Kontraste in den Zeiten der Coronavirus-Pandemie: Während Angelique Kerber bei Instagram locker-lässig lächelnd auf der Treppe ihres Privatjets auf dem Weg nach Paris posierte, hockte Benoit Paire wie ein Häuflein Elend in den Katakomben des Tennisstadions am Hamburger Rothenbaum. Zermürbt von drei Tests binnen fünf Tagen mit unterschiedlichen Resultaten, erklärte der Franzose seinen spontanen Ausstieg aus dem Turnier. „Ich verstehe das alles nicht mehr, das macht so keinen Spaß“, sagte der 31-Jährige, nachdem er seinem Gegner Casper Ruud aus Norwegen beim Stand von 4:6 und 0:2 den Sieg überlassen hatte.

Es hat lange gedauert, aber jetzt ist die Realität offenbar auch bei vielen Tennisprofis angekommen. Die Leichtigkeit vergangener Jahre ist dem Wanderzirkus verloren gegangen. Schon bei den US Open stand „der Fall Paire“ sinnbildlich für diese Erkenntnis. Positiv getestet wurde er aus dem Turnier genommen, weitere Spieler waren betroffen, die Verwirrung erfasste Veranstalter und Spieler. Wenige Tage vor dem ersten Aufschlag bei den French Open steht Paire nun erneut im Mittelpunkt.

Der 31-Jährige war in der Hansestadt zweimal positiv und am Dienstag dann negativ getestet worden. Diese Unsicherheit zermürbte Paire sichtlich, in Paris will er dennoch spielen – sofern die erforderlichen Coronatests dieses Mal negativ ausfallen. Schon das Warten auf das Ergebnis sei dabei aber eine Qual, wie mehrere Profis in den vergangenen Tagen beklagten.

Jan-Lennard Struff, beim Rothenbaum-Turnier in Runde eins am Russen Karen Chatschanow gescheitert, fährt am Donnerstag nach Paris – und zieht (mangels Privatjet) wegen der Infektionsgefahr den Zug dem Linienflug vor. Der deutschen Nummer zwei aus Warstein ist angesichts der aktuellen Situation nicht ganz wohl. „Nach dem ersten Test dürfen wir auf der Anlage trainieren, dann müssen wir 48 Stunden später einen zweiten Test nachlegen“, berichtete Struff. Das ist die neue Realität. sid