Der FC Bayern gegen Paris St. Germain, Hansi Flick gegen Thomas Tuchel, Lewandowski gegen Neymar, Mia-san-mia-Klub aus München gegen reichen Emporkömmling – das Champions-League-Finale am Sonntag (21 Uhr/ZDF/Sky/DAZN) hat etliche Facetten. Die Spannung vor dem Duell in Lissabon wächst. Mit Bayern und Paris haben die beiden stärksten Teams Europas das Endspiel um die begehrteste Vereinstrophäe der Welt erreicht. Keine Frage: Aus sportlicher Sicht ein Traumfinale – bei dem allerdings erneut die Zuschauer fehlen werden. Franz Beckenbauer freut sich wie Millionen Fußball-Fans auf dieses Spiel. Einen Favoriten vermag der „Kaiser“ nicht zu erkennen. Wie stehen die Chancen seiner Bayern? 50:50, sagt Beckenbauer.

Wir haben die Teams miteinander verglichen. Bei uns hat im Duell FCB gegen PSG der FC Bayern die Nase vorn.

Tor Im Kasten von PSG steht Sergio Rico. Der 26-Jährige ersetzt den verletzten Stammtorwart Keylor Navas. Einen sicheren Eindruck hat Rico beim 3:0 im Halbfinale gegen RB Leipzig nicht gemacht. Kein Wunder: Der Spanier hat kaum Spielpraxis. Bei den Bayern steht Manuel Neuer im Tor, mit Liverpools Alisson Becker und Tottenhams Hugo Lloris der beste Torwart der Welt. Neuer ist in Topform. Er verkörpert wie kaum ein anderer das Selbstvertrauen der Münchner. Im Halbfinale gegen Lyon war der 34-Jährige immer da, wenn er gebraucht wurde, bärenstark vor allem im Eins-gegen-Eins-Duell. Eine Bank.

Klarer Punkt für die Bayern 1:0

Abwehr Paris und München besitzen starke Innenverteidiger. Auf PSG-Seite steht zum einen der robuste Presnel Kimpembe (26), 2018 Weltmeister mit Frankreich. Chef der Defensive ist aber ein Routinier: Thiago Silva. Im September wird der Brasilianer 36. Aber er verkörpert noch immer Weltklasse. Das Finale ist das letzte Spiel Silvas für PSG. Sein Vertrag wurde nicht verlängert. Bei den Bayern bilden der von Hansi Flick zum Innenverteidiger umgeschulte David Alaba (28) und der wiedererstarkte 2014er-Weltmeister Jérôme Boateng das Abwehrbollwerk. Beide sind exzellente Fußballer, stark auch in der Spieleröffnung. Ein Klasse-Duo.

Auf den Außen sind die Bayern mit Shootingstar und Mega-Sprinter Alphonso Davies (19, links) und Joshua Kimmich (25, rechts) besser besetzt als der Gegner. Gut möglich, dass FCB-Coach Flick den genesenen Ex-VfBler Benjamin Pavard für Kimmich rechts ran lässt. „Auch auf Pavard ist Verlass“, sagt Flick.

Bei PSG bilden der Ex-Bayer Juan Bernat (27, links) sowie der deutsche Nationalspieler und in Tübingen geborene Thilo Kehrer (23, rechts) die Außen in der Viererkette.

Punkt für die Bayern 2:0

Mittelfeld Thomas Tuchel dürfte erneut Ander Herrera (31, spielt sehr abgeklärt und routiniert), Marquinhos (26, eigentlich Innenverteidiger) und den spielstarken Leandro Paredes (26) aufbieten. Ein starkes Mittelfeld, gegen Leipzig zusammen mit der famosen Offensive stärkster Mannschaftsteil der Franzosen. Bei den Bayern ist Leon Goretzka (25) gesetzt. Der Ex-Schalker hat physisch zugelegt, ist Balleroberer, Ballverteiler, torgefährlich, schaltet sich gern in den Angriff ein. Neben ihm dürfte Thiago (29) spielen, dessen Abschied aus München sich immer mehr abzeichnet. Sollte Kimmich zurück in die Zentrale rotieren, muss Thiago weichen.

Punkte für beide 3:1

Offensive Angel di Maria (32), Kylian Mbappé (21), Neymar (28) gegen Ivan Persisic (31), Robert Lewandowski (32), Thomas Müller (31), Serge Gnabry (25). Weltklasse gegen Weltklasse. Die PSG-Angreifer sind schnell und kreativ, die Münchner Offensive arbeitet auch gegen den Ball hervorragend. Mehr geht nicht.

Punkt für beide 4:2

Trainer Deutsches Duell: PSG-Trainer Thomas Tuchel „macht in Paris einen sensationellen Job“, sagt Bayern-Coach Hansi Flick (55). Tatsächlich hat der 46-Jährige nach einigen internen Querelen sein Star-Team im Griff. Wie dominant Paris gegen Leipzig agierte, war beeindruckend. Hansi Flick hat den Bayern nach der Trennung von Niko Kovac nicht nur neues Leben eingehaucht. Er hat ein nahezu perfekt aufeinander abgestimmtes Ensemble geschaffen. Ein Team, dessen Gier nach Erfolg seinesgleichen sucht.

Punkt für beide 5:3

 Drei deutsche Trainer haben die Champions League gewonnen


2 Milliarden Euro haben die Klubeigner aus Katar seit 2011 in das Projekt Paris St. Germain gepumpt. Ziel von Anfang an: der Champions-League-Gewinn. Alleine das PSG-Sturnduo Neymar und und Kylan Mbappé ließen sich die Pariser stolze 400 Millionen Euro kosten.

4 Jahre ist es her, dass Thomas Tuchel schon mal in einem Endspiel gegen Bayern antrat. Als Trainer von Borussia Dortmund unterlag er 2016 bim Finale um den DFB-Pokal im Elfmeterschießen. 75 000 Zuschauer waren Augenzeugen in Berlin. Im Estádio da Luz werden am Sonntag die Fanblöcke leer bleiben.

24 Treffer haben die Bayern-Angreifer Robert Lewandowski und Serge Gnabry zusammen in dieser Champions-League-Saison erzielt, Neymar und Mbappé acht.

3 deutsche Trainer haben bislang die Champions League gewonnen: Ottmar Hitzfeld (1997/Borussia Dortmund, 2001/Bayern München) und Jupp Heynckes (1998/Real Madrid, 2013/Bayern München) sowie Jürgen Klopp, der 2019 mit dem FC Liverpool triumphierte.