Volle Hallen, namhafte Neuzugänge, komplette Play-offs: Nach zweieinhalb Jahren mit massiven Einschränkungen ist im deutschen Eishockey die Sehnsucht nach Vor-Corona-Verhältnissen groß. „Wir hoffen natürlich auf Normalität“, sagt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke vor dem Saisonstart am Donnerstag mit der Partie Kölner Haie gegen den EHC München.

Geisterspiele und Zuschauergrenzen gehören wohl der Vergangenheit an, doch schon bereiten neue Krisen den Klubs der Deutschen Eishockey Liga (DEL) Sorgen – vor allem die Inflation und Energieknappheit. Steigende Kosten, aber auch sinkende Einnahmen drohen. „Wir haben die Klubs vorsichtig planen lassen“, betont Tripcke. Dennoch: Nach dem Absturz auf 84 Millionen Euro setzte die DEL in der vergangenen Saison wieder 133 Millionen um. Jetzt soll es „Richtung 150 Millionen“ gehen, so Tripcke – wenn nichts dazwischen kommt.

Die Pandemie, die der Liga insgesamt rund 100 Millionen Euro Einnahmeverlust bescherte, soll möglichst keine Rolle mehr spielen. Die allgemein rasant steigenden Preise könnten aber dazu führen, dass weniger Fans den Weg ins Stadion finden. Der Dauerkartenverkauf ging bereits vielerorts zurück. Tripcke hofft auf „drei Viertel der normalen Zuschauerzahlen“. Auch Sponsoren, die in finanzielle Bedrängnis geraten, könnten abspringen. Die Energiekrise „wird auch auf den Profisport zukommen“, meint der DEL-Geschäftsführer, aber daran werde „der Spielbetrieb nicht scheitern“, häufig gelten noch langfristige Hallenverträge.

Die DEL verlängerte in der Sommerpause die Verträge mit dem TV-Partner Telekom und dem Namenssponsor Penny, die wohl ligaweit künftig verdoppelte Einnahmen von 14 Millionen Euro jährlich bringen werden – allerdings erst ab 2024.

Normalität herrscht wieder im Spielplan: Nach drei Jahren ohne oder mit verkürzten Play-offs wird wieder nach dem Modus „best of seven“ um den Titel gespielt. Das Winter-Game, am 3. Dezember im Kölner Fußballstadion zwischen den Haien und Adler Mannheim, kehrt zurück.

Keine Zurückhaltung

Auf dem Transfermarkt war alles wieder beim alten: München schnappte sich Torhüter Mathias Niederberger von Meister Berlin, Mannheim den aus Schweden zurückgekehrten Nationalspieler Stefan Loibl, Berlin holte gleich zwölf Neue, Köln drei prominente Kanadier aus der russischen KHL, selbst Aufsteiger Frankfurt gönnte sich den früheren Stanley-Cup-Sieger Carter Rowney. Von Zurückhaltung keine Spur mehr.

Nur in Nürnberg war es anders, dort mussten die Ice Tigers diesen Sommer „eine mittlere sechsstellige Summe“ Corona-Hilfe des Staates zurückzahlen. Die Begründung laut Geschäftsführer Wolfgang Gastner: Die Schlussrechnung für 2020 sei „positiver als gedacht“ ausgefallen. Das ergab sich etwa aus dem Gehaltsverzicht der Spieler oder dem Einstieg neuer Sponsoren. „Riesensauerei“ und „Farce“ nennt Gastner die Rückzahlung. sid