Zwischenhoch für die Biathleten zum Ende des Sommers. Nach dem Saisonabbruch im März waren die Deutschen Meisterschafen in Altenberg der erste offizielle Wettkampf und sogar einer mit Zuschauern. Kein Schnee, Roller unter den Füßen statt Ski – ansonsten gibt es wenig Unterschiede zum Winter. Allerdings sind für die Athleten Stürze schmerzhafter. Gerade im Sprint, als ein Wolkenbruch über Altenberg niederging, blieb einiges an Haut auf dem Asphalt liegen.

Bei den Frauen beherrschte Denise Herrmann das Feld. Die 31-Jährige holte die Titel in Sprint und Verfolgung, war läuferisch das Maß aller Dinge. Nur im verkürzten Einzel-Wettkampf fand sie ihre Meisterin in Janina Hettich. Die 24-Jährige vom SC Schönwald zeigte sich das gesamte Wochenende stark am Schießstand. „Wir haben das Schießen wieder stabilisiert. An ein, zwei Stellschrauben müssen wir aber noch drehen“, sagt ihr Trainer Roman Böttcher. Beim Laufen sei es zu Denise Herrmann „noch ein gutes Stück“. Doch in der deutschen Spitze habe sich die Schwarzwälderin etabliert. Denn auch im Sprint (4.) und Verfolgung (3.) war Hettich vorn dabei.

Gesetzt für die ersten Weltcups sind neben Herrmann noch Franziska Preuß (24), für die es in Altenberg mit zwei Podestplätzen gut lief, und die derzeit verletzte Vanessa Hinz (26). Mit Maren Hammerschmidt (30), Karolin Horchler (30) und Franziska Hildebrand (33) ist die zweite Reihe schon älter. Es fehlt der Druck. Immerhin ließen neben Hettich einige Jüngere wie die Bayerinnen Sophia Schneider (23) oder Stefanie Scherer (24) ihr Können aufblitzen.

Schempp geht eigenen Weg

„Es macht Spaß, im Konzert der Großen mitzuspielen“, stellte Böttcher angesichts des ersten Frauentitels seit zehn Jahren zufrieden fest. Bei den Männern war Simon Schempp (SZ Uhingen) stark unterwegs, siegte in der Verfolgung. Schempp startet zwar nach wie vor fürs Land, geht aber schon immer seinen eigenen Weg.

Benedikt Dolls Bindung an die Heimat ist da enger. Der Breitnauer war immer in der Spitze dabei, das genügt ihm zu diesem Zeitpunkt der Saison vollauf. Er ist fürs Weltcup-Team gesetzt. Doll war im Sommer vor allem daheim unterwegs, allein, mit der Stützpunkt-Gruppe am Notschrei und Freiburg oder mit Roman Rees. Außerdem hat der 30-Jährige sein Studium an der Hochschule Furtwangen abgeschlossen.

Bei den Männern sind auch Arnd Peiffer (33), Philipp Horn (25) und Johannes Kühn (28) gesetzt, dahinter ist der Konkurrenzkampf hart. Auch hier ließen Bayern aufhorchen mit Einzel-Meister  Johannes Donhauser (26) und Sprint-Sieger Dominic Schmuck (24).

Nach einer schwächeren Saison ist Roman Rees wieder dabei. „Endlich hat er wieder eine DM abgeliefert, die seiner Leistungsfähigkeit entspricht“, meinte Böttcher. Zwei Podestplätze gab es für den 27-jährigen Freiburger. Er hat den Anschluss an die Spitze wieder geschafft.

Janina Hettich und Roman Rees dürften nach diesen Ergebnissen und den Leistungen bei internen Vergleichen gute Chancen auf die Plätze in den Trainingsgruppen haben, die sich gezielt auf Einsätze im Weltcup und IBU-Cup vorbereiten. Hinter ihnen klafft aber in Baden-Württemberg eine Lücke. Bei den Männern ist der 21-jährige Philipp Lipowitz (DAV Ulm) im Vergleich mit den anderen Junioren gut dabei. „Er gehört zu den drei oder vier Sportlern an der Spitze“, sagt Böttcher und lobt den Sprung, den der großgewachsene Athlet im Laufen gemacht hat.

Die frühere Jugend-Weltmeisterin Marina Sauter (23/DAV Ulm) hat Böttchers Trainingsgruppe verlassen, versucht jetzt in Mittenwald ihr Glück. Die Ergebnisse in Altenberg waren eher ernüchternd. „Aber ich denke, das war auch der Situation geschuldet“, sagt Böttcher.

Zufrieden zeigte er sich mit den Braun-Zwillingen (DAV Ulm). Mareike Braun lief im Einzel in die Top Ten. „Bei den Juniorinnen gibt sie läuferisch den Ton an. Das Schießen ist noch nicht stabil genug, aber das bekommen wir bis zum Winter hin“, ist sich Böttcher sicher. „Ich bin happy mit dem Wochenende“, sagt die 20-Jährige. Läuferisch ist sie auf dem Level einer Franziska Hildebrand und der restlichen B-Mannschaft.

Das gleiche traut Böttcher ihrer Schwester Sabrina Braun zu, die in der Woche vor Altenberg krank war, mit Platz zwölf im Sprint deshalb zufrieden war. Für beide gilt: Im Schießen ist noch Luft nach oben. Daran gilt es nun bis zu den Winterkämpfen zu feilen. Falls dann die Saison läuft wie geplant.

Corona-Situation


Programm Bei den deutschen Meisterschaften wurden nur Sprint, Verfolgung und ein verkürzter Einzel-Wettkampf gelaufen. Massenstart und Staffel fielen wegen der geltenden Corona-Beschränkungen aus.

Plan Der Biathlon-Weltverband plant derzeit mit einem normalen Weltcup-Kalender. Der Weltcup soll am 27. November in Finnland starten, der IBU-Cup eine Woche zuvor in Schweden. Im Februar soll auf der Pokljuka in Slowenien die WM ausgetragen werden.

Fans In Altenberg waren insgesamt 1000 Zuschauer erlaubt. Noch gibt es keine Entscheidung, ob Fans bei den Weltcups kommen dürfen.