Rom / Gerold Knehr Beim WM-Finale 1990 schaltet der VfB-Verteidiger Argentiniens Star Maradona aus und verdient sich seinen Spitznamen Diego. Auch Jürgen Klinsmann spielt beim dritten WM-Titel eine wichtige Rolle. Von Gerold Knehr

An diesem Mittwoch ist es 30 Jahre her, dass Franz Beckenbauer gedankenverloren und allein inmitten all des Trubels über den Rasen des Olympiastadions in Rom schlenderte. Gerade eben hatte Deutschland Argentinien im Finale mit 1:0 bezwungen und war zum dritten Mal nach 1954 und 1974 Fußball-Weltmeister geworden.

Das Bild des entrückten „Kaisers“ steht sinnbildlich für diesen Erfolg, der acht Monate nach dem Fall der Mauer im sich wieder vereinenden Deutschland überschwänglich auf den Straßen gefeiert wurde. Aber es gab noch andere Hauptdarsteller. Beispielsweise Jürgen Klinsmann und Guido Buchwald. Die beiden Schwaben wuchsen im von Gianna Nannini besungenen italienischen Sommer 1990 („Un’estate italiana“) geradezu über sich hinaus.

Das 2:1 im Achtelfinale gegen die Niederlande bleibt nicht nur wegen Frank Rijkaards Spuckattacke Richtung Rudi Völler und den daraus resultierenden beiden Platzverweisen unvergessen. Mit einem doppelten Übersteiger bereitete Verteidiger Buchwald, der bis dahin als der typische, etwas hüftsteife Vertreter des deutschen „Fußball-Handwerkers“ galt, das 1:0 von Jürgen Klinsmann vor. „Wir hatten extremen Hunger auf Erfolg, fast schon an der Grenze des Vorstellbaren“, erklärt der spätere Beckenbauer-Nachfolger Klinsmann den damaligen Erfolg heute.

Im Endspiel gegen Argentinien sollte dann Guido Buchwalds große Stunde schlagen. Schon in den sechs WM-Einsätzen zuvor hatte sich der damals 29-Jährige vom VfB Stuttgart seinen Spitznamen „Diego“, den ihm Klaus Augenthaler nach einer gelungenen Aktion in der WM-Vorbereitung gegeben hatte, redlich verdient. Jetzt musste „Diego II“ im Endspiel gegen das Original ran, den großen Diego Maradona. „Wenn der nichts macht, dann ist die ganze argentinische Mannschaft nur die Hälfte wert“, hatte Beckenbauer seinem Manndecker Buchwald eingebläut. Und der tat, wie ihm geheißen, strotzte nach seinem hervorragenden Turnier vor Selbstvertrauen und degradierte Argentiniens Star zum Statisten. „Ich habe gemerkt, wie er immer mehr resignierte. Das war für mich psychologisch unheimlich viel wert“, sagt Buchwald heute. Ein einziges Mal schoss Maradona aufs deutsche Tor, in der zweiten Halbzeit kam nichts mehr vom Argentinier.

„Wir waren alle auf Wolke sieben“, beschrieb Buchwald die Gefühlslage. Franz Beckenbauer ließ sich in dieser Stimmung zu dem Satz hinreißen: „Wir sind jetzt schon die Nummer eins. Wenn jetzt noch die Spieler aus der DDR dazukommen, sind wir auf Jahre unschlagbar. Tut mir leid für den Rest der Welt.“

Guido Buchwald gewann auch noch den letzten Zweikampf an jenem historischen 8. Juli 1990. Während Beckenbauer über den Rasen schritt, saßen Buchwald und Maradona bei der Dopingkontrolle. Auch hier war Diego II schneller.

Andreas Brehmes Tor bringt die Erlösung

Das WM-Finale 1990 wurde erst in der Schlussphase entschieden. Deutschland war das überlegene Team, nutzte aber seine Chancen nicht. So musste in der 85. Minute ein fraglicher Elfmeter herhalten. Andreas Brehme verwandelte ihn sicher zum 1:0-Endstand

Das Endspiel-Team: Illgner – Augenthaler – Berthold (Reuter), Kohler, Buchwald, Brehme – Bein (K. Reinhardt), Matthäus, Littbarski – Klinsmann, Völler.