Der ersehnte Weg zurück nach Deutschland hat Atakan Karazor von Ibiza aus über den Kölner Flughafen geführt. Von dort fuhr er weiter ins Ruhrgebiet, wo seine Familie lebt. Im vertrauten Kreis soll sich der Fußballprofi des VfB Stuttgart von den Strapazen der vergangenen Wochen ein Stück weit erholen. Der 25-Jährige soll sich dabei die Zeit nehmen, die er nach der Entlassung aus der spanischen Untersuchungshaft benötigt. Das hat für die Verantwortlichen des Bundesligisten zunächst Priorität. „Dann wird er in zwei, drei oder vier Tagen hier auftauchen, und wir werden sehen, ab wann wir das Ganze wieder in Training lenken können“, sagt Sven Mislintat. Der Sportdirektor hat nach dessen Freilassung mit Karazor telefoniert. „Befreit“ habe dieser gewirkt, berichtete Mislintat.

43 Tage lang saß Karazor auf der Baleareninsel im Gefängnis. Der Vorwurf wiegt dabei schwer: Der VfB-Spieler soll sich an einer 18-jährigen Spanierin sexuell vergangen haben. Zusammen mit einem gleichaltrigen Freund wurde er daraufhin am 9. Juni festgenommen. Karazor bestreitet jedoch jede strafbare Handlung, die Rede ist von angeblich einvernehmlichem Sex. Die Ermittlungen laufen nun weiter, und noch immer steht eine Anklage im Raum. Dennoch betont VfB-Sportdirektor Mislintat: „Für uns ist hundertprozentig klar, dass der Junge bei uns mittrainiert und ein Spieler von uns ist.“

Der VfB stützt sich dabei auf die Unschuldsvermutung, die für Karazor wie jeden anderen gelte. „Das ist ein Mensch, der noch nicht einmal angeklagt ist“, sagt Mislintat, „wenn es irgendwann zur Anklage käme, dann muss man sich das anschauen. Aber solange das nicht so ist, ist er ganz klar unser Spieler.“ Was sich zudem daran zeigt, dass die Stuttgarter Karazors Gehalt bislang bezahlt haben und weiter bezahlen werden, wie es heißt.

Arbeitsrechtlichen Rat hat sich der Klub in der Causa eingeholt. Zum laufenden Verfahren äußert sich der VfB jedoch nicht. Die Stuttgarter warten auf der juristischen Ebene die weiteren Entwicklungen ab. Und um konkret über die sportliche Seite des Falles sprechen zu können, muss sich der Mittelfeldspieler erst einmal wieder in der Lage fühlen, das Training aufnehmen zu können. Das soll in einem persönlichen Gespräch ausgelotet werden. Auch wann und in welcher Form er trainieren kann, wird mit Karazor direkt geklärt. Ehe er wieder gegen den Ball tritt, soll der Defensivspezialist aber medizinische und leistungsdiagnostische Tests absolvieren. Auch, um zu sehen, auf welchem Fitnessniveau er sich bewegt.

„Ich freue mich, dass er bald wieder zu uns stoßen kann“, sagt Pellegrino Matarazzo. Der Trainer hatte bis Samstagabend keinen direkten Kontakt zu Karazor, der die komplette Vorbereitung verpasst hat. Dass der Coach den Mittelfeldspieler schon bald einsetzen kann, ist deshalb allein wegen des Trainingsrückstandes unwahrscheinlich.

Karazor war am Freitagabend gegen Bezahlung einer Kaution in Höhe von 50 000 Euro und gegen Meldeauflagen aus der U-Haft entlassen worden. Zudem darf er sich der jungen Frau, die ihn der Vergewaltigung bezichtigt, nicht nähern und nicht mit ihr kommunizieren. Das entschied das Landgericht der Balearen. Nur deshalb konnte Karazor die Rückreise ins Ruhrgebiet antreten. Ausgestanden ist die heikle Angelegenheit aber noch lange nicht.

Karazors Freilassung war das zentrale Thema des Wochenendes beim Fußball-Bundesligisten, der zudem eine gelungene Generalprobe für den Pflichtspiel-Auftakt kommenden Freitag hinlegte. „Ein positiver Test“ sei das gewesen, sagte Trainer Pellegrino Matarazzo nach dem 5:2 (2:1) gegen den spanischen Erstligisten FC Valencia in der Stuttgarter Arena am Samstagnachmittag. Tiago Tomás (16. und 44. Minute), Silas Katompa Mvumpa (46.), Neuzugang Juan José Perea (58.) und Darko Churlinov (90.) sorgten mit ihren Toren für den fünften Sieg im fünften Vorbereitungsspiel der Schwaben. Marcos André (30., 55.) traf zweimal für die Gäste. (mit dpa)

Mercedes-Benz-Arena ist eine Baustelle


Beim 5:2-Sieg im Testspiel gegen den FC Valencia konnten sich Spieler und Verantwortliche des VfB Stuttgart ein Bild davon machen, was sie in den kommenden Monaten in der Mercedes-Benz-Arena erwartet. Die Heimspielstätte wird zur Heim-EM 2024 ertüchtigt (Kostenpunkt: knapp 100 Millionen Euro), der VfB wird so lange auf einen Teil seiner Fans verzichten müssen. 48 000 statt 60 000 wird das Kontingent künftig betragen.

Beim Bundesliga-Auftakt am 7. August (15.30 Uhr) gegen RB Leipzig soll die Haupttribünen-Baustelle abgedeckt werden.