Während Mercedes in der Formel 1 nach dem siebten Triumph von Lewis Hamilton ganz entspannt Richtung Saisonfinale Mitte Dezember in Abu Dhabi blicken kann, herrscht bei den Marken-Kollegen der Stuttgarter in der Formel E Betriebsamkeit: Acht Wochen vor dem Saisonstart am 16. Januar in Santiago de Chile stehen mit den Elektro-Boliden die Testfahrten im spanischen Valencia an. Und während die Benzin-betriebenen Silberpfeile jedes Jahr aufs Neue die Gejagten sind, gehören die „Silver Arrows“ zu den Jägern der etablierten Mannschaften der elektrischen Rennserie.

Ziel ist es natürlich auch hier, möglichst schnell zur unangefochtenen Nummer eins zu werden. „Mercedes-Benz besitzt eine lange Motorsport-Tradition mit 126 Jahren im Rennsport“, erklärt der Chef des in Baden-Württemberg und England dezentral organsierten „Mercedes-Benz EQ Formula E Teams“, Ian James: „Allein das setzt gewisse Erwartungen an uns, dass wir am Ende des Tages auch die notwendigen Erfolge einfahren.“ Dabei weiß der 43 Jahre alte Engländer, dass diese Erwartungen mit dem Start ins zweite Formel-E-Jahr steigen werden: „Unsere Rookie-Saison ist vorbei. Warten wir ab, was die neue für uns bereit hält.“

Piloten bleiben an Bord

Das klingt wie eine Warnung an die Konkurrenz, denn mit einem Doppelsieg beim Finale in Berlin und den Rängen zwei und drei in der Fahrer- und Teamwertung verabschiedeten sich die Silberpfeile mit ihren Piloten Stoffel Vandoorne und Nyck de Vries aufsehenerregend aus der sechsten Saison der jungen Rennserie. Es war die beste Empfehlung für die Vertragsverlängerung des Belgiers und des Niederländers: „Sie haben bewiesen, dass sie die richtigen Fähigkeiten für die Formel E besitzen“, erklärte James: „Sie sind nicht nur unglaublich schnell, sondern haben auch die notwendige Intelligenz, um den Umgang mit dem Energie-Management und die Rennen mental zu meistern.“

Dabei war vergangene Saison  die fehlende Konstanz der einzige Grund dafür, dass Stoffel Vandoorne am Ende „nur“ Zweiter der Gesamtwertung wurde. Für den Teamchef war aber auch dies ein Schritt zur Weiterentwicklung von Mercedes-Benz EQ auf dem Weg nach ganz oben: „Wichtig ist, dass wir keinen Fehler zweimal gemacht haben und nun die Erkenntnisse, die wir gesammelt haben, in die neue Saison mitnehmen“, erklärt James.

Bevor es trotz Corona-Pandemie im Januar losgehen soll, geben die Tests vom 27. November bis 1. Dezember in Valencia erste Hinweise auf die aktuelle Stärke der Formel-E-Teams, darunter die vier deutschen Hersteller Audi, BMW, Mercedes und Porsche. Während alle Teams mit einheitlichen Chassis, Batterien und Reifen unterwegs sind, dürfen sie an Elektromotor, Inverter, Getriebe, Hinterradaufhängung und Software eigene Entwicklungen einsetzen. So hat Mercedes nach seiner Premierensaison den Antriebsstrang aktualisiert.

Während sich die technischen Aspekte bei den Testfahrten im Vergleich zur Formel 1 aber in Grenzen halten, geht es für die Fahrer vor allem darum, sich in den 340 PS starken E-Autos die nötige Wettkampfhärte für die Rennen in den Metropolen dieser Welt zu erarbeiten. Nyck de Vries hat sich zum Ziel gesetzt, seine Performance im Qualifying zu verbessern. „Wenn wir dann im Rennen etwas weiter vorne starten, haben wir ein starkes Paket“, weiß der 25-Jährige. Ein Satz, den man so ähnlich auch  von Lewis Hamilton gehört hat – bevor er mit Mercedes zum Formel-1-Dominator der vergangenen Jahre wurde.

Christian Danner soll Formel E auf Sat.1 kommentieren


Mit dem Saisonfinale am 11. Dezember in Abu Dhabi geht auch die über 30-jährige Formel-1-Ära bei RTL zu Ende. Ihr gehört seit 1998 auch Kommentator Christian Danner an. Der ehemalige Rennfahrer aus München wird aber wohl nicht lange arbeitslos sein: Laut ‚Express‘ soll der 62-Jährige ab Januar die Formel E bei Sat.1 kommentieren. „Ich kann nur sagen: Ich bin in der Formel 1 und E gut aufgestellt. Ich war damals in Peking sogar beim ersten Formel-E-Rennen dabei, habe die Formel E von Anfang an unterstützt“, erklärte Danner. Auch habe er nie zu den zahlreichen Zynikern gehört, die die Formel E zunächst kritisch bewertet haben, erklärte Danner: „Ich habe mich nie lustig darüber gemacht. Es ist auch ein Rennauto, mit was das angetrieben wird, ist mir wurst. Hauptsache du hast Rauch an der Kette und kannst Gas geben.“