Ulm / Manuela Harant Nach dem Rückzug von drei Mannschaften aus der höchsten deutschen Spielklasse hängt die neue Saison am seidenen Faden. Von Manuela Harant

Michael Warm, Trainer des VfB Friedrichshafen, ist eigentlich ein Mann klarer Worte. Doch in diesen Tagen kann er den Fans auch nichts genaues sagen. „Wir sind zuversichtlich, dass es uns gelingt, ein Budget für die nächste Saison zusammenzubekommen. Doch die Höhe ist völlig unklar“, sagt der Volleyball-Coach, der vergangenen Sommer an den Bodensee gekommen war. Der Wahl-Wiener sitzt aktuell in seiner Wohnung in Österreich und kann das Land nicht verlassen, um in Friedrichshafen nach dem Rechten zu sehen.

Warten auf Verbände

Doch viel gibt es da auch nicht zu sehen. Denn nach dem Saisonabbruch der Volleyball-Bundesliga (VBL) Mitte März und der anschließenden Absage von Playoff- und Pokalspielen, ist weder klar, auf welchem Rang der VfB seine Saison abschließt, noch ob er künftig mit der Teilnahme an der Champions League rechnen kann, die einen großen Teil der Einnahmen des 13-maligen Deutschen Meisters garantiert. „Wir haben aktuell immer noch keine Rahmenbedingungen: Die internationalen Verbände eiern rum, und damit fällt das ganze Kartenhaus zusammen“, erklärt der erfahrene Bundesliga-Trainer Warm.

Diese Unsicherheit ist es, die weniger gefestigte Mannschaften wie den TV Rottenburg, die Volleys Eltmann und zuletzt die Alpenvolleys Haching zum Rückzug aus der höchsten deutschen Spielklasse bewegte. So sind weitere Offenbarungseide unter den Topteams Deutschlands nicht ausgeschlossen. Dabei ist noch nicht einmal klar, wann die neue Saison beginnen wird. Und noch etwas macht Michael Warm nach seiner Einstands-Saison zu schaffen: „Wir werden nie wissen, wie weit wir gekommen wären. Alles ist abgeschnitten“, sagt der gebürtige Nürnberger. Dadurch ließen sich kaum Rückschlüsse für die Vorbereitung auf die neue Runde ziehen, fügt er hinzu.

Und die schweren Zeiten kommen erst noch: „Diese Krise wird dem Volleyball sehr zusetzen. Die Wirtschaftskraft der Vereine nimmt eher ab“, sagte Kaweh Niroomand, Manager der BR Volleys, dem zweiten Branchenprimus neben dem VfB Friedrichshafen. Dagegen versucht das Management der VBL zu beschwichtigen: „Von den anderen Standorten haben wir bislang positive Signale erhalten“, sagte Klaus-Peter Jung, Geschäftsführer der Volleyball Bundesliga, nach dem Rückzug der Alpenvolleys: „Wir können Stand heute davon ausgehen, dass wir mit zehn Mannschaften in die Saison 2020/21 starten, sollten sich die Corona-bedingten Einschränkungen nicht noch länger als erwartet hinziehen.“

Allerdings hat die Corona-Krise lediglich als Brandbeschleuniger gewirkt in einer Sportart, die schon lange zum finanziellen Wagnis geworden ist: Die rückläufige Medienpräsenz hat zu rückläufigen Zuschauerzahlen in den Hallen geführt, und die besten Spieler Europas haben sich längst zu anderen, besser situierten Vereinen in Richtung Osteuropa verabschiedet.

Damit hat auch der VfB Friedrichshafen, um die Jahrtausendwende DIE Adresse im europäischen Volleyball, zu kämpfen. „Früher war für jeden klar, dass in Friedrichshafen die besten Bedingungen herrschen, um im Volleyball ganz nach oben zu kommen. Da wollen wir in Zukunft wieder hin“, erklärt Warm sein ehrgeiziges Projekt, das ebenfalls von der Corona-Krise ausgebremst werden könnte.

Stillstand auf dem Markt

Denn aktuell sind die Klubs in ganz Europa mehr mit sich selbst als mit der Zukunftsplanung beschäftigt: Wie fast alle professionell geführten Vereine hat auch der VfB die Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. „Der gesamte Markt steht gerade still, alle warten auf ein Signal, wie es weiter geht“, sagt Warm. Unsicherheit ist das größte Hindernis für Entwicklung. Und wenn sie nicht bald beendet wird, könnte schon bald der nächste Volleyball-Bundesligist seine Segel streichen.

Drei Absagen unterschiedlich begründet

Die Gründe für den Rückzug der drei Bundesligisten sind höchst unterschiedlich: Im Fall der Volleys Eltmann wurde die VBL unabhängig von der Corona-Pandemie aktiv und entzog dem Team nach der schon im Dezember 2019 angekündigten Insolvenz die Lizenz.

Vollkommen anders gelagert war die Situation bei den Alpenvolleys Haching. Nach drei Jahren wurde für das deutsch-österreichische Projekt keine Lizenz mehr beantragt, weil im Sommer alle Sponsorenverträge auslaufen und sich Neuverhandlungen derzeit schwierig gestalten. Zwei Partner mussten schon ihr Engagement Corona-bedingt reduzieren, sodass Geschäftsführer Hannes Kronthaler einspringen musste – eine Situation, die in der aktuellen Lage nicht weiter tragfähig war.

Ähnlich beim TV Rottenburg, der als erster Klub am 3. April die Reißleine zog: „Es war schon vor der Krise nicht einfach, die finanziellen Mittel für Bundesligavolleyball aufzutreiben. In den nächsten Monaten sehen die Perspektiven noch viel schlechter aus“, erklärte Rottenburgs Geschäftsführer Philipp Vollmer nach dem Rückzug. Die Reserven beim TVR seien wie bei vielen anderen Vereinen gering und schon für die Saison 2019/20 eingeplant gewesen.