Novak Djokovic brüllte wie von Sinnen, verpasste der Werbebande einen Tritt, schmiss sogar fast den Schläger auf seine Betreuer in der Box. Und als er wenige Momente später das Giganten-Halbfinale bei den French Open gegen Rafael Nadal mit einer Energieleistung perfekt gemacht hatte, stieß er mit weit aufgerissenen Augen vier Urschreie in den Pariser Nachthimmel.

Kurios: Wegen des bevorstehenden Beginns der Ausgangssperre in Paris musste die Partie für rund 20 Minuten unterbrochen werden. Um kurz vor 23 Uhr wurden die Zuschauer aufgefordert, das Stadion zu verlassen. Die Tennis-Fans quittierten das mit lauten Pfiffen und „Wir haben bezahlt“-Sprechchören.

So siegte Djokovic vor leeren Rängen. Seine dabei gezeigte Wucht des „Vulkans“ soll nun der spanische Sandplatzkönig Nadal an diesem Freitag zu spüren bekommen, wenn das Duell der Superlative als vorweggenommenes Endspiel ansteht. Im ersten Halbfinale (14.50 Uhr/Eurosport) treffen Alexander Zverev (Hamburg) und der Grieche Stefanos Tsitsipas, 22, aufeinander. Beide sind bei den French Open noch nie so weit vorgestoßen.

Bisher größte Prüfung

Groß im Fokus jedoch: Nadal gegen Djokovic, 20 Grand-Slam-Titel gegen 18, Paris-Rekordchampion gegen Nummer eins der Welt. Schon zum 58. Mal stehen sich beide gegenüber. Djokovic ist bereits heiß und brennt auf eine besondere Revanche. „Ich würde Rafa wahrscheinlich als den größten Rivalen wählen, den ich in meiner Karriere je hatte“, sagte der 34-Jährige nach dem emotionalen Viersatzsieg – 6:3, 6:2, 6:7 (5:7), 7:5 – gegen den Italiener Matteo Berrettini im Viertelfinale. Noch schmerzt den Serben aber die Lehrstunde gegen Nadal im Finale 2020. Beim 6:0, 6:2, 7:5 dominierte der Spanier ihn fast nach Belieben. Und 2021? Er sei „zuversichtlich“, so der Paris-Champion von 2016, dass er das Finale gegen Zverev oder Tsitsipas erreicht. „Ich glaube“, sagte Djokovic weiter, „dass ich gewinnen kann, sonst wäre ich nicht hier. Lasst uns einen tollen Kampf haben.“

Zverev steht drei Stunden vorher in Paris vor seiner bislang größten Prüfung. Er hat sich viele Jahre für diese Momente gequält. Im Kraftraum, auf dem Trainingsplatz. Der beste deutsche Tennisspieler feierte eindrucksvolle Siege, erlitt aber auch schmerzliche Niederlagen, die ihn immer nur noch mehr anstachelten, für den großen Traum vom Grand-Slam-Titel zu kämpfen. Der ist in Paris erneut in greifbare Nähe gerückt. „Ich bin zuversichtlich, ich bin glücklich“, sagte der 24-Jährige. Der Titel in Roland Garros würde ihm alles bedeuten. Doch schon der vorletzte Schritt gegen Tsitsipas wird enorm schwer, ehe Nadal oder Djokovic warten. sid/dpa

 Kein Deutscher im Stuttgarter Viertelfinale


Yannick Hanfmann und Peter Gojowczyk sind als letzte deutsche Tennisprofis im Achtelfinale des ATP-Turniers in Stuttgart ausgeschieden. Der 29-jährige Hanfmann musste sich am Donnerstag dem favorisierten Franzosen Ugo Humbert 6:7 (9:11), 2:6 geschlagen geben. Damit verpasste es der Weltranglisten-96. aus Karlsruhe, erstmals beim Stuttgarter Rasenturnier die Runde der besten Acht zu erreichen. Hanfmann war, wie berichtet, dank einer Wildcard ins Hauptfeld der mit 618 735 Euro dotierten Veranstaltung gerückt.

Qualifikant Gojowczyk gab gegen den österreichischen Außenseiter Jurij Rodionov beim Stande von 3:5 auf. Grund dafür waren offenbar Bauchmuskelprobleme. Der 31 Jahre alte Münchner hatte sich schon früh im ersten Satz behandeln lassen.