Drei Klubs. Drei Geldgeber, denen sie gehören. Und drei Ausnahmegenehmigungen, die sie von der so genannten 50+1-Regel im deutschen Fußball befreien. Aber haben die TSG 1899 Hoffenheim, Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg deshalb in der Bundesliga auch einen Wettbewerbsvorteil? Viele Fans, viele andere Vereine und vor allem des Bundeskartellamt sehen das so. Die Vertreter der drei „Investoren-Klubs“ weisen diese Einschätzung aber zurück.

„Müssen wir uns nicht die Frage stellen: Hat die Gegenwart die Vergangenheit schon längst überholt?“, sagt der Hoffenheimer Geschäftsführer Frank Briel. „Hertha BSC freut sich gerade – laut eigener Aussage – über das größte Eigenkapital-Investment in der Bundesliga-Geschichte, nämlich 375 Millionen Euro. In Augsburg gibt es einen US-amerikanischen Investor, der Anteile übernommen hat. Borussia Dortmund hat sich gerade durch den Verkauf neuer Aktien etwa 86 Millionen Euro gesichert.“ Das zeige doch sehr deutlich, dass es nicht nur den drei „Ausnahme-Klubs“ möglich sei, zusätzliches Kapital zu beschaffen.

Die 50+1-Regel besagt, dass der Stammverein nach der Ausgliederung seiner Profi-Abteilung in eine Kapitalgesellschaft weiter die Mehrheit der Stimmenanteile besitzen muss. Sie soll den Einfluss von Investoren im deutschen Profifußball begrenzen.

Eine Einschätzung des Bundeskartellamtes aus dem Mai treibt diese hochemotionale Debatte nun in eine entscheidende Phase. Denn die drei mit einer Ausnahmegenehmigung versehenen Vereine haben nur noch bis Ende des Monats Zeit, um ihre Stellungnahme zu diesem Bericht einzureichen. Danach muss die Deutsche Fußball Liga (DFL) als Dachverband der Erst- und Zweitliga-Klubs eine Lösung finden, die alles unter einen Hut bringt: Die rechtlichen Bedenken, die Eigentümerverhältnisse in Hoffenheim, Leverkusen und Wolfsburg – und die klare Pro-50+1-Haltung einer großen Mehrheit der 36 Vereine.

 Ein möglicher Kompromiss, über den spekuliert wird: Hoffenheim, Leverkusen und Wolfsburg erhalten in Zukunft weniger TV-Gelder oder eine ähnliche finanzielle Auflage. Das könnte ihren vermeintlichen Wettbewerbsvorteil wieder ausgleichen. Zur Erinnerung: Gegen die 50+1-Regel an sich hat das Kartellamt keine Einwände. Dass ein Mutterverein die Stimmenmehrheit an einer ausgegliederten Kapitalgesellschaft besitzen muss, solle für einen Einfluss der Mitglieder und die „Ausgeglichenheit des sportlichen Wettbewerbs sorgen“. Das seien „legitime Ziele“, die auch mit dem Kartellrecht vereinbar sind, heißt es in der Einschätzung vom 31. Mai. Das Problem sei die Möglichkeit einer Ausnahme für Clubs, die mehr als 20 Jahre von dem gleichen Investor gefördert wurden. Und ein Konstrukt wie RB Leipzig, das nicht offen für Neumitglieder ist.

Für die betroffenen Bundesligisten aus Hoffenheim (Dietmar Hopp), Leverkusen (Bayer) und Wolfsburg (VW) ist diese Argumentation aus der Zeit gefallen. Sie schrieben bereits im Juni einen gemeinsamen Brief an das Kartellamt und hinterfragten darin unter anderem, warum denn ein Wirtschaftsbetrieb wie die Fußball-Bundesliga „vereinsgeprägt“ sein müsse? Nach einem Bericht des Deutschlandfunks ist auch in der ersten Stellungnahme der DFL an die Behörde von „Unschärfen in der Beurteilung des Bundeskartellamts“ die Rede.

Kartellamt im Hintergrund

Der Dachverband der Profivereine steht nun vor einer großen Herausforderung. Lässt die DFL alles, wie es ist, könnte das Kartellamt wegen der 50+1-Regel irgendwann ein richtiges Verfahren gegen sie einleiten. Bislang hat die Behörde nur eine vorläufige Einschätzung abgegeben – und das auf Betreiben der DFL selbst.

Werden die Ausnahmeregelungen auf dieser Grundlage ganz gestrichen, riskiert die DFL, dass Hoffenheim, Leverkusen und/oder der VfL Wolfsburg vor ein Gericht ziehen und ihre Interessen dort verteidigen. Dass irgendein Verein irgendwann genau dies tun wird, ist auch die Einschätzung von Hannovers Mehrheitsgesellschafter Martin Kind. Kippt die DFL die 50+1-Regel sogar komplett, würde sie gegen die Mehrheitsmeinung ihrer Mitglieder und der Fans handeln. dpa

Mehrheitseigner mit Milliarden-Vermögen


Einen Alternativplan für den Fall, dass sich die Bedenken des Bundeskartellamts für Ausnahmeregelungen bei der 50+1-Regel im deutschen Profifußball durchsetzen, hat Hoffenheim nicht: „Das Verfahren ist erst am Anfang, und wir arbeiten gegenwärtig nicht an einem Plan B“, sagt Geschäftsführer Briel. Bei der TSG ist der Milliardär und langjährige Mäzen Dietmar Hopp, 81, Mehrheitseigner.