Mit so vielen Fragenzeichen ist der alpine Ski-Weltcup noch nie in einen Winter gestartet. Kann in der immer heikleren Corona-Lage eine reguläre Saison überhaupt stattfinden? Welche Folgen hat der ganz neue Rennkalender? Welche Sportler haben in dem Pandemie-Sommer die beste Form erlangt? Kann Alpin-Star Mikaela Shiffrin wieder angreifen? Und wie wird das deutsche Team im ersten Jahr ohne Erfolgsgarantin Viktoria Rebensburg abschneiden?

Vor dem Saisonstart in Sölden mit den Riesenslaloms der Damen am Samstag (10/13 Uhr) und der Herren am Sonntag (10/13.15 Uhr, jeweils ZDF/Eurosport) dominiert die Ungewissheit. „Die Saison wird definitiv anders als die bisherigen“, sagte Ski-Rentnerin Rebensburg. Auf was sich ihre Nachfolger einstellen müssen, „das kann wohl niemand genau voraussehen“.

Das alles dominierende Thema: das Corona-Virus. Der Weltverband Fis und die Rennveranstalter arbeiten seit Monaten an Konzepten, wie die Wettkämpfe mit dem Infektionsschutz zu vereinbaren sind. Ein Covid-Ausbruch bei Sportlern, Betreuern oder Begleitern soll vermieden werden. Sonst könnten drohen Absagen. Die Nordamerika-Wochen Ende November wurden wegen den zu großen Risiken bei den Reisen der Teams bereits gestrichen.

Die fehlenden Events in den USA und Kanada sind nicht die einzigen Änderungen im Rennkalender. Um Damen und Herren sowie Techniker und Speed-Athleten zu trennen, wurden einige Veranstaltungen modifiziert. Das bedeutet für Allrounder und damit all jene Sportler, die Chancen auf den Gesamtweltcup haben, dass sie sich genau überlegen müssen, welche Rennen sie fahren. Betroffen ist davon unter anderem die langjährige Dominatorin Mikaela Shiffrin.

Bei der US-Ausnahmesportlerin ist unklar, was von ihr zu erwarten ist. Den Sölden-Start verpasst die 25-Jährige wegen einer Rückenblessur. Außerdem muss sie den Tod ihres Vaters von Anfang Februar verarbeiten, weswegen sie einen Teil der Vorsaison aussetzte, so den Gesamtweltcup verlor. 

Mit einer eventuell gehandicapten Shiffrin und ohne einen Dauersieger wie Marcel Hirscher ist der Kampf um Erfolge und Kristallkugeln erneut offen. Bei den Damen will die Italienerin Federica Brignone ihren Überraschungscoup als Gesamtweltcupsiegerin bestätigen. Bei den Herren brennen die bezwungenen Technik-Asse Alexis Pinturault (Frankreich) und Henrik Kristoffersen (Norwegen) auf Revanche gegen Abfahrer Aleksander Aamodt Kilde – der Norweger hatte am Ende des verkürzten Winters 2019/2020 gejubelt.

Aus deutscher Sicht war Dreßen mit drei Abfahrtssiegen just in seiner Comeback-Saison nach einer Knieverletzung das Nonplusultra. Nach dem Rücktritt von Rebensburg wächst der Druck weiter. Der Oberbayer bleibt zunächst der einzige richtige Sieganwärter im DSV. Auch Riesenslalom-Fahrer Stefan Luitz und Slalom-Hoffnung Linus Straßer stehen nun in der Pflicht. Bei den Damen ruhen die Hoffnungen auf Abfahrerin Kira Weidle. dpa

Thomas Dreßen ist Skisportler des Jahres


Eineinhalb Monate nach ihrem Rücktritt ist Viktoria Rebensburg vom Deutschen Skiverband (DSV) ein letztes Mal mit dem Goldenen Ski ausgezeichnet worden. Die 30-Jährige erhielt die Auszeichnung als beste Deutsche der vergangenen Saison bei den alpinen Rennläufern. Rebensburg hatte nochmal zwei Rennen gewonnen.

Bei den Männern erhielt den Goldenen Ski Thomas Dreßen, der drei Weltcupsiege feierte und drei dritte Plätze erreichte. Dreßen gewann darüber hinaus die Wahl zum „Skisportler des Jahres“: Dieser wird disziplinübergreifend von allen Kaderathletinnen und -athleten des DSV aus den Gewinnern des Goldenen Skis gekürt.