Ein paar Spieler des schwedischen Nationalteams  standen am Donnerstag auf dem Feld der Ondrej- Nepela-Arena in Bratislava und schauten sich das beeindruckende Bauwerk von der Mitte aus an. Steil ragen die Tribünen empor, die insgesamt 10 000 Menschen Platz bieten. Es ist leicht vorstellbar, dass hier eine beeindruckende Atmosphäre herrschen kann, wenn die Halle voll besetzt ist. Als die Schweden am Abend mit dem Duell gegen Bosnien und Herzegowina in die Handball-Europameisterschaft starteten, war der Schauplatz der Vorrundengruppen D und E allerdings nur zu maximal 25 Prozent gefüllt – und nicht einmal diese Besucheranzahl war gekommen.

Das könnte an diesem Freitag anders sein, denn zum Turnierauftakt der deutschen Handballer gegen Belarus (18 Uhr/ARD) haben sich einige deutsche Anhänger auf den Weg in die slowakische Hauptstadt gemacht. Atemberaubende Lautstärke wird dennoch nicht herrschen, die Einschränkungen aufgrund der Pandemie lassen das nicht zu. Für Julius Kühn, den Rückraumspieler der MT Melsungen, ist das völlig in Ordnung. „Es gibt ja wichtigere Themen“, sagte der Nationalspieler und wirkte froh, dass die Auswahl des Deutschen Handballbundes die Vor- und möglicherweise die Hauptrunde in der Slowakei austrägt und nicht in den Hallen des Co-Gastgebers Ungarn. In Budapest und andernorts dürfen die Arenen komplett ausgelastet werden, zudem haben sich einige Nationen über die Hygiene-Regeln in den Teamhotels in Ungarn beschwert.

Kühn, der schon beim EM-Triumph vor sechs Jahren zur Mannschaft zählte und einer der wenigen erfahrenen Kräfte ist, fühlt sich wohler damit, dass er sich im DHB-Quartier gut vor einer Corona-Ansteckung geschützt fühlt. „Das ist schwarzer Humor, aber wir haben schon gewitzelt“, sagte Kühn mit einem leichten Grinsen: „Wenn wir alle gesund bleiben, können wir bei der EM weit kommen.“

Die deutsche Delegation hat den Erreger bislang erfolgreich von sich ferngehalten, weshalb die Vorbereitung auf die EM ohne Komplikationen absolviert werden konnte. Das gibt Kühn und seinen Kollegen ein gutes Gefühl, denn viele Mitbewerber hat es schon vor dem Turnierstart erwischt. Polen zum Beispiel (siehe Info-Box). Belarus kann voraussichtlich mit der bestmöglichen Formation antreten – und dürfte deshalb der härteste Rivale in der ersten Turnierphase werden. Bundestrainer Alfred Gislason warnt eindringlich vor den Belarussen, die einige Akteure in den eigenen Reihen haben, die regelmäßig in der Champions League zum Einsatz kommen. „Die erste Sechs ist richtig gut“, sagte Gislason. Die Partie sei aus der Sicht des Isländers „ganz klar ein Fifty-Fifty-Spiel“.

Für den Turnierverlauf hat das Duell eine immense Bedeutung, weil das DHB-Team unerfahren ist und ein Sieg zum Start beflügeln würde. Zudem stünde bei einer Niederlage die Qualifikation für die Hauptrunde auf der Kippe. Nur die besten Zwei der Gruppe, in der neben Belarus und Polen auch Österreich mitspielt, schaffen den Sprung. Ein schnelles Aus wäre ein Desaster, auch wenn die Erwartungshaltung in der Öffentlichkeit nach vielen Rücktritten und Absagen arrivierter Kräfte gering ist.

Im Grunde hat Gislason den Ansatz für einen Sieg gegen Belarus indirekt kundgetan. Weil nur die erste Garde gehobenen internationalen Standards genügt, geht es darum, die Bestformation der Belarussen müde zu spielen, viel und schnell nach vorn zu laufen und die Breite des Kaders für sich zu nutzen. „Wir haben schon einen Plan“, sagte der Bundestrainer – ohne Augenzwinkern zwar, aber entschlossen.

Frankreich siegt, Ungarn unterliegt


Die Favoriten der Handball-EM sind erfolgreich ins Turnier gestartet. Titelverteidiger Spanien setzte sich am Donnerstagabend mit 28:26 (14:11) gegen Tschechien durch. Auch Olympiasieger Frankreich, Weltmeister Dänemark, Schweden sowie Norwegen schafften Siege. Co-Gastgeber Ungarn musste gleich im ersten Spiel vor mehr als 20 000 Zuschauern in Budapest eine überraschende Niederlage gegen die Niederlande hinnehmen.