Auf dem Platz war Diego Armando Maradona ein Genie, der wohl spektakulärste Fußballer, den diese Welt bislang gesehen hat. Noch außergewöhnlicher als Lionel Messi, noch besser als Pele. Abseits des Feldes setzte Maradona nur wenige Glanzlichter. Im Gegenteil: Regelmäßige Fehltritte und Skandale begleiteten den Weg des stolzen Argentiniers, um den es – so viel kann man sicher sagen – auch nach seinem Tod nicht ruhig geworden ist. Vor einem Jahr – am 24. November 2020 – hörte Maradonas Herz auf zu schlagen. Was weltweit Millionen Fans in Trauer und das fußballverrückte Argentinien in eine Art Ausnahmezustand versetzte.

Diego Maradona wurde 60 Jahre alt. Sein Leben glich der Fahrt auf einer Achterbahn. Die Umstände seines Todes geben bis heute Rätsel auf und sind längst ein Fall für die Justiz in dem südamerikanischen Land. So wirft die Staatsanwaltschaft Maradonas Leibarzt Leopoldo Luque und dessen Helferteam „fahrlässige Tötung“ vor. Luque und seine Mitstreiter sollen den gesundheitlich schwer angeschlagenen 60-Jährigen nach einer Operation wegen eines Blutgerinnsels im Kopf zu früh nach Hause geholt haben. Weniger Tage nach der Rückkehr aus dem Krankenhaus verstarb Maradona. An einem Herzversagen, wie es heißt. Den Beschuldigten drohen Haftstrafen zwischen 5 und 25 Jahren.

Maradona ist auf dem Friedhof Jardin de Paz vor den Toren der Hauptstadt Buenos Aires begraben. Über das mit einer schlichten Steinplatte versehene Grab des Verstorbenen wachen Dalma und Gianinna, Maradonas Töchter aus erster Ehe. Sie haben Kameras installieren lassen und Security-Leute engagiert. Im vergangenen Jahr wollten zwei Kläger Maradonas Vaterschaft per DNA erstreiten. Sie scheiterten mit ihrem Ansinnen vor Gericht.

Und damit nicht genug: Wenige Tage vor seinem Todestag hat eine 37-jährige Kubanerin Vergewaltigungsvorwürfe gegen Maradona erhoben. Der Weltstar habe sie vor 20 Jahren in Kuba, wo sich „Dieguito“ für einen Drogenentzug aufhielt, sexuell missbraucht. Zudem sei sie, damals erst 16, später von Maradonas Umfeld mehrere Wochen in einem Hotel gegen ihren Willen festgehalten worden.

Das alles wird viele tausende Menschen nicht davon abhalten, ihr Idol zu feiern. Am Donnerstag dürfte unter anderem das ärmliche Geburtshaus in der Villa Fiorito südlich von Buenos Aires in den Blick rücken. Es ist in Argentinien jüngst zu einem „nationalgeschichtlichen Ort“ deklariert worden.

Märchenhafter Aufstieg

Diego Maradona legte einen märchenhaften Aufstieg hin, war schon mit 18 ein Superstar, führte Argentinien 1986 in Mexiko fast im Alleingang und mit unglaublichen Auftritten zum WM-Gewinn. Auf Vereinsebene scheiterte er zunächst beim großen FC Barcelona, eher er Maradona-typisch und doch damals für viele überraschend in Italien anheuerte – dort Underdog SSC Neapel zu schier unglaublichen Triumphen führte. Der SSC hat seine Arena in den vergangenen Monaten umgetauft, er spielt inzwischen im Stadio Diego Armando Maradona. Für viele Menschen in der Stadt am Vesuv war und ist der Argentinier ein Heiliger.

Nach der Karriere ging es bergab für Diego. 2000 diagnostizierten Ärzte ein Herzleiden, verursacht durch jahrelangen Kokainkonsum. Es folgten Entziehungskuren, eine Magenverkleinerung, immer wieder Rückfälle und bizarre Auftritte wie bei der WM 2018 in Russland, als der pöbelnde Maradona auf der Tribüne alle Blicke auf sich zog.

Der Journalist und Arzt Nelson Castro berichtete kürzlich in einer Talkshow im argentinischen Fernsehen von Fans, die während der Totenwache versucht hätten, Maradonas Herz zu entfernen. Was aber bereits im Ansatz verhindert worden sei. Die Vorstellung, die Fußball-Ikone sei ohne sein Herz beerdigt worden, ist für viele Argentinier erschütternd. Vor diesem Hintergrund klingt Maradonas älteste Tochter Dalma ziemlich ernüchtert. Kurz vor dem ersten Todestag ihres Vaters sagt sie: „Ich fühle, dass dieser Tag nichts für Ehrungen, nicht zum Feiern ist.“ (mit sid)

Diego Maradona in Film und Ton


Diego Maradona hat 91 Länderspiele für die argentinische Nationalmannschaft bestritten.

Am 14. Dezember treffen in Saudi-Arabien Diego Maradonas frühere Klubs FC Barcelona und die Boca Juniors aus Argentinien aufeinander. Sie wollen dann den Titel „Copa Maradona“ ausspielen.

Der Streamingdienst Amazon Prime zeigt gerade eine Serie („Leben wie ein Traum“) über die Karriere Maradonas, beim Audio-Streaming-Dienst Spotify sind seit Dienstag Ton-Dokumente seiner letzten Tage zu hören.