Andrea Petkovic schluchzte, Tränen liefen ihre Wangen herunter. Die 34-Jährige musste erstmal einen großen Schluck Wasser nehmen, sich sammeln. „Ich liebe das Spiel noch immer und spüre weiter eine enorme Leidenschaft“, sagte die langjährige deutsche Nummer zwei mit brüchiger Stimme. Es muss sich noch ein wenig setzen, dass ihre lange Karriere nun wirklich vorbei ist.

Die einstige Weltranglisten-Neunte hatte in der ersten Runde der US Open noch einmal alles auf dem Platz gelassen nach Tagen voller Schwermut – ausgelöst von der eigenen Ankündigung ihres „letzten Tanzes“. Doch nach 2:14 Stunden musste sich Petkovic der Schweizer Olympiasiegerin Belinda Bencic 2:6, 6:4, 4:6 geschlagen geben.

Petkovic schossen danach immer wieder Tränen in die Augen, sie fragte sich, wie Serena Williams auf ihrer Abschiedstour ihre Emotionen so gut in den Griff bekommt. Doch Petkovic wirkte am Ende eines Lebensabschnitts, der 2002 mit der Qualifikations-Teilnahme in Hamburg begonnen hatte und nun in ihrer Wahlheimat New York ein Ende fand, auch mit sich im Reinen.

Umbruch voll im Gange

„Ich habe der Sportart alles gegeben, was ich geben konnte“, sagte Petkovic, die 2014 das Halbfinale der French Open erreicht hatte: „Ich hatte dieses Jahr auch zum ersten Mal das Gefühl, dass meine Geschichte auserzählt war und dass die neue Generation übernimmt.“

Der Umbruch im deutschen Frauentennis gewinnt damit zunehmend an Tempo. Die sogenannte „Goldene Generation“, die vor acht Jahren das Finale des Fed Cup, des heutigen Billie-Jean-King-Cup, erreichte, zieht sich mehr und mehr zurück. Julia Görges wagte bereits 2020 den Absprung, Angelique Kerber befindet sich in der Babypause, einzig Tatjana Maria und Sabine Lisicki spielen noch. Zu den Nachfolgerinnen von Petkovic und Co. zählt unter anderem Jule Niemeier, der Petkovic eng verbunden ist.

„Ich habe ihr Match geschaut, und es war auch für mich sehr schwierig“, sagte die 23-jährige Niemeier, die es als einzige deutsche Spielerin in die zweite Runde schaffte und nun auf Julia Putinzewa (Kasachstan) trifft: „Ich habe auch ein paar Tränen verdrückt. Es war sehr emotional. Ich hoffe, dass sie im Tennis irgendwie da bleiben wird.“

Ähnlich äußerte sich Barbara Rittner. Andrea Petkovic sei „ein ganz besonderer Charakter und ein Vorbild für die jüngere Generation – mit ihrer Art zu reflektieren und dem unbändigen Willen, sich immer weiterzuentwickeln“, sagte die Bundestrainerin, die den Rücktritt bedauerte, aber nachvollziehen kann. Petkovics Körper habe das Stoppschild gesetzt.

Ihre Story, berichtete die Buchautorin und ZDF-Moderatorin Petkovic, habe sich zuletzt vor allem um die Comebacks gedreht. Die Zwangspausen seien immer mehr geworden. Sie habe Schmerzmittel und Entzündungshemmer benötigt, um dem gelben Ball weiter nachjagen und trainieren und spielen zu können. Also fasste sie schon vor einigen Wochen ihren Entschluss. sid

Titelverteidigerin Raducanu strauchelt


Bei den deutschen Männern schaffte es erstmals seit 1984 kein Profi in die zweite Runde von New York. Auch Hoffnungsträger Oscar Otte ist raus. Er verlor gegen den Polen Hubert Hurkacz 4:6, 2:6, 4:6.

Titelverteidigerin Emma Raducanu ist überraschend schon in der ersten Runde gescheitert. Die britische Tennisspielerin unterlag in ihrem Auftaktmatch in der Nacht zu Mittwoch der Französin Alizé Cornet mit 3:6, 3:6.