An den Winter 2018 erinnern sich die Fans, Spieler und Verantwortliche des FC Holzhausen sicherlich nur ungern zurück. Es herrscht Tristesse im 1100-Seelen-Dorf. Im Team läuft nicht viel zusammen und zur Halbserie findet sich der Fußball-Landesligist auf einem Abstiegsplatz wieder. Die Angst geht um. Sollte es nach Jahren des  Aufschwungs wieder einen Rückschritt geben?

Nein. Denn kurz vor Transferschluss im Winter gelingt dem Klub um FCH-Sponsor Heinrich Kipp (78) ein ganz besonderer Coup. Der Unternehmer und mittlerweile Ehrenpräsident des Vereins verpflichtet mit anderen Verantwortlichen in allerletzter Sekunde Angreifer Janik Michel. Der heute 29-Jährige will weg, ist unzufrieden beim Regionalligisten SSV Ulm 1846 Fußball – zu wenig Spielzeit. „Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, dass ich noch schnell vor Transferschluss von Ulm nach Stuttgart gefahren bin, um den Vertrag beim WFV zu unterschreiben“, sagt Michel, der beim zwei Klassen tiefer spielenden FC sofort liefert. Mit seinen Toren springt das Team in der Saison noch von einem Abstiegsplatz auf Rang vier. Auch danach bleibt Michel stets torgefährlich. In dieser Runde nun die Krönung: Der Aufstieg mit dem FC Holzhausen in die Oberliga.

Seine 47 Tore haben einen großen Anteil am Erfolg. In den Aufsstiegsspielen fegt der FC Holzhausen den SV Denzlingen zweimal weg – 5:0 und 6:1. Auch hier stellt der Goalgetter seine Torjägerqualitäten unter Beweis und trifft in beiden Spielen insgesamt fünf Mal. Somit steht der nächste Titel fest: Deutschlands bester Torjäger in der sechsten Liga. 

Verein stößt an Grenzen

Vereine wie der SGV Freiberg oder der FC 08 Villingen wollen ihn haben, aber Michel blockt ab: „Ich fühle mich in Holzhausen wohl. So einen Zusammenhalt in einer Mannschaft habe ich noch nie erlebt“, betont Michel. Diese Sätze hört Nicolas Kipp, Sohn des Ehrenpräsidenten, natürlich gern. Der jetzige Vorstand des Vereins setzt die Arbeit seines Vaters fort. Der 33-Jährige weiß, dass die Oberliga für den Dorfklub das Nonplusultra ist. „Wir sagen zu unserem Etat wie immer nichts, aber, er wird sich im unteren Drittel der Liga befinden“, beteuert Kipp, der weiß, dass der Verein nun an seine Grenzen stößt.

Das Stadion ist nicht Oberliga-tauglich. Es fehlen ein Gästeblock, eine Tribüne und eine Umrandung, damit die Zuschauer, nicht ungehindert aufs Spielfeld können. „Wir werden beraten, welche Maßnahmen nun Sinn ergeben und welche nicht. Wir wissen ja nicht, ob wir uns in der Oberliga etablieren können“, sagt Kipp.  Eines steht indes fest: Die großen Vereine – wie die Stuttgarter Kickers oder der SSV Reutlingen – werden sich wohl beim Spiel in Holzhausen verwundert die Augen reiben. Stadtcharakter? Nein. Dorfidylle? Ja. Sascha Eggebrecht