Angeführt von Roubaix-Königin Lea Sophie Friedrich, Emma Hinze und Lisa Brennauer hat das deutsche Bahnrad-Team eine furiose Weltmeisterschaft hingelegt. Die dürftige Olympia-Bilanz rückte damit zumindest für den Moment in den Hintergrund.

„Die Stimmung ist mega. Wir sind einfach alle ein Team und freuen uns gegenseitig füreinander. Jeder ist mit vollem Ehrgeiz dabei, darum gönne ich es jeder. Wir haben zusammen geweint, das sind einfach Gänsehautmomente“, erzählte Friedrich, die im Keirin am Sonntag ihren dritten Titel holte. Dass es kein vierter wurde, lag an ihrer Freundin: Denn im Sprint war ihre Freundin Emma Hinze schneller. Der überlegene Sieg im Keirin zeigte die ganze Klasse der 21-Jährigen, die vor der WM noch eine Woche krank im Bett gelegen hatte.

„Es fühlt sich richtig schön an und ist ein Stück unglaublich“, sagte Emma Hinze zur überragenden Bilanz. Nach den Spielen in Tokio hatte sie noch den immensen Erfolgsdruck beklagt. Im Norden Frankreichs befreite sie sich davon mit sportlichen Glanzleistungen. Für die Deutschen gab es sechs Mal Gold und insgesamt elf Medaillen – eine starke Bilanz.

Dominanz im Sprint

Im Frauen-Sprint zementierte Team Deutschland die Vormachtstellung der vorherigen WM in Berlin, als vier Titel in vier Disziplinen gelangen. Auch wenn aus China, Australien und Neuseeland starke Widersacherinnen fehlten, konnte man mehr als zufrieden sein. Und Emma Hinze konnte unter die Olympischen Spiele einen Strich ziehen. „Ich hatte schon noch so ein paar Rechnungen offen, die ich begleichen wollte“, sagte sie. Die von großen Emotionen, Tränen und Medaillen geprägte WM sei „in jedem Fall eine erfolgreiche“ gewesen, resümierte Hinze, die am letzten Tag auf eine Keirin-Titelverteidigung verzichtete.

Das galt auch für die Allgäuerin Lisa Brennauer, die zu ihrer Titel-Sammlung auf das Gold in der Mannschaftsverfolgung auch noch den Triumph im Einzel folgen ließ. „Das war echt so das Optimum. Ich habe die letzten paar Runden ein bisschen schwarz vor Augen gehabt“, sagte die 33-Jährige aus Kempten. Ihr Jahr 2021 lief famos: Neben den Vierer-Titeln in Tokio holte sie Einzel-Gold bei WM und EM und wurde zudem Weltmeisterin im Zeitfahr-Mixed auf der Straße. „Es ist so viel passiert in diesem Jahr, womit ich nie gerechnet hätte. Und jetzt so ein Abschluss: einfach Wahnsinn“, sagte Brennauer.

Der in diesem Jahr unschlagbare Vierer hatte am Samstag noch einmal gezeigt, dass er aus mehreren extrem starken Einzelsportlerinnen besteht. Franziska Brauße gewann Silber und musste sich im deutschen Finale nur Brennauer geschlagen geben, den Dreifachtriumph komplettierte Mieke Kröger. Das Trio war fester Bestandteil des Gold-Vierers, der in Roubaix sogar noch auf die verletzte Lisa Klein verzichten musste. Gold, Silber und Bronze für ein Land waren genauso historisch wie tags zuvor das deutsche Sprint-Finale Hinze gegen Friedrich.

Eilers mit Bronze

Die Männer konnten mit der Gold-Flut der Frauen nicht mithalten, lieferten aber ordentliche Resultate. Joachim Eilers holte Bronze im 1000-Meter-Zeitfahren und war zudem Teil des Quartetts, das im Teamsprint Bronze gewann. „Wir haben viel Arbeit geleistet. Meine Form wurde von Mal zu Mal besser, darauf wollen wir aufbauen. Das motiviert mich, dass es nochmal mit einer Medaille belohnt wurde“, sagte Eilers. Eine dritte Bronzemedaille verpasste Stefan Bötticher am Sonntag im Sprint nur haarscharf – sowohl im Halbfinale als auch im kleinen Finale unterlag er knapp nach drei Durchgängen. sid

Italienische Fahrräder gestohlen


Fehler Dem italienischen Team wurden mehrere Fahrräder gestohlen. Die ausdrückliche Empfehlung, die Räder nachts im Velodrom zu lassen, hätten die Italiener missachtet, heißt es seitens der französischen Behörden. Das Fahrzeug mit den Rädern habe unbeaufsichtigt vor dem Mannschaftshotel gestanden. 

Wert Insgesamt wurden 20 Räder gestohlen. Geschätzter Wert pro Stück: Mehr als 10 000 Euro. Auch Top-Star Filippo Ganna soll betroffen sein.