Nach Novak Djokovics Abreise und Rückkehr in die Heimat (siehe auch Info-Box) steht bei den Australian Open der Sport wieder ziemlich an erster Stelle. Ohne Satzverlust, aber auch ohne die Demonstration besonders starker Form hat am ersten Tag Olympiasieger Alexander Zverev die zweite Runde erreicht. Mit 7:6 (7:3), 6:1, 7:6 (7:1) setzte sich der Titelkandidat am Montag in Melbourne trotz schwächerer Phasen im deutschen Duell mit Daniel Altmaier durch. Nach 2:38 Stunden nutzte der 24-Jährige seinen fünften Matchball und rundete einen erfolgreichen ersten Tag für die deutschen Tennis-Herren ab.

„Du wirst nicht immer dein bestes Tennis spielen. Es war ein gutes Match für mich, um ins Turnier zu kommen und hoffentlich wird das nächste besser“, sagte Zverev nach dem abendlichen Auftritt in der Rod-Laver-Arena und räumte ein: „Es ist nicht viel nach Plan gelaufen, außer dass ich gewonnen habe.“

Im Kampf um den Einzug in die dritte Runde bekommt es die Nummer drei der Welt am Mittwoch mit John Millman zu tun. Zweimal hat Zverev gegen den Australier bisher gespielt, zweimal gewonnen – bei den French Open 2019 aber kämpfte er sich erst in fünf Sätzen durch.

Doch Zverev hat für Down Under die größten Ambitionen: In knapp zwei Wochen würde der Hamburger hier nur zu gern seinen ersten Grand-Slam-Titel feiern. Nach der erzwungenen Ausreise von Melbourne-Rekordchampion Djokovic ist Zverev der am besten platzierte Profi in der oberen Tableauhälfte – und könnte ein Profiteur des Gerichtsentscheids gegen Djokovic sein.

Erstes Duell, zweimal Tiebreak

Im ersten Aufeinandertreffen mit Altmaier fand Zverev schwer ins Match. Wer gedacht hatte, der Melbourne-Halbfinalist von 2020 würde die Partie von Beginn an dominieren, sah sich getäuscht. Erst im Tiebreak war die deutsche Nummer eins der bessere Spieler – und verdiente Sieger. Altmaier belegt in der Weltrangliste Platz 87, hatte 2020 bei den French Open mit dem Achtelfinaleinzug überrascht und trat nun erstmals bei den Australian Open an. Im zweiten Satz hatte es Zverev eilig: Zum 1:0 und 3:0 nahm er dem ein Jahr jüngeren Gegner die Aufschlagspiele ab. Als ihm ein unnötigen Fehler unterlief und Altmaier zum 1:4 verkürzte, ließ er den Schläger fallen, holte sich kurz darauf aber das nächste Break. Im dritten Satz musste der US-Open-Finalist von 2020 eine knifflige Situation überstehen, als er ein Break kassierte und 2:3 zurücklag. Doch Zverev vermied einen längeren Tennis-Abend, den ein Satzverlust verursacht hätte: Drei Breakbälle in Serie vergab er noch, glich aber zum 4:4 aus und triumphierte schließlich erneut im Tiebreak.

Mit Auftaktsiegen sorgten zudem Dominik Koepfer (Furtwangen), der trotz Armproblemen mit 6:1, 3:6, 6:4, 6:1 gegen Carlos Taberner (Spanien) weiterkam, sowie der Kölner Oscar Otte (6:4, 6:3, 6:2 gegen Tseng Chun Hsin aus Taipeh) und Yannick Hanfmann für Lichtblicke. Der Karlsruher Hanfmann darf sich dank seines ersten Siegs im Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers auf ein Highlight freuen: Das Duell mit dem spanischen Topstar Rafael Nadal wird ihm ein Match auf einem der größten Plätze sichern. Glatt mit 6:2, 6:3, 6:2 behauptete er sich in Runde eins gegen den zuletzt formstarken Australier Thanasi Kokkinakis.

Einen Kontrast zum glücklichen Hanfmann bildete Andrea Petkovic. „Einfach ein schrecklicher Tag für mich heute“, haderte die Darmstädterin nach ihrem Chancenlos-Auftritt und 2:6, 0:6 gegen die tschechische French- Open-Gewinnerin Barbora Krejcikova. Weil auch Tatjana Maria (Bad Saulgau) trotz einer guten Leistung gegen die Griechin Maria Sakkari mit 4:6, 6:7 (2:7) ausschied, liegt es nun an Angelique Kerber. Die Kielerin greift an diesem Dienstag gegen Kaia Kanepi (Estland) ins Turnier startet. dpa

Nebenausgang statt großer Bahnhof in Belgrad


Novak Djokovic ist nach seiner erzwungenen Ausreise aus Australien in Belgrad gelandet. Das Flugzeug mit dem 34-Jährigen kam am Montagmittag in der Hauptstadt seines Heimatlandes an. Der Weltranglisten-Erste verließ danach durch einen Nebenausgang den Flughafen und äußerte sich nicht. Er war am Morgen zunächst in Dubai gelandet. Djokovic war aus Melbourne abgereist, nachdem das Bundesgericht Australiens seinen Einspruch gegen die Annullierung des Visums abgelehnt hatte. Seine großen Hoffnungen auf den zehnten Titel bei den Australian Open waren damit einen Tag vor dem Turnierauftakt geplatzt.

Der ungeimpfte Star wollte mit medizinischer Ausnahmegenehmigung beim Turnier spielen, die Behörden hatten ihm aber die Einreise verweigert. Die Aussichten auf eine Teilnahme an den French Open im Mai sind ebenfalls gesunken. Frankreichs Sportministerin Roxana Maracineanu stellte klar, dass die neuen Einschränkungen auch für Sportstätten gelten. Profisportler müssten demnach ebenfalls geimpft oder kürzlich genesen sein.