Max Verstappen kann die kurze Auszeit entspannt mit Freundin Kelly Piquet genießen. Schon in Singapur am 2. Oktober kann er seinen zweiten Weltmeistertitel in der Formel 1 holen. Der Red Bull ist einfach zu gut für die Konkurrenz – auch wegen ihr. Ihr Name: Hannah Schmitz. Jobbezeichnung: leitende Strategieingenieurin. Prädikat: besonders wertvoll. Verstappen sagte einmal, die Britin bleibe in höchsten Stressmomenten „wahnsinnig ruhig“. Die „Gazzetta dello Sport“ pries sie als „Genie“.

„F1 Strategin, Elternteil von 2, liebe, was ich tue“, stellt sich Hannah Schmitz selbst bei Instagram vor. Etwas mehr als 33 000 Follower hat sie und ist doch ein Social-Media-Neuling. Vier Beiträge sind es erst seit dem ersten im November 2019. Das war, als sie mit Sieger Verstappen in São Paulo aufs Podest durfte.

Das spezielle Siegerfoto hatte einen Grund: Schmitz, die zur Beruhigung immer die Handflächen flach nach innen auflegt, hatte mit einer mutig-aggressiven Strategie Verstappen den Weg zum Sieg geebnet, und so macht sie es auch in dieser Saison. Schmitz‘ Rolle am Kommandostand sei „der Dreh- und Angelpunkt“, betont Teamchef Christian Horner.

Start als Praktikantin

Schmitz ist Cambridge-Absolventin, Mutter zweier Kindern, gibt ansonsten aber nichts Privates preis. Sie sagt von sich, dass sie immer alles plane. Beispiel: Wenn es mit der Familie auf Reisen geht, werden die Sachen am Tag vorher fertig gepackt. Ihre Reise in die Formel 1 hat 2009 begonnen. Schmitz startete als Praktikantin bei Red Bull Racing. Als Sebastian Vettel noch erfolgreich war, arbeitete sie schon im Strategie-Team mit. Seit rund anderthalb Jahren ist Schmitz nun schon die Chef-Strategin.

„Strategie, Mut zum Risiko, Geistesblitze, das perfekte Gespür für Daten und die nötige Ruhe, um glasklare Entscheidungen in der Hektik eines chaotischen Rennens zu treffen“, brauche es in der Formel 1, schrieb die österreichische „Kleine Zeitung“ aus der Heimat von Red Bull und betonte: „Kaum eine Person verbindet diese Eigenschaften derzeit so wie Hannah Schmitz.“ Sie sei „glasklar“ in Entscheidungen, das Wort „vielleicht“ gebe es bei ihr nicht, sagt Red Bulls Motorsportchef Helmut Marko.

„Als Strategin musst du unzähligen Leuten sagen, was sie zu tun haben – und sie müssen dir zuhören, also kommt es darauf an, Vertrauen aufzubauen, und ich denke, dass das als Frau sehr viel schwieriger ist“, hat sie mal auf der Homepage des Rennstalls geschrieben. Diesen Respekt habe sie sich mittlerweile erarbeitet.

Respekt, der aber manchmal auch verloren geht. Erfolg bringt das schnell mit sich. So wie unlängst beim Heimerfolg Verstappens in den Niederlanden. Dass ein Rennauto des Red-Bull-Schwesterteams Alpha Tauri liegengeblieben war und für eine Safety-Car-Phase gesorgt hatte, befeuerte die Verschwörungsfantasien mancher Formel-1-Fans. In sozialen Netzwerken wurde Schmitz teilweise übel beleidigt. Ein solches hasserfülltes Verhalten sei nicht zu tolerieren, reagierte Alpha Tauri und wies Vorwürfe einer Zusammenarbeit zurück.

Schmitz hatte auch beim Rennen danach in Italien wieder die ideale Strategie aus Milliarden von Datenpunkten gefunden, auch in Monza gewann Verstappen, hat jetzt 166 Punkte Vorsprung. Mit den „kalkulierten Entscheidungen“ von Schmitz und ihrem Team habe Red Bull alle Informationen zur Hand, um Rennen zu gewinnen, heißt es in einem Beitrag auf der Homepage. Da kann der alte und womöglich schon bald neue Weltmeister ein paar Tage ohne Rennstrecke noch entspannter genießen.  sid

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Rennen sollen in der nächsten Saison in der Formel 1 gefahren werden, zwei mehr als in diesem Jahr. Neu ist das Stadtrennen in Las Vegas. China und Katar sind zurück.