Berlin / dpa DFB-Pokal Der Titeljäger aus München und der ewige Zweite Bayer Leverkusen wollen das Endspiel im Berliner Olympiastadion auch ohne Zuschauer zum Spektakel machen.

Der Dauersieger will nach dem Sané-Coup das Geister-Double, der ewige Zweite seine jahrzehntelange Titel-Tristesse beenden. Den goldenen DFB-Pokal vor Augen wies Manuel Neuer vor dem reizvollen Cup-Finale zwischen seinem FC Bayern München und Bayer Leverkusen mit Wehmut auf den denkwürdigen Abschluss einer sorgenreichen Saison im deutschen Fußball hin. „Das wird auch für mich eine Lebenserfahrung sein“, sinnierte der finalerprobte Nationalmannschaftskapitän vor dem Endspiel im leeren Olympiastadion.

Ohne buntes Rahmenprogramm und knisternde Atmosphäre mit rund 75 000 Fans wollen die Protagonisten das in über 160 Länder übertragene Finale trotzdem zu einem großen Fußball-Spektakel werden lassen. „Es ist natürlich immer ein Höhepunkt der Saison, jetzt mit einem anderen Ambiente“, erklärte Bayern-Kapitän Neuer. „Wir nehmen das so an, wie es ist und sind ganz heiß, diesen Pokal zu gewinnen.“

Noch nicht dabei sein wird Leroy Sane, dessen Verpflichtung nun perfekt ist. Der 24 Jahre alte Nationalspieler kommt von Manchester City zu den Bayern, wo er einen Fünfjahresvertrag erhält. Die Ablösesumme soll 49 Millionen Euro plus 11 Millionen Boni betragen, das Jahresgehalt beträgt angeblich 20 Millionen Euro brutto. „Mit Leroy haben wir einen ganz, ganz großen Schritt gemacht, in Europa weiter ganz, ganz vorne mitzuspielen“, sagte Vorstand Oliver Kahn. In der Champions-­League-Endrunde im August ist der Offensivmann, der in München die prestigeträchtige Rückennummer 10 erhält, ebenfalls noch nicht spielberechtigt.

Beim Abschlusstraining der Teams im Berliner Olympiastadion waren die am Samstag (20 Uhr/ARD und Sky) leeren Fankurven schon in Vereinsfarben dekoriert. „Schreibt Geschichte“ war in großen Buchstaben im Leverkusener Block zu lesen. „Schon als man als kleiner Junge mit dem Kicken angefangen hat, wollte man Titel holen, wollte man gewinnen“, drückte Bayer-Kapitän Lars Bender seine Sehnsucht aus. Nach 27 trophäenlosen Jahren will Leverkusen endlich wieder etwas gewinnen – und nach acht zweiten Plätzen das belächelte „Vizekusen“-Image ablegen.

Doch der große Favorit ist der Rekordcupsieger aus Bayern. Der 20. Pokalerfolg und das 13. Double sollen her. „Wir versuchen alles, dass wir das Double wieder nach München holen“, sagte Hansi Flick vor seinem ersten Endspiel als Chefcoach.

Besonders im Blickpunkt stehen wird Leverkusens Ausnahmekönner Kai Havertz. Der 21-Jährige kann sich als einer der größten Hoffnungsträger im deutschen Fußball seinen neuen Klub praktisch selbst aussuchen. Bayern galt als ein Topkandidat. Doch nach dem Multi-Millionen-Einkauf Sané ist eine weitere Münchner Top-Verpflichtung in diesem Sommer unwahrscheinlicher geworden. „Kai kann für uns im Finale sehr wichtig sein“, sagte Trainer Peter Bosz. An seinem Ablösewert von rund 100 Millionen Euro ändert das Finale im Olympiastadion nichts. Aber mit einem großen (End-)Spiel kann er seinen sportlichen Wert auf großer Bühne dokumentieren.

Bei den Bayern ist Thiago  nach seiner Leistenoperation wieder eine Option. Nationalspieler Niklas Süle könnte erstmals nach seinem Kreuzbandriss im Oktober wieder im Münchner Kader stehen. Den Leverkusenern fehlen Dailey Sinkgraven und Paulinho.  dpa

Gegner im Direktvergleich

FC Bayern München Verein Bayer Leverkusen

27. Februar 1900 Gründungsdatum 1. Juli 1904

Rot-Weiß Vereinsfarben Rot-Weiß-Schwarz

293 000 (2019) Mitglieder 27 462 (Juni 2020)

750,4 Mio. (2018/19) Umsatz rund 220 Mio.
(geschätzt)

1. BL-Platzierung 2019/20 5.

Pokalsieger Pokal-Abschneiden 2018/19 Achtelfinale

30 Meistertitel 0

19 DFB-Pokalsiege 1

7 Europapokaltitel 1

Hansi Flick Trainer Peter Bosz

Manuel Neuer Kapitän Lars Bender

Allianz Arena (75 000) Stadion BayArena (30 210)