Carina Vogt hat einen Schlussstrich gezogen. Nach 24 Profijahren mit dem Olympiasieg 2014 und fünf WM-Titeln hat die 30-Jährige aus Waldstetten am Freitag ihren Rücktritt erklärt. „Ich habe gemerkt, dass ich körperlich limitiert bin und ich meinen eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden kann.“ Sie wolle jetzt ihre Karriere bei der Bundespolizei vorantreiben.

„Ich möchte das Kapitel Skispringen erst einmal schließen“, sagt Carina Vogt bei der virtuellen Pressekonferenz und fügt hinzu, dass „mir teilweise das Vertrauen und die Risikobereitschaft fehlt, in die weiten Bereiche zu springen und einen Telemark zu setzen“. Schuld daran sind die vergangenen beiden Jahre, in denen sie durch schwere Knieverletzungen zurückgeworfen wurde. Begonnen hatte die Leidenszeit 2019, als sie im Training einen Kreuzbandriss erlitt.

Operationen und Rückschläge

 Ex-Bundestrainer Andreas Bauer, unter dem Vogt all ihre Triumphe gefeiert hat, erinnert auch an die Tiefen, die es gab. An die Operationen und Rückschläge. „Aber Du hast es immer wieder geschafft, Dich mit einem unglaublichen Willen zurückzukämpfen.“ Am meisten beeindruckt habe ihn aber, „wie sich jemand über den Sport als Mensch entwickeln kann“. Sie sei zu einer großen Persönlichkeit gereift.

Eine, deren Karriere mehr zu bieten hat als nur Titel und Pokale. Carina Vogt hat sich immer für ihren Sport eingesetzt, hat um Anerkennung gekämpft. Rückblickend sagt sie, dass „Skispringen auf einem guten Weg ist, mir persönlich die Entwicklung zu langsam ging“. Und sie gibt zu, dass „es mich anfuchst, dass ich die jetzt kommende Vierschanzentournee der Frauen nicht mitspringen und das Skifliegen nicht mehr erleben darf“. 

Sechs Jahre war Carina Vogt alt, als sie das erste Mal über eine Schanze gesprungen ist. Damals beim Schülerferienprogramm ihres Vereins SC Schwäbisch Gmünd-Degenfeld. 30 Jahre war sie alt, als sie das letzte Mal bei einem Wettkampf über den Bakken ging – beim Continental-Cup, dem B-Weltcup. Ihren letzten Weltcup ist sie Anfang Januar 2022 in Ljubno gesprungen. Dazwischen liegt laut Bauer eine „Bilderbuchkarriere“. 2014 wurde sie in Sotchi die erste Olympiasiegerin in der Geschichte des Frauen-Skispringens. 2015 Weltmeisterin im Einzel und Mixed in Falun. 2017 Weltmeisterin im Einzel und Mixed in Lahti. 2019 Weltmeisterin mit dem Team. Dazu 2013 WM-Bronze im Mixed in Val di Fiemme sowie 2012 zwei weitere Medaillen bei der Junioren-WM in Erzurum. „Carina Vogt ist eine Ausnahmeathletin, die es so vielleicht nie mehr geben wird“, sagt Bauer. Und erinnert an den einzigen Makel: „Carina ist nie Deutsche Meisterin geworden. Das ist der schwarze Fleck auf deiner weißen Weste.“

Damit kann Carina Vogt sehr gut leben. Und sich neuen Herausforderungen widmen. Beim Aufstiegsstudium bei der Bundespolizei, das bereits im Juli in Lübeck beginnt. Und vielleicht als Aktive in einer anderen Sportart: „Ich habe mich schon immer für Handball interessiert. Mal schauen, ob ich da etwas finde ...“

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Jahre ist es her, dass Carina Vogt Olympiasiegerin wurde – überraschend auch für sie: „Auf eine Medaille hatte ich gehofft. Aber Gold?“, meinte Vogt: „Ich hatte noch keinen Weltcup und nichts gewonnen.“