Nach einer traumhaften Woche ließ sich Johannes Vetter ausgepumpt auf den Hintern fallen, ehe er sich die Deutschland-Fahne umwarf und den Applaus der Menge genoss. Die Ehrenrunde vor 3500 Fans im Berliner Olympiastadion entschädigte den Wunder-Werfer für die Plackerei der letzten Zeit: Beim Istaf schleuderte er den Speer zur dritten Weltklasse-Leistung in sieben Tagen – und doch muss der Weltrekord noch warten.

„Wahnsinn! Ich glaube, nach dem Wurf letzte Woche habe ich mir die Sieger-Runde hier nochmal verdient“, sagte Vetter nach seinen 87,26 m in Berlin, die ihm völlig ungefährdet seinen vierten Sieg bei dem so prestigeträchtigen Meeting bescherten.

Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo konnte ihre überragende Leistung vom vergangenen Dienstag aus Dessau, als sie mit 7,03 m eine neue Weltjahresbestleistung aufgelegt hatte, nicht bestätigen. Sie kam in Berlin mit 6,77 m auf Rang zwei und musste der WM-Zweiten Maryna Bech-Romantschuk aus der Ukraine (6,87 m) den Vortritt lassen.

Für Mihambo geht eine Saison zuende, die sie sich ganz anders vorgestellt hatte. Eigentlich wollte sie beim neunmaligen Olympiasieger Carl Lewis in den USA trainieren und dann selbst Gold bei den Sommerspielen in Tokio anpeilen. Nach der coronabedingten Verschiebung der Spiele auf 2021 verkürzte Mihambo ihren Anlauf von 20 auf 16 Schritte und bestimmte zuletzt dennoch die Konkurrenz.

 Glücklich wird auch Max Heß abreisen. Der frühere Dreisprung-Europameister meldete sich nach Verletzungspause zurück und musste sich nur dem Weltmeister und Olympiasieger Christian Taylor (USA) geschlagen geben. Mit 17,17 m wurde Heß Zweiter hinter dem Amerikaner, der mit der Weltjahresbestleistung von 17,57 m siegte. „Der Christian ist natürlich ein unglaubliches Biest“, sagte Heß. Er sei selbst „einfach froh, wieder zu springen“. Der 24-Jährige hatte 2019 die WM wegen Rückenschmerzen verpasst. sid