Wien / Sebastian Schmid Plötzlich ist alles anders: Christian Prokop stand nie zur Diskussion. Spieler und Verband wollen mit dem Bundestrainer bis Olympia weitermachen. Von Sebastian Schmid

Am Ende war mal alles wieder nicht so gemeint, wie es rüber kam. Nachdem Bob Hanning mit seiner Aussage, „die Mannschaft muss zeigen, was sie mit dem Trainer macht“ eine Trainerdiskussion ins Rollen gebracht hatte, stellten sich der Deutsche Handball-Bund (DHB) und die Nationalspieler demonstrativ hinter Christian Prokop. „Wir wollen die Chance nutzten und klarstellen, dass es intern nie Diskussionen gegeben hat, mit welchem Trainer wir die Zukunft prägen wollen“, stellte DHB-Sportvorstand Axel Kromer am Tag nach dem überzeugenden 34:22 gegen Österreich klar.

Wenn die Partie gegen den Co-Gastgeber tatsächlich eine Antwort auf die Frage liefern sollte, ob die Spieler zu Prokop halten, dann fiel diese deutlich aus. „Ich denke, dass die Mannschaft hinter dem Trainer steht, wenn sie mit zwölf Toren Unterschied gewinnt“, sagte Andreas Wolff. Der Keeper war nicht der einzige Akteur, der sich für Prokop stark machte. „Ich kann nicht verstehen, dass da in irgendeiner Art und Weise Druck aufgebaut wird“, meinte etwa Linksaußen Uwe Gensheimer.

Der Kapitän wurde von der Debatte ebenso wie seine Mitspieler und der Bundestrainer überrascht. „Die Kritik ist absolut ungerecht und diese Trainerfrage haben wir uns intern gar nicht gestellt“, sagte Jannik Kohlbacher. Dass durch Hannings Aussage die Unruhe aus den eigenen Reihen kam, ist für den Kreisläufer nicht nachvollziehbar. „Klar wirft das ein paar Fragen auf.“ Wolff vermutete hinter der Aussage des DHB-Vizepräsidenten durchaus Kalkül, allerdings mit einer anderen Intention. „Ich denke, dass Bob die Mannschaft kitzeln wollte, damit das Spiel nicht zur Schlafnummer wird.“

Hanning wies indessen die Schuld von sich. Seine Aussage sei zwar so gefallen, war aber anders gemeint. „Wenn du den Satz so deuten willst, wie du ihn deuten willst, dann kannst du das so machen. Aber dann musst du schon böswillig sein“, sagte er und ergänzte: „Die Mannschaft wollte immer mit dem Trainer.“ Beim ersten Turnier von Prokop, der EM 2018 in Kroatien, die Deutschland auf einem enttäuschenden neunten Rang abschloss, gab es allerdings durchaus Differenzen zwischen dem Bundestrainer und einigen Führungsspielern. Erst nach diversen Gesprächen im Nachgang war klar, dass Spieler und Trainer den Weg gemeinsam weitergehen wollen. Die Kritik an dem 41-Jährigen ist allerdings trotz des Halbfinal-Einzugs bei der Heim-WM 2019 sowie der Chance auf Platz fünf bei der momentan laufenden EM nie verstummt. Dass sie nun in Wien zu diesem Zeitpunkt wieder aufpoppte, verwunderte Prokop: „Wenn ich das höre, ist das nicht schön, weil das einfach Quatsch ist nach so einem Spiel wie gegen Kroatien.“

In Wien waren sich nun alle einig. „Wir brauchen keine Veränderung auf der Trainerposition“ stellte Hendrik Pekeler klar. Die wird es auch nicht geben. „Wir sind überzeugt, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben und gehen mit Christian Richtung Olympia“, sagte DHB-Sportvorstand Kromer. Noch nie in Prokops Amtszeit gab es ein so klares Bekenntnis zum Bundestrainer. Immerhin das hat Hanning mit seiner  Aussage geschafft.

Deutsches Team will sein „Wiener Gesicht“ zeigen

Die Teilnahme am Spiel um Platz fünf hat die deutsche Nationalmannschaft bereits sicher, deshalb wird Christian Prokop im letzten Hauptrundenspiel am Mittwoch (20.30 Uhr/ZDF) gegen Tschechien personell durchwechseln. Unter anderem erhält der angeschlagene Patrick Wiencek eine Pause, für ihn rückt Marian Michaelczik ins Team. Vor dem Spiel um Platz fünf am Samstag (16 Uhr) in Stockholm kann Prokop dann erneut Veränderungen am Kader vornehmen. Gegen die Tschechen geht es für das deutsche Team in der österreichischen Hauptstadt darum, die guten Leistungen zu bestätigen und erneut das „Wiener Gesicht“ (Gensheimer) zu zeigen.