Gerold Knehr Derzeit pausieren die Profis. Aber nicht lange. Anfang August beginnt für die Spieler der Topklubs eine Saison, die keine Zeit zur Regeneration lässt.  Von Gerold Knehr

Werder Bremen hat die Bundesliga gerade noch mal gehalten, die Tränen beim 1. FC Heidenheim über den verpassten Aufstieg in die höchste deutsche Fußball-Liga sind getrocknet, der 1. FC Nürnberg hat im dramatischen Relegations-Rückspiel gegen den 1. FC Ingolstadt wie durch ein Wunder den Absturz in die Dritte Liga vermieden. Die letzten Entscheidungen  im deutschen Profi-Fußball sind gefallen. Nun haben sich die Kicker in die Sommerpause verabschiedet.

Aber nicht für lange. Es ist die Ruhe vor dem großen Sturm. Ab dem August steht speziell den Nationalspielern und jenen, die bei Spitzenklubs engagiert sind, eine gnadenlose Terminhatz bevor. DFB, DFL, Uefa, Nationalmannschaft – alle wollen nach Corona wieder voll loslegen.

Am 5. und 6. August setzen Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg die Europa League, die im März unterbrochen wurde, mit den Achtelfinal-Rückspielen fort. Am 8. August will der FC Bayern München im Heimspiel gegen den FC Chelsea den Einzug in das Final-8-Turnier der Champions League, das vom 12. bis 23. August in Portugal stattfindet, perfekt machen. Das Hinspiel in London haben die Münchner 3:0 gewonnen. Ebenfalls als Achter-Turnier werden die Wettbewerbe der Europa League beendet, und zwar vom 10. bis 21. August im Ruhrgebiet.

Zehn Wochen, acht Länderspiele

Derr Start in den September ist der Nationalmannschaft vorbehalten. Das Team von Joachim Löw tritt in der Nations League am 3. September in Stuttgart gegen Spanien an und spielt drei Tage darauf in Basel gegen die Schweiz. „Ich halte diese Terminierung nicht für gut“, sagt FC-Bayern-Vorstandchef Karl-Heinz Rummenigge, der seinen Spielern nach dem Champions-League-Finalturnier in Lissabon, vor der ersten DFB-Pokalrunde (11. bis 14. September) und dem Bundesligastart in die Saison 2020/21 (18. bis 21. September) gerne noch einmal einige dringend nötige Urlaubstage gewähren würde. Doch  Oliver Bierhoff pocht auf diese Spiele. „Wir wollen im Sommer 2021 eine starke EM spielen und etwas Neues aufbauen. Dazu brauchen wir die Profis“, so der DFB-Direktor. Zudem geht es um dringend nötige Einnahmen für den von der Corona-Pause finanziell getroffenen DFB, der sein letztes Länderspiel am 19. November bestritt (6:1 gegen Nordirland).

Stur sind auch die DFL und die Uefa, was ihren jeweiligen Supercup betrifft. Der europäische Verband will seinen Wettbewerb am 24. September in Budapest austragen, die DFL den ihren am 30. September.

Im Oktober finden am 7., 10. und 13. Länderspiele gegen die Türkei (in Köln), in der Ukraine und gegen die Schweiz (ebenfalls in Köln) statt. Am 20. Oktober beginnt die neue Saison in der Champions- und Europa League. Bis zum 10. Dezember sollen die sechs Gruppenspieltage durchgepeitscht werden. Im November folgt ein weiterer Länderspiel-Dreierpack gegen die Tschechische Republik (11.), die Ukraine (14./beide in Leipzig) und in Spanien (17. 11.).

Eng bleibt es bis zum Jahresende. Die Bundesliga spielt bis zum 19. Dezember, zwei Tage beziehungsweise einen Tag vor Heiligabend wird die zweite DFB-Pokalrunde ausgetragen. Am 2/3. Januar geht es bereits mit der Bundesliga weiter, bis zum 22. Mai. Danach hat Joachim Löw drei Wochen Zeit, seine Nationalelf auf die EM-Endrunde 2021 vorzubereiten, die am 11. Juni beginnt und für die deutsche Auswahl im besten Fall am 11. Juli 2021 mit dem Finale in London endet.

Einen Puffer, sollte sich Covid-19 wieder verstärkt ausbreiten, gibt es nicht.

Quantität schadet der Qualität

Das Mitleid mit Fußball-Profis wegen der körperlicher Belastung ist angesichts der guten Bezahlung bei vielen Menschen nicht weit ausgeprägt. Der Rahmenterminkalender für die kommende Saison enthält allerdings einige Tücken. Die nahezu fehlende Winterpause gehört dazu, eine Regeneration über die Weihnachtsfeiertage ist kaum möglich. Die Gefahr für Muskelverletzungen an Fuß, Ober-, Unterschenkel und Wade steigt mit der Beanspruchung. Zudem wird kaum ein Fußballer in der Lage sein, angesichts der zu erwartenden Belastungen dauerhaft gute Leistungen zu erbringen.