Thomas Müller stand im Regen. Reichlich bedröppelt sah der Routinier des FC Bayern aus nach der unerwarteten wie schmerzlichen 0:1-Niederlage beim FC Augsburg am vergangenen Wochenende. Der 32-Jährige versuchte die Niederlage zu erklären, schüttelte aber immer wieder mit dem Kopf und sprach dann von einem „katastrophalen Trend“. Seit vier Spielen sind seine Münchner nun ohne Sieg – und auf Bundesliga-Platz fünf abgerutscht. Das hat es schon lange nicht mehr gegeben.  

Nicht nur bei Thomas Müller war die Stimmung also im Keller. Auch die anderen Bayern-Stars hat man schon mal fröhlicher gesehen. „Tabelle kaputt: Bayern-Fans beschweren sich, weil sie ihren Verein nicht finden“, postete am Montag das Satire-Portal  Postillon spöttisch.

Wie gut, dass nun die Liga ruht, könnte man meinen. Es ist Länderspielpause. Die deutsche Nationalmannschaft tritt an diesem Freitag (20.45 Uhr/ZDF) in Leipzig gegen Ungarn und drei Tage später in London gegen Vize-Europameister England zu ihren letzten Gruppenspielen in der Nations League an. Der Abschluss der Nations-League-Hauptrunde ist für die DFB-Elf eine Art Generalprobe für die am 20. November beginnende WM in Katar. Viel Zeit zur Vorbereitung bleibt nicht mehr (siehe Info-Kasten). In 60 Tagen bereits steigt das Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Katar und Ecuador.

Bei der WM sind für die Bayern-Spieler wie den erfahrenen Thomas Müller bekanntlich besondere Rollen vorgesehen. Die Profis des Rekordmeisters bilden die größte Gruppe innerhalb des Kaders, den Kern der deutschen Mannschaft. Sie sollen vorangehen, dem Team Halt geben, den Unterschied ausmachen, wenn es gegen die Großen dieser Welt um alles geht.

In der Form der vergangenen Wochen dürften die Münchner Edelkicker Bundestrainer Hansi Flick keine allzu große Hilfe sein. Die Bayern-Stars schwächeln. Sie sehen sich zurück nach der Selbstverständlichkeit des Siegens. Die Hoffnung: ein Tapetenwechsel. Raus aus dem derzeit brodelnden Bayern-Umfeld, hinein in die Wohlfühl-Oase Nationalelf. Es könnte funktionieren. Am Montagabend hat sich der DFB-Tross in Frankfurt getroffen. Erstmals trainiert die A-Nationalmannschaft auf dem brandneuen DFB-Campus. Die Münchner fühlen sich dort schon sehr wohl, wie Joshua Kimmich am Dienstag in einer Pressekonferenz sagt. „Die Plätze sind hervorragend. Es macht Spaß.“ Die Krisenstimmung bei seinem Arbeitgeber nervt den 27-Jährigen. „Man ärgert sich brutal“, räumt der Mittelfeldspieler ein. Die volle Konzentration gelte nun der Nationalmannschaft. „Wir wollen hier als Mannschaft performen.“

Ihn und seine Bayern-Kollegen aufbauen soll ein Mann, dem großes Einfühlungsvermögen und geradezu eine väterliche Aura nachgesagt wird: Hansi Flick. Der Bundestrainer kennt die Bayern-Spieler bestens. Schließlich war der 57-Jährige vor nicht allzu langer Zeit selbst Chefcoach dort – und das überaus erfolgreich. Man mag, schätzt und vertraut sich. Flick darf man durchaus zutrauen, dass er die Münchner wieder aufpäppelt. Was auch in Hinblick auf die WM von entscheidender Bedeutung wäre.

Die beiden anstehenden Partien gegen Ungarn und England erhob Joshua Kimmich zu einem Gradmesser. „Am Ende des Tages geht es um die Ergebnisse. Das haben wir jetzt auch beim FC Bayern erlebt. Die geben einem dann auch Selbstvertrauen, Selbstsicherheit und ein gewisses Selbstverständnis“, betonte der gebürtige Rottweiler und formulierte das Ziel klar und deutlich: „Wir wollen die zwei Spiele gewinnen. Und wir wollen unsere Gruppen gewinnen und als Erster weiterkommen.“

Kurztrainingslager im Oman


Die deutsche Nationalmannschaft bezieht vor Beginn der WM in Katar ein Kurztrainingslager im Oman. Bundestrainer Hansi Flick wird seine Spieler vom 14. bis 18. November im Sultan-Qabus-Sportzentrum in Maskat auf die WM-Gruppenspiele gegen Japan am 23. November, Spanien am 27. November sowie Costa Rica am 1. Dezember vorbereiten.

Zwei Tage vor Abreise in das Teamquartier „Zulal Wellness“ Ressort im Norden von Katar trifft die Mannschaft im einzigen Vorbereitungsländerspiel am 16. November im Sultan-Qabus-Sportzentrum in Maskat auf den Oman.

Jamal Musiala hat das Training am Dienstag abbrechen müssen. Der Offensivspieler vom FC Bayern zog sich eine Verletzung am rechten Bein zu. Sein Einsatz gegen Ungarn am Freitag ist aber nicht gefährdet.