Endlich mehr Zuschauer, große Stadien, raus aus der Nische? Der EM-Boom soll die am Freitag startende Frauen-Bundesliga aus dem Dornröschenschlaf wecken. TV-Rekordquoten beim Sommermärchen in England und ungeahnte Aufmerksamkeit befeuern die Hoffnungen der EM-Heldinnen – doch Skepsis bleibt.

DFB-Kapitänin Alexandra Popp vom Double-Gewinner VfL Wolfsburg appelliert an die frisch eroberten Fanherzen: „Ich hoffe, dass jetzt viel mehr Zuschauer kommen, gerade die Leute, die wir neu begeistert haben. Und ganz ehrlich: Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Los geht die 33. Spielzeit mit einer Rekordkulisse beim Eröffnungsspiel im Frankfurter Waldstadion. Die alte Liga-Bestmarke von 12 464 Fans im Juni 2014 in Wolfsburg wird geknackt, wenn die Eintracht den Vizemeister Bayern München (19.15 Uhr/Eurosport und Magenta-Sport) empfängt – für Frankfurts Sportdirektor Siegfried Dietrich ein „erstes richtungsweisendes Signal“.

Auch beim VfL Wolfsburg, bei dem zehn Vize-Europameisterinnen zu bestaunen sind, schwappt die EM-Euphorie in den Alltag. 3000 Fans werden beim Auftakt gegen die SGS Essen am Samstag erwartet (Schnitt 21/22: 1219), die Medienanfragen nach Popp, Lena Oberdorf und Co. nehmen kein Ende. Doch damit die ganz großen Schritte hin zu nachhaltiger Strahlkraft gelingen, braucht es finanzielle Schubkraft – für bessere Infrastruktur, die nötige Professionalisierung und internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Das lässt sogar Karl-Heinz Rummenigge auf den Plan treten. „Der Erfolg bei der EM darf nicht nur ein Aufflackern gewesen sein“, sagte der langjährige Bayern-Vorstandsboss im SZ-Interview. Die großen Vereine müssten „dazu verpflichtet werden, eine Mannschaft aufzubauen, denn nur große Namen ziehen“.

Ein Manko bleibt die mediale „Ausstrahlung und Zugänglichkeit“, beklagte die bei der EM als beste junge Spielerin ausgezeichnete Oberdorf (20) im Vergleich mit der englischen Women's Super League: „Ich würde mir wünschen, dass die deutsche Liga dadurch mehr Sichtbarkeit erlangt, dass man sie für alle zugänglich machen kann.“ In dieser Spielzeit zeigt Eurosport eine Begegnung pro Spieltag im Free-TV. Die ARD besitzt auch Live-Rechte, erste Übertragung ist das Duell zwischen der TSG Hoffenheim und Wolfsburg in der Rhein-Neckar-Arena am 24. September. Der Rest ist hinter der Bezahlschranke.

Sportlich wird ein Zweikampf um die Meisterschale zwischen den „Wölfinnen“ und den Jägerinnen vom FC Bayern erwartet. Spannung birgt der Kampf um den dritten Champions-League-Platz. Hier sind Frankfurt, Dritter der Vorsaison, und Hoffenheim favorisiert. sid