Schon wieder Dritte! Nach ihrer zweiten „Genussfahrt“ schüttelte Lena Dürr lachend den Kopf. „Es ist Wahnsinn, einfach nur verrückt“, rief die 30-Jährige vom SV Germering. Fast 14 Jahre ist sie im Weltcup dabei, 171 Rennen hatte Dürr auf ihren ersten Podestplatz im Slalom warten müssen – in Lappland platzte der Knoten.

„Endlich! Das war eine ewige Reise, aber lieber spät als nie. Wir heulen gerade alle zusammen“, sagte sie nach ihrem ersten Coup im finnischen Levi. Einen Tag später legte sie bei arktischer Kälte erneut Bestzeit im zweiten Durchgang hin und war danach beinahe sprachlos. „Es ist eine Gaudi, macht Spaß, es ist richtiges Genussskifahren da runter“, sagte Lena Dürr, die damit das Olympiaticket sicher hat.

Bei der Siegerehrung stand sie neben den Top-Stars der Szene: An beiden Tagen waren nur Doppelsiegerin Petra Vlhova (Slowakei) und Mikaela Shiffrin (USA) schneller. „Du stehst mit den zwei besten Slalom-Fahrerinnen auf dem Podium, das ist eine ganz besondere Auszeichnung für dich“, adelte Alpinchef Wolfgang Maier sein langjähriges Sorgenkind und sprach von einer „sensationellen Leistung“. Beim ersten Rennen fehlten Dürr 0,84 Sekunden auf Vlhova, beim zweiten 0,78.

Für die deutschen Frauen waren es die ersten Podestplätze im Slalom seit Maria Höfl-Riesch vor acht Jahren. Kurioses Detail: Vor dem ersten Rennen fuhr Dürr in der Gondel der dreimaligen Levi-Siegerin zum Start. „Das ist eine Befreiung, da fällt vieles ab. Ich habe lange gearbeitet dafür, es ist einfach genial.“ In jungen Jahren schon als Kandidatin für den Gesamtweltcup gehandelt, galt Dürr als ewiges Talent. 2013 in Moskau holte sie sogar einen Weltcup-Sieg, aber „nur“ bei einem City-Event.

Dürr pushte auch das Team. Andrea Filser wurde 18., Jessica Hilzinger belegte die Plätze 25 und 22. Und dann ist da ja noch Emma Aicher. Die kämpfte am Sonntag mit den Tränen, obwohl sie als 23. erneut in die Punkte gefahren war. Doch die ehrgeizige Sportlerin hatte die Olympia-Qualifikation schon vor Augen. Dann machte sie einen kleinen Fehler und verlor den Mut. „Ich bin ein bisschen enttäuscht“, sagte die gerade erst 18 Jahre alt gewordene Emma Aicher.

Am Samstag war sie völlig überraschend mit Nummer 60 auf den 14. Platz nach vorne gefahren. Im vergangenen Winter war ihr Name erstmals aufgetaucht, als sie ohne einen Weltcup-Start für den Teamwettbewerb bei der WM in Cortina d‘Ampezzo nominiert worden war. Es wurde WM-Bronze, im April kam der deutsche Meistertitel im Slalom dazu.

Die 18-Jährige fährt für den SC Mahlstetten (Kreis Tuttlingen), den Heimatverein ihres Vaters Andreas. Ihre Mutter Viktoria ist Schwedin, in Sundsvall wuchs sie auf und lernte das Skifahren. Sie feierte im Nachwuch erste Erfolge – für Schweden. 2020 entschied sie sich für den DSV und zog ans Skiinternat Berchtesgaden. Das Internationale Olympische Komittee hat dem Wechsel zugestimmt: Emma Aicher dürfte also in Peking starten. Die halbe Norm hat sie schon. sid/uwe

Von Liechtenstein nach Deutschland


Wechsel Emma Aicher ist nicht die einzige deutsche Slalomfahrerin mit doppelter Staatsbürgerschaft. Jessica Hilzinger wuchs in Liechtenstein auf, ihre Mutter kommt aus dem Fürstentum, ihr Vater ist Deutscher. Bis 2014 fuhr die heute 25-Jährige für den Liechtensteiner Verband. 2015 entschied sie sich für den Wechsel ans Skiinternat Oberstdorf, schloss sich dem dortigen Skiclub und dem DSV an.