Ulm / Manuela Harant, mit dpa Die Verantwortlichen der Bundesliga-Vereine verständigen sich mit großer Mehrheit auf eine Saisonunterbrechung bis 30. April – mit dem Ziel, die Runde anschließend zu Ende zu spielen. Von Manuela Harant

Die Klub-Mitarbeiter in Kurzarbeit, viele Profis sind ausgeflogen, und doch hofft die Basketball-Bundesliga (BBL) trotz Corona-Krise noch auf eine sportliche Beendigung der abgebrochenen Saison: In einer Videokonferenz zwischen der BBL und denn Erstliga-Vereinen verständigten sich die Verantwortlichen darauf, den Spielbetrieb vorerst bis 30. April auszusetzen und bis dahin zu erörtern, ob und wie die Saison irgendwie zu Ende gespielt werden kann. „Es bleibt das erklärte Ziel, die Saison 2019/2020 zu einem späteren Zeitpunkt geordnet zu Ende zu spielen, gegebenenfalls mit einem gekürzten respektive verdichteten Modus“, hieß es in einer Liga-Mitteilung. Die Entscheidung sei mit „deutlicher Mehrheit“ getroffen worden.

Damit stimmten die Vereinsverantwortlichen nach rund dreistündigen Beratungen noch einmal gegen einen Abbruch der Saison, wie ihn die Deutsche Eishockey Liga vor kurzem beschlossen hatte. Der Beschluss sei „die einzig logische Entscheidung“, sagte Bayern Münchens Geschäftsführer Marko Pesic.

Der Geschäftsführer von Ratiopharm Ulm, Andreas Oettel, äußerte sich jedoch zurückhaltend, was die Fortsetzung des Spielbetriebs Anfang Mai angeht: „Der Wunsch ist bei allen BBL-Klubs vorhanden. Dennoch steht bei allen zukünftigen Entscheidungen weiterhin die Prävention der Ausbreitung an erster Stelle“, gab der Ulmer Klubchef zu bedenken. Die BBL hatte den Spielbetrieb am 12. März für unbestimmte Zeit unterbrochen. Die meisten Klubs müssen elf oder mehr Hauptrundenspiele absolvieren. Zahlreiche US-Profis sind in die Heimat zurückgekehrt.

Auch den Basketball-Bundesligisten in Baden-Württemberg steht aktuell kaum Personal zur Verfügung. So  haben gleich fünf US-Profis die MHP Riesen Ludwigsburg verlassen: Khadeen Carrington, Cameron Jackson, Nick Weiler-Babb, Tanner Leissner und Thomas Wimbush. Da die USA bereits ihre Einreisebestimmungen drastisch verschärft haben, fürchten die Profis aus Übersee, ansonsten gar nicht mehr zurück in die Heimat zu kommen. „Die Verträge sind weiter gültig für den Fall, dass der Spielbetrieb doch wieder aufgenommen werden sollte“, stellte Riesen-Vorstand Alexander Reil allerdings am Montag klar.

Auch bei Ratiopharm Ulm befinden sich derzeit alle Spieler im Kreise ihrer Familien in den eigenen vier Wänden. „Wir haben allen unseren Spielern ein individuelles Workout-Programm zusammengestellt, das sie bei sich zuhause oder einzeln auch an der frischen Luft durchführen können“, beschreibt Ulms Cheftrainer Jaka Lakovic die aktuelle Situation seiner Profis.

Besondere Hoffnung auf ein sportliches Saisonende mit Wertung der Spiele haben sicherlich auch die Crailsheim Merlins, die sensationell auf dem dritten Tabellenplatz standen, als der Spielbetrieb vorläufig eingestellt wurde. Doch momentan kann auch das Überraschungsteam der Saison nur auf Sicht fahren: „Wir sind momentan überrascht darüber, was am nächsten Tag noch dazukommt. Es ist klar, dass uns das mehr oder weniger überrollt“, sagte Klubchef Martin Romig.

Die Liga will ihren Klubs in den kommenden Wochen nun dabei helfen, ihre Organisation und vor allem die Liquidität aufrechtzuerhalten. „Wir werden den Vereinen bei der Kurzarbeit helfen, zudem ist eine gemeinsame Position der Liga beim Thema Gehaltsverzicht der Profis geplant“, sagte BBL-Geschäftsführer Stefan Holz.

Viel Zuspruch in Ludwigsburg

Aber auch die Unterstützung aus der Bevölkerung stimmt die angeschlagenen Basketballvereine zuversichtlich. So bedankte sich Markus Buchmann, zweiter Vorsitzender der Riesen Ludwigsburg, am Mittwoch für unzählige E-Mails, Social-Media-Kommentare und Telefonate: „Die angekündigte oder bereits gezeigte Unterstützung und Solidarität aller Beteiligten verdeutlicht, dass der Basketballstandort Ludwigsburg auch in dieser schweren und unklaren Zeit stark ist – und die Riesen-Familie nicht nur emotional zusammenhält.“ (mit dpa)

Kurzarbeit bei Bundesligist

Die Frankfurt Skyliners haben im Kampf um das finanzielle Überleben für alle Festangestellten Kurzarbeit beantragt. Abgesehen von einer Notbesetzung arbeite der Klub derzeit vom Home Office aus, teilten die Skyliners mit. Die Erreichbarkeit über Telefon oder die sozialen Netzwerke sei gewährleistet. Die Entscheidung sei „wirtschaftlich sinnvoll um die Zukunft des Klubs zu sichern“, sagte der geschäftsführende Gesellschafter Gunnar Wöbke.

Neben den Frankfurtern haben bereits Ratiopharm Ulm, s.Oliver Würzburg, Telekom Baskets Bonn, Rasta Vechta und BG Göttingen Kurzarbeit angemeldet.