Marco Reus verpasste dem ersten Gegenspieler einen Tunnel, tanzte den zweiten aus und versetzte den dritten, indem er einen Schuss antäuschte. Dann traf er mit rechts krachend unten links ins Eck. Nach 216 Tagen Zwangspause führte der so verletzungsanfällige Nationalspieler von Borussia Dortmund im Test gegen Sparta Rotterdam eindrucksvoll vor, dass er wieder zurück ist. Mit etwas längeren Haaren und mehr Bart – und diesmal vielleicht endlich dauerhaft.

„Das war ein erster Schritt in die richtige Richtung“, schrieb Reus bei Twitter unter ein Foto, auf dem er als Kapitän lautstark das Kommando führt. Dahinter setzte er ein Bizeps-Emoji. Seine hartnäckige Leistenentzündung ist auch dank der Unterstützung eines Biostatikers ausgestanden.

Jede Sekunde genossen

Das Tempo seines Comebacks darf der 31-Jährige selbst bestimmen, so war es ausgemacht. Nach 45 Minuten gab er grünes Licht dafür, auch nach der Halbzeitpause noch auf dem Trainingsplatz in Dortmund-Brackel zu stehen. „Wir haben ihn gefragt, und er hat ja gesagt. Es ist gut, dass er direkt 70 Minuten gespielt hat“, sagte Trainer Lucien Favre.

Marco Reus hatte den Fußball vermisst. In einem jungen BVB-Team, dem noch zwölf Nationalspieler fehlten, genoss er jede Sekunde. Er kommunizierte viel, war agil und spielfreudig, dazu schoss er aus allen Lagen. Die komplett anwesende BVB-Führungsetage sah sein erstes Spiel seit Februar mit Freuden.

„Marco hat mir gut gefallen. Das war ein wichtiges Zeichen für ihn. Er hat lange gespielt, das Tor gemacht und viele quirlige Aktionen gehabt“, sagte Sebastian Kehl. Dem Lizenzspielerchef fiel besonders ein Detail positiv auf: „Auch in den Zweikämpfen hat er dagegengehalten.“ Sportdirektor Michael Zorc sieht Reus „kernig, mit neuer Körpersprache“.

Der filigrane Körper also scheint stabil zu sein, der Kopf frei: „Marco ist physisch bereit“, wie Favre zusammenfasste. Dabei seien zwischendurch „die Nachrichten „nicht so gut gewesen“. Womöglich wird Reus sogar für einen Einsatz im DFB-Pokal-Erstrundenspiel beim MSV Duisburg am Montag (20.45 Uhr/ARD und Sky) infrage kommen. Der Ligastart ist am Wochenende darauf der Kracher der Champions-League-Teilnehmer gegen seinen Ex-Klub Borussia Mönchengladbach.

Zuletzt hatten die Prognosen noch ganz anders ausgesehen. Angesichts seiner langen Historie komplizierter Verletzungen stand zu befürchten, dass sich Marco Reus noch weitere Monate herumquälen würde, bevor mit einer Rückkehr zu rechnen sei. Doch „die Signale wurden positiver“, berichtete Favre, schließlich standen sie auf Grün.

Nach einer unruhigen Vorbereitung scheint sich Borussia Dortmund rechtzeitig zu finden – mit einem erstaunlich fitten Marco Reus. sid

40 Verletzungen in zehn Jahren


Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln hat unlängst festgestellt, dass Marco Reus’ Körper für die extremen Belastungen eines Leistungssportlers eigentlich nicht geeignet ist. Die lange Verletzungshistorie des gebürtigen Dortmunders zeugt davon. In den vergangenen zehn Jahren sind mehr als 40 mittelschwere bis schwere Verletzungen dokumentiert. dpa