Der frühere Profifußballer Daniel Engelbrecht rät dem dänischen Nationalspieler Christian Eriksen, sich nach dem Herzstillstand viel Zeit zu geben. „Er muss jetzt ruhig machen, der Fußball muss ganz weit hinten anstehen“, sagte der frühere Spieler der Stuttgarter Kickers, von Alemannia Aachen und Rot-Weiss Essen. Nach einem Zusammenbruch im Trikot der Stuttgarter Kickers 2013 war Engelbrecht der erste deutsche Profifußballer, der mit einem ICD-Defibrillator spielte.

Auch Eriksen soll, wie berichtet, ein solches Gerät erhalten, nachdem er im EM-Spiel der Dänen gegen Finnland (0:1) am vergangenen Samstag zusammengebrochen war. Das Einsetzen dieses Geräts bedeute aber nur, dass es bei dem 29 Jahre alten Mittelfeldstar von Inter Mailand im Notfall bei gefährlichen Herz-Rhythmus-Störungen anspringe und ihn vor einem weiteren Zusammenbruch bewahre, erklärte Engelbrecht. Ein möglicher Schaden am Herz werde damit nicht behoben.

Für Eriksen gehe es nun darum, „das alles mental aufzufangen“, meinte Engelbrecht. Denn nach einem solchen Erlebnis verliere man das Vertrauen in den eigenen Körper. „Er braucht nun seine Familie und sicher auch professionelle psychologische Hilfe.“ Der 30-jährige Engelbrecht musste seine Karriere schon vor einiger Zeit beenden. Trotz seiner eigenen Erfahrungen hält er es für möglich, dass Eriksen künftig wieder auf dem alten Niveau Fußball spielen kann: wenn er wieder zu 100 Prozent fit und „psychisch frei“ werde.

Allerdings mehren sich inzwischen durchaus die Stimmen, wonach der Däne nach dem Einsatz eines ICD-Defibrillators offenbar Schwierigkeiten bei seinem Arbeitsgeber in Italien bekommen könnte. Der Grund: Es sei in Italien verboten, mit einem ICD-Gerät Spitzensport zu betreiben, sagte Lucio Mos, der Vorsitzende des italienischen Sportkardiologen-Verbandes, bei „Radio Punto Nuovo“ und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der „Gazzetta dello Sport“. „Die Protokolle sind in Italien sehr streng. Daher scheint es mir unmöglich, dass wir Eriksen im italienischen Wettbewerb wiedersehen“, sagte Mos dem Sender.

„Sind für ihn da“

Alles in allem ist es noch zu früh, um genau abzusehen, wann Eriksen, der in der abgelaufenen Spielzeit mit Inter Mailand italienischer Meister wurde, möglicherweise wieder Leistungssport betreiben kann und wie lange er tatsächlich den Defibrillator im Körper tragen muss. Bei einer Medienrunde des dänischen Verbandes mit Nationalcoach Kasper Hjulmand und Pressesprecher Jakob Höyer gab es am Freitag auch keine Bestätigung für eine Meldung der „Gazzetta dello Sport“, derzufolge Eriksen bereits operiert und der Defibrillator eingesetzt worden sein soll. „Wir haben keine Neuigkeiten. Wenn es Neuigkeiten gibt, werden wir sie bei Twitter bekanntgeben“, sagte Höyer.

Auch Hjulmand betonte am Freitag: „Wir haben guten Kontakt zu Christian. Und wir freuen uns sehr, dass es ihm noch gut geht. Aber Christian durchlebt schwierige Wochen und wir wissen noch nicht, was uns erwartet. Wir können nur sagen, dass wir für ihn da sind.“ dpa

 Däne glauben ans Weiterkommen


Zwei Spiele verloren. Die Dänen aber glauben noch fest ans Weiterkommen. Die starke Vorstellung gegen Belgien (1:2) macht Mut.

Ein Sieg mit zwei Toren Unterschied gegen Russland (Montag, 21 Uhr/ARD und Magenta TV) im letzten Gruppenspiel und eine gleichzeitige Niederlage der Finnen gegen Belgien würden Dänemark sicher für den Einzug ins Achtelfinale reichen. „Ich will jetzt einen Sieg. Ich bin es leid, darüber zu reden, dass wir gut spielen, aber verlieren“, sagte Trainer Kasper Hjulmand mit einem Ton, den man von diesem sachlichen Fußball-Lehrer sonst kaum kennt.