In einem blauen SUV fuhren Leon Goretzka am Lenkrad und Beifahrer Manuel Neuer vom Parkplatz des Teamhotels. Ein Corona-Störfall hat zentrale Pläne von Hansi Flick für die so wichtige WM-Generalprobe gegen Ungarn und England abrupt durchkreuzt. Der Nations-League-Abschluss der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit dem vom Bundestrainer angestrebten Gruppensieg muss ohne die Leistungsträger stattfinden.

Neuer und Goretzka, die noch am Sonntag mit dem FC Bayern beim traditionellen Oktoberfestbesuch der Mannschaft auf der Münchner Theresienwiese im Festzelt saßen, mussten am Mittwoch nach positiven Corona-Tests aus dem DFB-Quartier in Gravenbruch bei Frankfurt/Main abreisen. Zuvor hatte es im privaten Umfeld eines Spielers einen Corona-Fall gegeben, woraufhin die medizinische Abteilung des DFB sofort aktiv wurde.

Brandt ebenfalls abgereist

Die Corona-Sorgen sind in die Nationalmannschaft zurückgekehrt. „Klar, die Alarmglocken gehen bei einem an, weil es unmittelbar erstmal heißt, man ist raus und kann der Mannschaft nicht helfen“, sagte der Gladbacher Jonas Hofmann. Das DFB-Team hat schon einmal eine ähnliche Situation erlebt. Im November 2021 wurde Niklas Süle positiv getestet, Joshua Kimmich, Serge Gnabry, Jamal Musiala und Karim Adeyemi reisten damals als Kontaktpersonen ebenfalls ab. Den Verantwortlichen ist daher bewusst: Das könnte auch bei der WM in Katar passieren.

Der Corona-Alarm beim Nationalteam, das am Donnerstag mit dem Zug von Frankfurt in den Spielort Leipzig reist, ist mit der Abreise von Neuer und Goretzka jedenfalls noch nicht vorbei. Die Kontaktpersonen des Bayern-Duos würden weiterhin „täglich getestet“, teilte der DFB mit.  „Nach zwei Jahren mit der Pandemie greifen die gewohnten Abläufe unserer medizinischen Abteilung“, berichtete Nationalmannschaftssprecherin Franziska Wülle.

Neuer und Goretzka sind immerhin „symptomfrei“. Das Corona-Comeback bei der Nationalelf überrumpelte den Tross. „Generell hat sich der Umgang vielleicht ein bisschen verharmlost, nicht nur hier, sondern generell im Alltagsleben“, sagte Hofmann. „Unsere medizinische Abteilung hat da gut, schnell und richtig gehandelt. Hoffentlich werden wir keine Fälle mehr haben.“

Der Fußball, die Nations League und die WM rückten zumindest für kurze Zeit in den Hintergrund. Flick ließ am zweiten Trainingstag in zwei Gruppen üben. Standards, also Ecken und Freistöße, standen dabei im Mittelpunkt, wie Verteidiger Kehrer nach der geheimen Einheit auf dem DFB-Campus berichtete. Der Bundestrainer reagierte auf die neue Lage mit der Nachnominierung des Wolfsburger Mittelfeldspielers Maximilian Arnold und des Hoffenheimer Schlussmannes Oliver Baumann. Gegen Ungarn dürfte am Freitag (20.45 Uhr/ZDF) nun Marc-André ter Stegen im Tor stehen. Nicht mit dabei sein wird hingegen Julian Brandt. Der Mittelfeldspieler ist ebenfalls abgereist. Er hat sich einen grippalen Infekt zugezogen.

Die Entwicklungen haben Flicks Aufstellungspläne gegen Ungarn und England umgeworfen. Das ändert aber nichts am Ziel des Bundestrainers, „beide Spiele zu gewinnen“. Flicks Ehrgeiz steckt die Spieler an. „Hansi lebt das vor, jedes Länderspiel gewinnen zu wollen, die Nations League gewinnen zu wollen“, sagte Hofmann. Welcher Führungsspieler das Team gegen Ungarn als Kapitän für Neuer auf den Platz führen wird, ist offen. Thomas Müller, Ilkay Gündogan und Kimmich sind Kandidaten. dpa

DFB will Zeichen gegen Diskriminierung setzen


Politik Statement am Ärmel: Der Kapitän der Nationalmannschaft wird bei den kommenden Länderspielen mit einer besonderen Binde auflaufen. Diese ziere „ein Herz in bunten Farben, die für Vielfalt stehen, sowie die Aufschrift ‚One Love‘“, wie der DFB mitteilte. „Das soll ein Zeichen von unserer Seite sein“, sagte Mittelfeldakteur Jonas Hofmann. Die Nationalspieler wollen damit gegen die Diskriminierung von Homosexuellen im WM-Gastgeberland Katar protestieren.