Die Todesgefahr wurde Lewis Hamilton erst mit etwas Abstand richtig bewusst. „Heute muss jemand von oben auf mich geschaut und aufgepasst haben“, betonte der Brite, nachdem er die Bilder vom Monza-Crash angeschaut hatte. Die Aufnahmen von Max Verstappens Red Bull, der auf seinen Mercedes krachte und liegen blieb, hinterließen mehr als einen schweren Brummschädel. „Erst wenn du so was erlebst, kriegst du einen Schock, du schaust aufs Leben und realisierst, wie zerbrechlich wir sind“, sagte Hamilton. Aus den Worten klang vor allem Dankbarkeit, diesen Unfall überlebt zu haben.

Was erstmal nur spektakulär aussah, erwies sich als unfassbar gefährlich für den Briten. „Lewis Hamilton ist nur um Zentimeter einer Tragödie entgangen“, schrieb die britische Zeitung „Daily Mail“. Noch nie sei er von einem Auto am Kopf getroffen worden, sagte Hamilton selbst: „Gott sei Dank gibt es Halo. Das hat mich letztlich gerettet.“

Ohne den Cockpitschutz, der 2018 gegen anfängliche Widerstände zur Pflicht wurde, wäre Verstappens Auto mit dem rechten Hinterrad ungeschützt auf Hamiltons Kopf gekracht. So aber wurde von dem Bügel das Schlimmste verhindert. „Ich werde wahrscheinlich zu einem Spezialisten müssen, um zu sehen, ob ich für das nächste Rennen fit bin“, sagte Hamilton. Dass er dann verzweifelt versucht hatte, seinen Silberpfeil aus dem Kiesbett zu bekommen, obwohl der Red Bull in den Mercedes verkeilt war, belegt auch, dass er sich der Tragweite des Crashs zunächst gar nicht bewusst gewesen war. „Im Rennmodus“ sei er noch gewesen, erklärte Hamilton.

Den 100. Grand-Prix-Sieg seiner Karriere verpasste er erneut, die WM-Führung bleibt bei Verstappen mit fünf Punkten Vorsprung auf Hamilton. Mercedes-Teamchef Toto Wolff warnte vor „taktischen Fouls“ in dem giftigen WM-Duell – und meinte den Niederländer. „Ich möchte das von keinem Fahrer denken, aber ich denke, dass es entweder eine Fehleinschätzung oder eine kalkulierte Bewegung war, um mit Lewis zu kollidieren“, sagte Ex-Weltmeister Damon Hill. Der Niederländer hatte in einer Schikane trotz Platzmangels dagegen gehalten und so den Unfall verursacht. So zumindest bewerteten es die Rennkommissare: Verstappen muss beim nächsten Rennen in Sotschi deshalb drei Plätze weiter hinten starten. dpa/sid