Per Günther hatte es geahnt. Als er am 17. August des vergangenen Jahres mit Basketball-Bundesligist Ratiopharm Ulm in die Vorbereitung gestartet ist, wusste der Aufbauspieler schon ziemlich genau, was auf ihn in der Saison zukommen wird. Ein paar Wochen zuvor hatte er verkündet, dass es für ihn die letzte Spielzeit sein wird und seine Ära nach 14 Erstliga-­Jahren, die er allesamt für Ulm bestritten hat, enden wird. „Ich denke nicht, dass das während der Saison eine große Geschichte sein wird. Eher dann zum Ende hin“, sagte der 34-Jährige beim Trainingsauftakt und lag damit goldrichtig.

Nachdem sein Abschied während der Runde wirklich kaum ein Thema war, stand die Ulmer Nummer sechs zuletzt auswärts stets im Mittelpunkt: In Bayreuth überreichte ihm Bastian Doreth einen Geschenkkorb, in Bamberg spielten die Gastgeber auf dem Videowürfel einen Clip mit Per Günthers besten Szenen aus Spielen gegen die Franken ab. Anschließend gab es jeweils anerkennenden Applaus der gegnerischen Fans. „Das ist schon etwas, worüber ich mich sehr, sehr gefreut habe. Weil es zeigt, dass es auch außerhalb von Ulm Leute gab, die mich gerne spielen gesehen haben“, sagt Günther.

Wie viele Möglichkeiten es dafür noch geben wird, ist offen. Mit Ratiopharm Ulm startet der 65-fache Nationalspieler am Samstag (20.30 Uhr) bei den Riesen Ludwigsburg in die Playoffs. Nur so viel steht bereits fest: Die 500 Bundesligaspiele wird der gebürtige Gießener in Spiel drei der Viertelfinalserie in der heimischen Ratiopharm-Arena auf jeden Fall noch vollmachen.

Gemischte Gefühle

Die Zusatzschicht in der Meisterschaftsrunde weckt beim 34-Jährigen gemischte Gefühle. Auf der einen Seite freut er sich auf die besondere Atmosphäre, die in der entscheidenden Saisonphase herrscht. Auf der anderen Seite gibt er zu: „Ein Ende ohne Playoffs hätte durchaus auch etwas gehabt. Das hätte man planen können, alle Freunde und die Familie hätten dabei sein können.“

So wie es bei Rickey Paulding (Oldenburg) und Alex King (Würzburg) war, deren Karrieren mit dem letzten Hauptrundenspiel endeten. Nun aber betritt Günther als letzte der drei Legenden, die sich diese Saison auf Abschiedstour begeben haben, die Playoff-Bühne. Auf der fühlte sich der Aufbauspieler stets wohl. „In den Playoffs habe ich immer meinen besten Basketball gespielt“, sagt er rückblickend. Insofern schaut er halbwegs versöhnlich auf die titellose Zeit zurück, in der er mit Ratiopharm Ulm viermal in einem Endspiel stand. Zweimal scheiterten die Schwaben im Pokalfinale an Berlin, zweimal war Bamberg im Meisterschaftsfinale zu stark. Mike Taylor, sein erster Trainer in Ulm, sagt dazu: „Dass Per mit Ratiopharm Ulm nie einen Titel gewinnen konnte, schmälert seine Karriere in keinster Weise. Er hat so viel mit und für den Verein erreicht – und das ist es, was zählt.“

Dass sich daran nun ausgerechnet im letzten Jahr etwas ändert, ist sehr unwahrscheinlich, wenn auch nicht gänzlich unmöglich. Doch die Verletzungen von Karim Jallow, Philipp Herkenhoff, aber vor allem von Center Cristiano Felicio wiegen schwer und schwächen den zweimaligen Vizemeister enorm. Die große Frage vor dem Playoff-Start der Ulmer ist, wie lange die Kräfte von Jaron Blossomgame, Semaj Christon und Sindarius Thornwell reichen. Mit dem Trio in Bestform ist vieles möglich, wie sich im Eurocup gezeigt hat. Dort zog Ulm ins Viertelfinale ein und hatte den späteren Titelträger Virtus Bologna am Rande einer Niederlage.

Wann seine Karriere endet, weiß Per Günther noch nicht. Wie es weitergeht, hingegen schon. Zur Überraschung vieler wird er die Stadt und den Verein verlassen, um mit seiner Familie nach Hamburg zu ziehen. Einen gebührenden Abschied will ihm der Klub aber noch bescheren, indem sein Trikot unter das Hallendach gehängt und fortan die Nummer sechs nicht mehr vergeben wird. Es ist das erste Mal, dass einem Ratiopharm-Spieler diese Ehre zuteil wird. Nach 14 Jahren im Ulmer Trikot hat sich das Per Günther redlich verdient.

Ein Derby, ein Klassiker und eine Premiere


Spannung Die Playoff-Duelle stehen fest und bereits das Viertelfinale verspricht einiges an Spannung. Aus schwäbischer Sicht steht natürlich die Derby-Serie der MHP Riesen Ludwigsburg (4.) gegen Ratiopharm Ulm (5.) im Fokus. Mit dem Erfolg im Heimspiel gegen Heidelberg haben sich die Riesen nicht nur den Heimvorteil in einem möglichen fünften Spiel gesichert, sondern Bayern München (3.) auch eine unangenehme Aufgabe beschert (Freitag, 20.30). Der Titelkandidat bekommt es mit Chemnitz (6.) zu tun, dem „Angstgegner“ der Münchner. Inklusive Pokal gewann die Niners diese Saison alle drei Partien gegen Bayern.

Ein Klassiker ist das Duell des Hauptrundensieger Alba Berlin gegen Brose Bamberg (8.), mit dem die Playoffs am Freitag (19 Uhr) starten. Das zeitgleiche Viertelfinalspiel zwischen Bonn (2.) und den Hamburg Towers (7.) ist eine Premiere. Beide Teams stehen sich zum ersten Mal in den Playoffs gegenüber.