Julian Nagelsmann war die Lust auf seinen ersten Wiesn-Besuch als Bayern-Trainer vergangen. „Wenn die Mannschaft hingeht, dann muss ich mit“, sagte der 35-Jährige nach dem Stimmungsdämpfer bei der Pleite in Augsburg. „Grundsätzlich habe ich keine Lust.“ Nach dem 0:1 (0:0) in der Fußball-Bundesliga gegen einen giftigen, ekligen und grandios kämpfenden FC Augsburg mussten sich die Münchner nicht nur einmal wieder Fragen gefallen lassen, ob ihnen nicht eine echte Nummer 9 wie Robert Lewandowski fehlt. Sondern auch, ob das neue flexible Spielsystem mit vielen offensiven Kräften nach dem überragenden Saisonstart und zuletzt mehreren Enttäuschungen entschlüsselt ist.

„Entschlüsselt weiß ich nicht, aber pariert schon einige Male“, sagte Sportvorstand Hasan Salihamidzic. Den Bayern missfiel nicht nur das Ergebnis, auch die Herangehensweise der Stars um den glücklosen Sadio Mané. Vier Liga-Spiele ohne Bayern-Sieg gab es zuletzt vor über 20 Jahren. Grimmig und im Telegrammstil kommentierte der Trainer in der Pressekonferenz die erste Saison-Niederlage. In der anstehenden Länderspielpause wolle er nun viel nachdenken: „Über alles denke ich nach. Über mich. Über die Situation.“ Bockig beklagte Nagelsmann zum wiederholten Male die fehlende Effizienz. Seine Spieler seien „einfach sehr Laissez-faire“ aufgetreten.

„Katastrophaler Trend“

Etwas verklärend sah Thomas Müller auch ein 10:2 für Bayern als mögliches Ergebnis an. Er räumte aber auch die insgesamt schwierige Situation ein. „Der Trend ist katastrophal, wenn man aus vier Spielen keines gewinnt“, sagte Müller. Das sei ein Trend, der „nix Gutes“ bedeute, sagte sein Trainer, der nun eine Krise meistern muss. „Jetzt wird es erstmal eine ungemütliche Länderspielpause“, sagte Nationalmannschaftskollege Leon Goretzka. Danach kann es aber auch noch unruhiger werden: Bayer Leverkusen zu Hause und Borussia Dortmund auswärts sind die nächsten Bundesliga-Aufgaben.

Die Augsburger krönten ihre Leistung mit dem Siegtor von Mergim Berisha (59.) nach einem Freistoß aus der eigenen Hälfte. „Solche Spiele und Tore vergisst man einfach nicht“, sagte der 24-Jährige. dpa