Wien / Sebastian Schmid Deutschland hat erstmals bei der EM überzeugt. Das schürt Hoffnung vor dem Duell mit Kroatien.

Die Erleichterung war den deutschen Handballern deutlich vom Gesicht abzulesen. Nach dem 31:23-Sieg gegen Weißrussland zum Auftakt der EM-Haupt­runde konnten die Spieler von Bundestrainer Christian Prokop wieder lachen. Die Hoffnung im deutschen Lager, dass der Umzug von Trondheim nach Wien ein Wendepunkt ist, könnte ausgerechnet vor der brisanten Partie am Samstag gegen die ungeschlagenen Kroaten (20.30 Uhr/ZDF) erfüllt werden. Muss er auch, wenn der Traum vom Halbfinale weitergehen soll.

„Es scheint ein kleiner Neustart zu sein“, sagte Timo Kastening, der gegen die Weißrussen mit sechs Toren und einer hundertprozentigen Trefferquote überzeugte. Der flinke Rechtsaußen profitierte dabei auch von der starken Abwehr und der guten Leistung von Keeper Andreas Wolff, durch die das DHB-Team immer wieder zu einfachen Toren aus dem Gegenstoß kam. „Das war der Schlüssel zum Sieg“, stellte Uwe Gensheimer klar. Der Kapitän machte keinen Hehl daraus, dass die Erleichterung über das erste überzeugende EM-Spiel groß ist. „Das war das, was wir können, aber bislang noch nicht gezeigt haben. Wir sind sehr glücklich, dass wir das nun hier auf die Platte gebracht haben.“

Ein Ortswechsel während eines solchen Turniers kann eine Hilfe sein, den Kopf freizubekommen. Ein Allheilmittel ist er jedoch nicht. Prokop war es vor dem Hauptrundenstart gar nicht so recht, dass alle den Reset-­Knopf suchten und einen Neustart wollten. „Wichtig war, dass wir die Aufgaben, die uns die Vorrunde gestellt hat, angehen“, sagte der 41-Jährige. Es ging darum, nicht zu vergessen, was in Trondheim schief lief, sondern es besser zu machen. Der Sieg war deshalb für Prokop „ein erstes wichtiges Zeichen“.

An der Aufarbeitung der Vorrunde waren auch die Spieler aktiv eingebunden. In einer Aussprache wurden die Dinge thematisiert, die noch nicht passten. Dabei zeigten sich die Akteure recht selbstkritisch – wie genau, wollte Timo Kastening nicht verraten. Der 24-Jährige sagte nur: „Wenn du dich nur streichelst, kommst du nicht nach vorne.“

Ob das Spiel gegen die Weißrussen wirklich die Wende war, zeigt sich am Samstag. Mit Kroatien trifft Deutschland, das fürs Weiterkommen alle Hauptrundenspiele gewinnen muss, auf den wohl stärksten Gegner der Hauptrunde. Unterstützt wird das bei dieser EM ungeschlagene Team um die Superstars Domagoj Duvnjak und Luka Cindric wie eigentlich immer bei großen Tunieren von zahlreichen Anhängern. Die sollen laut Timo Kastening am besten gar kein Faktor werden. „Es liegt ja an uns, wie laut die Fans sind.“ Nachdem die Laune im Team wieder besser ist, wollen die deutschen Spieler nun den anderen die Stimmung vermiesen. Sebastian Schmid