Gina Lückenkemper hat sich nach ihrem überraschenden Sprint zu EM-Gold im Krankenhaus behandeln lassen müssen. Die neue Europameisterin über 100 m war in einem spektakulären Finale kurz nach Zieleinlauf gestürzt und hatte sich eine Wunde am linken Bein zugezogen, die genäht werden musste.

„Ich weiß noch nicht genau, woher die Wunde kommt. Ob vom Sturz oder etwas anderem. Aber mir geht es gut! Ich bin überglücklich und kann das alles noch gar nicht so richtig fassen“, sagte Lückenkemper, nachdem sie um 1.10 Uhr im Teamhotel in München eingetroffen und vom Rest der deutschen Mannschaft um Zehnkampf-Europameister Niklas Kaul und den sehr emotional nach seinem letzten Mehrkampf verabschiedeten Ulmer Arthur Abele, mit großem Jubel empfangen worden war.

Ob Gina Lückenkempers Start in der 4x100m-Staffel am Schlusstag der Heim-EM in München gefährdet ist, ließ sich noch nicht absehen. Auf den Vorlauf am Samstag will sie allerdings verzichten. Am Sonntag peilt das DLV-Quartett mit Tatjana Pinto (Wattenscheid), Alexandra Burghardt (Burghausen), Lückenkemper (Berlin) und Rebekka Haase (Wetzlar) nach WM-Bronze auch eine EM-Medaille an.

Erstes Gold seit 2010

Gina Lückenkemper war im Münchner Olympiastadion als erste deutsche Sprinterin nach Verena Sailer (MTG Mannheim) 2010 in Barcelona zu Gold gesprintet. Nach einem packenden Finish hatte sich die 25-Jährige in 10,99 Sekunden vor der zeitgleichen Schweizerin Mujinga Kambundji durchgesetzt. Bronze ging an die Britin Daryll Neita (11,00). 2018 hatte Lückenkemper in Berlin schon EM-Silber gewonnen. Die Jahre dazwischen waren hart, Verletzungen bremsten sie. Seit November 2019 trainiert Lückenkemper bei Lance Braumann in Florida, an der Seite von Stars wie 200-m-Weltmeister Noah Lyles oder 400-m-Olympiasiegerin Shaunae Miller-Uibo. Nun zahlt sich die Schinderei aus. dpa/sid

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