Der Countdown läuft. Am Freitag beginnt die 58. Bundesliga-Spielzeit. Der Meister und haushohe Titelfavorit eröffnet die Saison. Bayern München empfängt den FC Schalke 04 (20.30 Uhr/ZDF/Sky) – und das in einer gähnend leeren Allianz Arena. Zuschauer sind wegen Corona in München noch nicht zugelassen. An anderen Standorten hingegen schaut es anders aus, weil es die Pandemie-Lage dort erlaubt.

Und so startet die Bundesliga wohl unter besonderen Vorzeichen und bei mitunter völlig unterschiedlichen Rahmenbedingungen. Klar ist: Volle Stadien wird es vorerst nicht gegen. Aber die Arenen füllen sich so langsam, aber sicher wieder. Wenn auch nicht überall. Was die Frage aufwirft, ob man unter diesen Voraussetzungen noch von Wettbewerbsgleichheit sprechen kann.

Ziel: eine einheitliche Lösung

Werder Bremen etwa darf bei seinem ersten Bundesliga-Heimspiel am Samstag gegen Hertha BSC die Tore des Weserstadions für 8500 Zuschauer öffnen. Der Bremer Senat erteilte eine entsprechende Genehmigung. Die dortige Arena bietet Platz für 42 000 Besucher. Ein Losverfahren unter den Dauerkartenbesitzern wird über die Vergabe der 8500 Tagestickets entscheiden.

In Leipzig gegen Mainz werden 8500 Zuschauer zugegen sein. Auch die Frankfurter Eintracht darf sich zum Bundesliga-Start gegen Arminia Bielefeld auf die Unterstützung der eigenen Fans freuen. 6500 Zuschauer dürfen in der WM-Arena gegen den Aufsteiger dabei sein. „Dass der erste Schritt in die richtige Richtung getan wird, freut mich sehr“, sagt Frankfurts Trainer Adi Hütter auf Sky. Die Begegnung gegen die Arminia werde ganz sicher „ein anderes Spiel“ als die vielen ungeliebten Geisterspiele zuvor.

Bitter für den VfB Stuttgart und seine Fans: Nach einem Jahr Bundesliga-Abstinenz  sind im ersten Saisonspiel im Derby gegen den SC Freiburg wohl nur 500 Zuschauer in der Mercedes-Benz-Arena zugelassen.

Kann man da noch von gleichen Voraussetzungen sprechen? Bayern-Ehrenpräsident  Uli Hoeneß zuckt in der Talksendung „Doppelpass“ in Sport1 mit den Schultern. Eine Wettbewerbsverzerrung mag Hoeneß jedenfalls nicht erkennen. Er sagt bloß: „Das ist halt ein Fakt. In Sachsen gibt es kaum Infektionen, in Bayern gibt es mehr. Das wird sich ausgleichen“.

Andreas Rettig, früherer Geschäftsführer der DFL, kritisiert hingegen das unterschiedliche Vorgehen. Er betont: „Ich halte den eingeschlagenen Weg hinsichtlich der im scharfen Wettbewerb miteinander stehenden Klubs für falsch.“ Trotz seiner grundsätzlichen Sympathie für den Föderalismus mit dezentralen und individuellen Lösungen.

Es ist durchaus möglich, dass sich an den Vorgaben bis zum Wochenende noch etwas ändert. In der Debatte um die Rückkehr von Fans drängen die meisten Bundesländer offenbar auf eine einheitliche Lösung.

An diesem Dienstag wollen sich Vertreter der Bundesländer treffen und über eine bundesweiten Richtlinie beraten, die eine „maximale Sportstättenauslastung von 30 bis 40 Prozent“ vorsieht. (siehe Info-Kasten). Dazu passt, dass Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der kürzlich den Start der Bundesliga mit Zuschauern angesichts steigender Infektionszahlen als „falsches Signal“ bezeichnet hatte, nun doch eine schnelle Rückkehr der Fans in Aussicht gestellt. Der Bild sagt er: „Wir müssen uns in den nächsten Tagen entscheiden, ob wir vielleicht so eine Art Probebetrieb für den Start der Bundesliga machen wollen.“

Voraussetzung laut Söder: „Masken bis an den Platz, personalisierte Rückverfolgung, nur die Heim-Fans. Und es muss danach gehen, wie ist das örtliche Infektionsgeschehen. Wenn das hoch ist, kann man das ehrlich gesagt nicht machen.“  Bayern München könne da etwa, befand der CSU-Mann, „viel organisieren, die haben perfekte Zufahrtswege. Bei anderen muss man sehen, ob das klappt.“

Keine Gäste-Fans, kein Alkohol


Neben der Zulassung von rund einem Drittel der Zuschauer sehen die Pläne der Bundesländer vor, dass weiterhin keine Gästefans in den Sportstätten Eintritt erhalten sollen. Auch der Ausschank von Alkohol bleibt vorerst untersagt.

Diese Regelung solle nicht nur für den Fußball gelten, sondern auch alle bundesweiten Sportveranstaltungen betreffen. An Beratungen der Chefs der Staatskanzleien sind auch Vertreter aus den Profiligen im Handball, Eishockey, Basketball und Volleyball beteiligt.