Das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) will der Empfehlung der unabhängigen Ethik- Kommission in der Briefaffäre um DOSB-Chef Alfons Hörmann nur zu einem Teil folgen und sich zunächst einer Vertrauensfrage stellen. Ob es danach wie von den Ethikern empfohlen auch zu Neuwahlen kommen wird, ist offen. „Zum Wohl des deutschen Sports soll diese (Vertrauensfrage, d.Red.) zeitnah und unmittelbar nach den Olympischen und Paralympischen Spielen in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung umgesetzt werden“, teilte der DOSB am Donnerstag mit. Diesen Vorschlag wird das Präsidium den Mitgliedsorganisationen  unterbreiten. Ob es auf der ordentlichen Mitgliederversammlung im Dezember auch Neuwahlen geben wird, steht damit in den Sternen. Dazu dürfte es wohl nur kommen, wenn Hörmann und seinen Kollegen beim Votum vom Großteil der Mitglieder das Vertrauen entzogen wird.

Die Ethik-Kommission unter dem Vorsitz des früheren Bundesinnenministers Thomas de Maizière hatte einen anderen Weg im Sinn. Sie empfahl im Dezember Neuwahlen und sah diese als Vertrauensabstimmung an. Der DOSB hatte die Kommission um eine Bewertung gebeten, nachdem am 6. Mai ein anonym versendeter und vermutlich aus der DOSB-Belegschaft stammender Offener Brief mit Vorwürfen gegen Hörmann („Kultur der Angst“) für Wirbel sorgte. sid