeur. Sie musste letztlich anerkennen, dass Swiatek eine Nummer zu groß war und vor allem auch mental unheimlich schwer zu knacken ist. Ein Bereich, auf den sie seit jeher viel Wert legt.

Entspannt statt gestresst

Mentaltrainerin Daria Abramowicz ist immer an ihrer Seite und sorgt dafür, dass ihre Athletin Wege findet, mit dem Druck umzugehen – was im Finale von New York perfekt klappte. „Ich hatte das Gefühl, dass ich die Erfahrung aus meinen beiden French-Open-Siegen ziemlich gut genutzt habe“, sagte Swiatek: „Ich habe mich nicht so gestresst gefühlt.“

Im Turnierverlauf war es Swiatek immer wieder gelungen, sich aus schwierigen Matchsituationen zu befreien, wie etwa im Achtelfinale gegen die Dortmunderin Jule Niemeier. Auch das laute, manchmal durchaus stressige New York konnte Swiatek nichts anhaben. Sie lieferte immer wieder ab. Die kleine Portion Tiramisu hatte sie sich redlich verdient. sid