Mit der hart erkämpften Bronzemedaille um den Hals stieß Dennis Schröder einen euphorischen Urschrei aus, ehe die Champagner-Dusche den Kapitän der deutschen Basketball-Helden voll erwischte. Andreas Obst und Johannes Voigtmann tränkten ihren Anführer im Bauch der Berliner Arena von oben bis unten in feinster Brause – und dann ging die Party richtig los.

Bis tief in die Nacht wurde in einer Bar im Sheraton Grand Hotel Esplanade am Lützowufer gefeiert. Mitten im Jubelreigen träumten sie schon von mehr. Die Heim-EM soll der Startschuss gewesen sein. Wird es also von nun an Medaillen regnen? Womöglich schon bei der WM 2023 in Japan, Indonesien und den Philippinen sowie bei Olympia 2024 in Paris? „Eine Medaille auf diesem Niveau zu gewinnen, ist unfassbar schwierig“, bremste Co-Kapitän Voigtmann: „Wir haben diesen Hunger. Die Enttäuschung, dass es nicht für das Finale gereicht hat, steckt bei uns drin.“ Dies sei ein „gutes Signal“, man müsse „diesen Siegeswillen“ behalten.

Kern bleibt zusammen

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Der Kern der Mannschaft wird noch einige Zeit zusammenbleiben, mit Beginn der EM-Vorbereitung hat sich der Bronze-Kader dem Dreijahresplan von Bundestrainer Gordon Herbert verschrieben. „Ich werde hier so lange bleiben, bis ich nicht mehr laufen kann“, versprach Schröder, der als erster Deutscher seit Nowitzki 2007 ins EM-Allstar-Team gewählt wurde.

Mit dem 29 Jahre alte NBA-Star, seinem Adjutanten Voigtmann (29), dem Kunstschützen Maodo Lo (29) oder der Verteidigungsmaschine Daniel Theis (30) ist das Herz des Teams in den besten Jahren. „Jedes erfolgreiche Nationalteam war eine gewisse Zeit lang zusammen und hat eine Identität gefunden“, sagte Herbert: „Wir fangen damit gerade erst an.“ Hinzu kommt die ganz junge Garde um NBA-Shootingstar Franz Wagner (21), der ein starkes Turnier spielte. „Der wird die Nationalmannschaft mit führen“, so Schröder: „Er ist eine unglaubliche Persönlichkeit.“

Was von dem Hype bleibt, ist derzeit noch schwer zu sagen. Die grandiose Stimmung in Köln, der begeisternde Viertelfinal-Triumph gegen die Griechen – all das hat Basketball vorangebracht. Auch im Fernsehen kam Basketball ganz gut an: Gegen Polen schalteten im Schnitt immer noch 1,77 Millionen zu.  sid

Neue spanische Generation


Sturm Nach dem EM-Sieg bekam Willy Hernangomez eine ordentliche Dusche ab. Er hatte gerade seinen Bruder Juancho gelobt, da sprengten seine Teamkollegen die Pressekonferenz. Auch Trainer Sergio Scariolo wurde nicht verschont. „Das ist die Schattenseite eines jungen Teams“, sagte der Italiener lachend und dachte an die guten alten Zeiten: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie Pau Gasol mit Wasser herumspritzt.“

Brüder Pau und Marc Gasol sind nicht mehr da. In ihre Fußstapfen ist ein anderes Brüderpaar getreten: Willy und Juancho Hernangomez. Willy (28) wurde zum wertvollsten Spieler des Turniers gewählt, Juancho (26) war der entscheidende Mann beim 88:76 (47:37)-Finalsieg gegen Frankreich.

Mutter Die Mutter der beiden NBA-Profis, als Kind deutscher Eltern in Sevilla geboren, wurde 1993 selbst Basketball-Europameisterin. Zu ihren Ehren stand auf Willys Trikot „W. Geuer“.