Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben. Ein Kurzpass nach dem anderen, hohes Tempo, direkter Kontakt. Dann die Spielverlagerung. Weit und hoch und quer über das Feld. So will es VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo von seiner Mannschaft sehen, auf Deutsch und Englisch schmettert er die Kommandos über den Platz. Und so bekam er es in der ersten Trainingseinheit in dieser Woche von seinen Schützlingen geboten. Auch von Nicolas Gonzalez. Der Angreifer war nach offen formulierten Wechselabsichten und wochenlanger Verletzungspause beim Trainingsspielchen voll in seinem Element.

Gonzalez passte, Gonzalez rannte, Gonzalez flankte – und scheint wieder der Alte zu sein. Nichts mehr zu spüren von seinem Muskelbündelriss in der Hüfte, eine Verletzung, die so schmerzhaft ist, wie sie klingt. Zugezogen kurz vor dem Start in die neue Saison. Die Pessimisten unter den Fans unkten danach, wer nun überhaupt noch Tore schießen will beim VfB. Schließlich war Gonzalez in der abgelaufenen Saison treffsicherster Schütze beim Klub aus Cannstatt.

Insgesamt an 18 Toren war er beteiligt, womit sich Gonzalez teamintern den Titel des Most Involved Players (MIV) verdiente. In diese Berechnung fließen nicht nur Torabschlüsse und Vorlagen mit ein, sondern auch so genannte Vor-Assists und weitere indirekte Beteiligungen.

Dass es seine Ersatzleute auch ohne ihn so gut machen und der Aufsteiger nach drei Spielen ohne den strammen Linksfuß schon sieben Treffer aufweist, hätten wohl nur die Wenigsten vorausgesagt. Weshalb man vor dem Gastspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) bei Hertha BSC die Frage aufwerfen könnte, ob es Gonzalez im Moment überhaupt braucht in der Elf.

Matarazzo wird sie mit einem klaren Ja beantworten. Bereits vor dem 1:1 gegen Bayer Leverkusen kündigte er die Rückkehr des 22-Jährigen für das Berlin-Spiel an. Er werde bis dahin wohl wieder eine Option sein, erklärte Matarazzo ungewohnt frühzeitig, und schränkte ein: Wenn auch nicht für die Startelf.

Der Argentinier dürfte am kommenden Samstag im Olympiastadion am ehesten in die Rolle des ersten Jokers schlüpfen, sollte seine Torgefahr in der zweiten Hälfte vonnöten sein. Vielleicht war aber auch alles nur ein vorweggenommener Bluff – und der Argentinier stürmt von Beginn an. Im Training machte Gonzalez jedenfalls einen fitten Eindruck.

So oder so: Mit „Loco Nico“ ergeben sich für Matarazzo gegen die wilde und defensiv anfällige Hertha (4:5 im Pokal gegen Braunschweig, 4:1 in Bremen, 1:3 gegen Eintracht Frankfurt, 3:4 in München) neue Optionen. Der Angreifer könnte auf die linke Außenbahn zurückkehren. Dort, wo er schon in der abgelaufenen Saison am gezieltesten eingesetzt wurde. Als Dampfmacher und Vorlagengeber für Stoßstürmer Sasa Kalajdzic, sollte dieser wohlbehalten vom österreichischen Nationalteam zurückgekehrt sein. Nachdem der 23-Jährige zu Beginn über Adduktorenprobleme geklagt hatte und geschont wurde, saß er beim 1:0-Sieg in Nordirland auf der Bank. Am Mittwoch trat er noch in Rumänien an.

Zurück zu Gonzalez. Meldet er sich bis Samstag endgültig fit, müsste ein Trio um seinen Platz fürchten: Gonzalo Castro, Daniel Didavi und Borna Sosa. Für mindestens einen der Dreien wäre im Mittelfeld kein Platz mehr. Möglicherweise krempelt Chefcoach Matarazzo seine Elf auch in größerem Stil um. Durchaus vorstellbar angesichts des 33 Mann starken Kaders, zu dem am Samstag auch die wiedergenesenen Erik Thommy und Philipp Förster stoßen könnten.

Mehr Räume für VfB-Angreifer

Vieles ist möglich. Das gilt genauso für das Angriffsspiel des Aufsteigers in der Bundesliga, wo die gegnerischen Abwehrreihen tatsächlich nicht mehr so dicht stehen wie zu Zweitligazeiten und wo sich beim Kontern deutlich größere Räume bieten. Gonzalez könnte mit seinen „Waffen“ dort hineinstoßen – und den VfB noch ein Stück weit unberechenbarer machen.

Hitzlspergers Pläne


Vorstandschef Thomas Hitzlsperger arbeitet offenbar an einer Umstrukturierung der Führungsebene des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart. Wie die „Bild“ (Mittwoch) berichtet, hat der 38-Jährige eine Personalberatungs-Agentur beauftragt. Demnach soll der Bereich unter dem Vorstand verschlankt werden.

Von den aktuell 20 Bereichsleitern sollen künftig zehn zu Direktoren werden, die anderen zehn werden laut des Berichts zurückgestuft. Auf Kündigungen will der VfB laut Hitzlsperger verzichten. „Es wird Enttäuschungen geben. Aber wir wollen in der zweiten Führungsebene effizienter werden“, sagte Hitzlsperger dem Blatt. „Wir möchten schnelle Entscheidungswege, klare Zuständigkeiten.“ Finanzielle Einbußen soll es für die zurückgestuften Bereichsleiter nicht geben. dpa