Der frühere Diskus-Seriensieger Robert Harting sieht die deutsche Leichtathletik trotz der erfolgreichen Europameisterschaften nicht als führende Kraft in der Welt an. Vor der Heim-EM in München hatte es bei den Weltmeisterschaften in den USA nur zwei Medaillen gegeben. „Das ist keine Nation, die sportlich entscheidend ist im Weltmaßstab, das müssen wir uns eingestehen“, sagte der Olympiasieger.

Harting zeigte Verständnis dafür, dass Athletinnen und Athleten die EM im eigenen Land als eigentlichen Höhepunkt der Saison angesehen hätten, da sich ihr Markt zu Hause befinde. Andererseits müsse Sport aber im Weltmaßstab gedacht werden. Das rund 80-köpfige Aufgebot für die WM im US-Bundesstaat Oregon empfand er als zu groß: „Die Klassenfahrt nach Eugene war teilweise nicht nötig“, sagte der 37-jährige Berliner.

Die Frage auch in der Politik sei, wie der Leistungssport in Deutschland betrachtet werde und was die Bevölkerung erwarte. „In der Welt gut sein oder Emotion zurückgeben? Das haben die Sportler in München gemacht“, erklärte Harting. Er forderte professionelle Strukturen, vor allem auch in oberen Etagen der Verbände. Dort müssten Profis arbeiten, die auch hinausgeworfen werden könnten.

Für Erfolge sei auch Geld entscheidend. „Jetzt ist die Frage: mehr Geld? Oder anders verschieben? Ich glaube, die Wahrheit liegt in der Mitte. Es muss anders eingesetzt werden“, sagte Harting. Er nannte kleinere Profiteams als eine Möglichkeit. Es könne gut und gleichzeitig sauber gearbeitet werden, doch dies koste Geld, Mut und auch Langmut. Hartings Eindruck ist indes: „Man möchte ja gar keine große Sportnation mehr sein.“ sid