Auf die Frage nach Wimbledon lächelt Rudi Molleker. Ja, dieses Mal habe er sich rechtzeitig für die Qualifikation des Grand-Slam-Klassikers angemeldet, erzählt die Nachwuchshoffnung. Dem 20-Jährigen und seinem Team war vor zwei Jahren eine Organisationspanne passiert. Anders als bei der bislang letzten Auflage ist es jetzt aber nicht unwahrscheinlich, dass Molleker für die Quali des größten Rasenevents gar nicht zugelassen wird. Der Brandenburger macht nicht nur wegen der Corona-Krise eine schwierige Zeit durch.

„Mein größtes Ziel ist es jetzt, Tennis zu spielen“, sagt Molleker, als das Rasenturnier in Stuttgart mit einem 5:7, 3:6 gegen den kroatischen US-Open-Sieger von 2014, Marin Cilic, trotz einer guten Leistung für ihn schnell wieder beendet war. „2020 habe ich nicht allzu viel Tennis gespielt, hatte da meine eigenen Probleme“. Eine Rückenverletzung bremste ihn aus, der Ellbogen schmerzte hin und wieder. „Hauptsächlich aber auch mentale Probleme“, sagt Molleker.

Der Blondschopf, als Dreijähriger mit seinen Eltern aus der Ukraine nach Brandenburg gekommen, zählt zu den größten Talenten des Deutschen Tennis Bunds (DTB). Früh wurde er gehypt. Es ist schon Jahre her, dass das Regionalfernsehen eine Dokumentation mit dem Titel „Von Oranienburg nach Wimbledon“ über ihn drehte.

Doch seit längerem hat Molleker kaum noch gewonnen. Für 2020, als die Tour für einige Monate eine Zwangspause einlegte, steht kein Sieg in seiner ATP-Statistik. „Er hat lange aussetzen müssen wegen der Verletzung, dann kam Corona. Die letzten eineinhalb Jahre waren nicht so förderlich für ihn“, sagt Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann, zugleich Herren-Chef im DTB.

In der Weltrangliste ist Molleker auf Rang 262 abgerutscht, mehr als 100 Plätze hinter seine beste Platzierung vom Sommer 2019 (146). In Stuttgart kam er in dieser Woche dank einer Wildcard ins Hauptfeld. Vor drei Jahren hatte er hier gegen Davis-Cup-Spieler Jan-Lennard Struff seinen ersten Hauptfeld-Sieg auf der ATP-Tour gefeiert. Kurz darauf glückte ihm in Hamburg als 17-Jähriger ein Erfolg gegen den inzwischen zurückgetretenen Tennis-Veteran David Ferrer.

Es waren Matches, mit denen er andeutete, was von ihm zu erwarten sein könnte. Selbstbewusstsein hatte er dafür mit seinem Sieg auf der zweitklassigen Ebene in Heilbronn gesammelt. Er erinnerte damit an Alexander Zverev, der dort mit 18 gewonnen hatte. „Es hat viel darauf hingewiesen, dass er den gleichen Weg geht“, sagt Kohlmann. Doch der Durchbruch kam noch nicht. „Manchmal ist es so, dass es in den Entwicklungsstufen irgendwo mal hakt“, sagt Kohlmann. Vielleicht habe sich Molleker zu sehr unter Druck gesetzt. Vielleicht mit den Verletzungen den Glauben verloren, es zu schaffen.

Erfahrener neuer Trainer

Im Moment sieht Kohlmann Anzeichen, die Mut machen. Zum wiederholten Male hat Molleker seinen Trainer gewechselt, er arbeitet nun mit dem erfahrenen Ostwestfalen Jan de Witt zusammen. Dieser Kombination traut Kohlmann, der Molleker selbst einmal betreut hatte, einen Weg nach oben in der Weltrangliste zu. In Halle nächste Woche will sich der DTB-Verantwortliche mit dem Talent zusammensetzen. „Wenn er wirklich den Fokus wieder aufs Tennis hat, und ich finde, das hat er aktuell, sind wir mit Sicherheit immer dabei, ihn zu unterstützen“, sagt Kohlmann. Hoffentlich komme man auf einen Nenner, sagt Molleker. Das Verhältnis mit dem DTB gilt nicht als problemfrei. dpa

Nach Aus in Paris im Weissenhof-Achtelfinale


Yannick Hanfmann und Peter Gojowczyk haben in Stuttgart das Achtelfinale erreicht. Der 29 Jahre alte Hanfmann gewann sein Auftaktmatch gegen den Franzosen Jeremy Chardy mit 6:4, 6:4. Der Karlsruher, der bei den parallel laufenden French Open in der ersten Runde ausgeschieden war, bekommt es jetzt mit Chardys Landsmann Ugo Humbert zu tun. Gojowczyk setzte sich gegen Ilja Iwaschka aus Belarus mit 5:7, 6:4, 6:2 durch. Iwaschka war kurzfristig als „Lucky Loser“ für den Australier John Millman (Rückenverletzung) ins Hauptfeld gerückt.