Als Belohnung für ihren erstaunlichen US-Open-Triumph gönnte sich Laura Siegemund erst einen üppig belegten Burger und dann noch ein paar Süßigkeiten. „Ich trinke keinen Alkohol, deshalb fällt der Kater schon mal flach“, flachste die 32 Jahre alte Tennisspielerin aus Metzingen am Tag nach ihrem sensationellen Sieg an der Seite der Russin Vera Swonarewa im Doppelwettbewerb des Grand-Slam-Turniers in New York.

Vor dem Rückflug in die Heimat war Siegemund per Video am späten Samstagabend in das ZDF-„Sportstudio“ zugeschaltet und plauderte in ihrer unnachahmlichen Art und ihrem wunderbar schwäbischen Singsang über die (fast) schlaflose Nacht nach diesem ebenso unerwarteten wie hochklassigen und spannenden Doppel-Endspiel. Am frühen Morgen nach dem Triumph machte sie sich auf zum Training. „Ich war heute um 7.30 Uhr im Gym“, erzählte Siegemund am Samstag.

Als erste deutsche Tennisspielerin seit 1985 hatte sie die Silbertrophäe für die Gewinnerinnen im Damen-Doppel in die Höhe recken dürfen. Zur Erinnerung: Als Claudia Kohde-Kilsch vor 35 Jahren mit Helena Sukova aus der damaligen Tschechoslowakei als bis dato letzte deutsche Spielerin den Doppel-Titel in Flushing Meadows holte, war Laura Siegemund noch gar nicht geboren. „Wenn man mir solche Statistiken verrät, ist das immer schön“, sagte die Metzingerin, schränkte aber auch ein, dass sie sich ungern von solcherlei Zahlen ablenken lasse.

Die Ziffern auf der Anzeigetafel gaben am Freitagabend ein 6:4, 6:4 für Siegemund/Swonarewa gegen die an Nummer drei gesetzten Nicole Melichar und Xu Yifan aus den USA und China wieder. „Der Titel bedeutet mir ganz viel“, sagte Siegemund. „Wir sind beide nicht den ganz steilen Weg in unserer Karriere gegangen. Der Weg zu so einem Erfolg ist sehr steinig. Da steckt viel harte Arbeit hinter. Ich bin sehr, sehr stolz auf uns als Team und auf unsere Leistung.“

Tatsächlich weisen beide Karriere-Wege eine bemerkenswerte Parallele auf: Sowohl Siegemund als auch Swonarewa hatten ihr berufliches Dasein als Tennisspielerinnen schon temporär beendet. Die mittlerweile immerhin bereits 36 Jahre alte Swonarewa hatte mit Verletzungen zu kämpfen und brachte 2016 ihre Tochter Evelina zur Welt. Siegemund, früh als Wunderkind des Tennis-Sports geadelt, war der Druck mit regelmäßigen Steffi-Graf-Vergleichen einst zu viel. 2012 beendete sie ihre Karriere und studierte Psychologie.

Kurios: Wie das Duo mit Swonarewa jetzt zustande kam, wusste sie gar nicht mehr so genau. Irgendwo hatte Siegemund den Namen gelesen und gedacht, das könnte passen. Sie taten sich zusammen, spielten zum ersten Mal überhaupt gemeinsam Doppel und harmonierten prächtig. Nun krönten die beiden Spielerinnen ihre Zusammenarbeit mit dem Doppel-Sieg bei den US Open in New York.

Während des erfolgreichen Halbfinals von Alexander Zverev – er bestreitet sein großes Finale gegen den Österreicher Dominic Thiem in der Nacht auf Montag (war bei Redaktionsschluss noch nicht beendet) – sah man die beiden am Freitag plaudernd und lachend vor ihren Logen im Arthur-Ashe-Stadium beim Burger-Konsum sitzen, nachdem Siegemund kurz zuvor bei der Siegerehrung noch mit den Tränen gekämpft hatte.

Den Titel widmete sie übrigens ihrer an Krebs gestorbenen Tante Helga, der Zwillingsschwester ihrer Mutter. „Manche Dinge sind wichtiger als die Karriere“, sagte Siegemund. dpa

Osaka gewinnt zum zweiten Mal die US Open


Die Japanerin Naomi Osaka hat zum zweiten Mal die US Open gewonnen. Die Siegerin von 2018 setzte sich in der Nacht auf Sonntag im Finale von New York gegen Wiktoria Asarenka aus Belarus mit 1:6, 6:3, 6:3 durch. Für die frühere Weltranglistenerste Osaka ist es der dritte Grand-Slam-Titel ihrer Karriere. Asarenka verpasste indes ihren dritten Titel nach den Australian Open 2012 und 2013.

Osaka klettert in der neuen Weltrangliste auf Platz drei. Als erste Spielerin seit der Spanierin Arantxa Sanchez-Vicario im Jahr 1994 hat einen Spielerin ein US-Open-Endspiel nach verlorenem ersten Satz noch gewonnen.