Köln / sid/dpa/gek Mit der Playstation und Gitarre im Gepäck haben sich die ersten Profis von der Außenwelt abgeschottet. Vorübergehend sind fünf Auswechslungen erlaubt.

Ein bisschen erinnerte die Szenerie an Jugendliche, die brav ins Schullandheim einziehen. Mit schweren Taschen bepackt und Schutzmasken im Gesicht trotteten die Profis des 1. FC Köln in ihr Quarantäne-Hotel in der Innenstadt. Toni Leistner rückte mit einem Geschicklichkeitsspiel unterm Arm ein, Brady Scott brachte seine Gitarre mit, und Thomas Kessler hatte die Playstation eingepackt. Schließlich gilt es, zehn Tage bis zum ersten Bundesligaspiel seit der Corona-Unterbrechung zu überbrücken – völlig abgeschottet von der Außenwelt.

„Mindestens die letzten sieben Tage vor Saisonbeginn“, so sieht es das Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) für den Restart am 16. Mai vor, sollen „als Trainingslager in Quarantäne verbracht“ werden. Heißt: Zum täglichen Training dürfen Spieler und Betreuer raus, danach geht es ohne Umwege mit dem Mannschaftsbus wieder zurück ins Hotel. Dort sind die Teams strengstens abgeschirmt, direkte Kontakte nach außen sind verboten – Familie und Freunde gibt es nur per Videocall zu sehen.

Die Kölner hatten es am Donnerstagabend als erster Bundesligaklub vorgemacht, die Konkurrenten ziehen dieser Tage nach. Der SC Freiburg und 1899 Hoffenheim haben sich jeweils für ein Quartier im nahen Umland entschieden, der FC Bayern München wird am Samstag ein Hotel in Unterschleißheim beziehen. „Von da an wird gewährleistet sein, dass die Mannschaft exklusiv mit dem Betreuerstab untereinander ist in dieser Quarantäne“, sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge bei Sky. Am Donnerstag hatte Trainer Hansi Flick seinen Spielern freigegeben, damit diese nochmals einen Tag mit ihren Familien genießen konnten.

Seifert fordert strikte Disziplin

RB Leipzig zieht die Quarantäne ab Samstag auf dem eigenen Vereinsgelände durch, gegen einen möglichen Lagerkoller sieht sich Trainer Julian Nagelsmann gut gerüstet. Stürmer Yussuf Poulsen habe „im Spielwarenladen um die Ecke“ ein paar Spiele gekauft, dazu habe sich das Team „schnelleres Internet gewünscht“, erzählte Nagelsmann und zeigte sich guter Dinge: „Ich habe keine große Sorge, dass wir in der Quarantäne alle durchdrehen.“

Eine Alternative zu dieser Maßnahme gebe es nicht, schließlich sind Disziplin und die strikte Befolgung der Hygieneregeln neben den engmaschigen Corona-Tests essenziell für das Gelingen des Konzepts der Deutschen Fußball Liga (DFL). „Ich erwarte von jedem Einzelnen, dass er seiner Verantwortung gerecht wird“, betont deren Boss Christian Seifert eindringlich. Zwölf Infektionsfälle waren bei den Klubs der 1. und 2. Bundesliga in den ersten beiden Testwellen offenbar geworden. Und jeder weitere positive Fall brächte das fragile Konstrukt mehr in Gefahr.

Nur eine gute Woche Teamtraining bleibt den Trainern – viel zu wenig, wie alle stöhnen. Testspiele zum Aufwärmen wie in der Sommer- oder Winterpause sind nicht drin. Speziell die neuen Trainer Bruno Labbadia (Hertha BSC) und Heiko Herrlich (FC Augsburg) hätten sich mehr Vorlaufzeit erwünscht. Die Kondition sollte stimmen, schließlich haben sich die Spieler erst im Home-Training und dann in Kleingruppen fit gehalten. Aber ein Bundesligaspiel ist etwas ganz anderes. „Du musst die Spieler wieder an das Eins gegen Eins, an Kopfballduelle gewöhen. Der Gegnerdruck ist auf dem Platz wieder da“, sagt Bayern-Trainer Hansi Flick.

Experten kalkulieren ein höheres Verletzungsrisiko ein. Der Weltverband Fifa und die Regelhüter des International Football Association Board  (IFAB) haben darauf reagiert und erlauben vorübergehend fünf statt drei Auswechslungen pro Spiel und Mannschaft, um einzelne Spieler zu entlasten. Es liegt im Ermessen der Verbände und Ligen, ob sie diese Möglichkeit nutzen. Christian Seifert hatte bereits am Donnerstag anklingen lassen, dass diese neue Möglichkeit genutzt werden soll. sid/dpa/gek

Viele Fans bleiben skeptisch

Die Mehrheit der Deutschen ist gegen eine Fortsetzung der Fußball-Bundesliga während der Corona-­Krise. 50 Prozent sprachen sich in einer Infratest-Umfrage für den ARD-Deutschland-Trend gegen einen Neustart der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga ohne Zuschauer aus. 36 Prozent waren dafür.

89 Prozent der Fußball-Fans glauben, dass die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hauptsächlich aus finanziellem Interesse den Spielbetrieb fortsetzt. Das geht aus einer Umfrage der App FanQ hervor, an der 1350 Fußballfans teilnahmen. Dem Wunsch von 91 Prozent der Befragten, Geisterspiele im Free-TV zu zeigen, ist Rechteinhaber Sky zumindest für die ersten beiden Spieltage nachgekommen. Eine Konferenz der Samstagsspiele ist bei Sky Sport News HD zu sehen.